Weltuntergang 

Herbst sagte heute, dass wir in unserem Land schrecklich schlecht auf den Weltuntergang vorbereitet sind. Die Apokalypse würde uns eiskalt erwischen.Ich sah ihn an und wusste nicht was er wollte. „Was willst Du von mir? Wie kann man denn darauf vorbereitet sein?“

Herbst sagte: „Ein gutes Beispiel dafür liefern die Amerikaner. Sie sagen immer, dass man jeden Tag so leben sollte, als wäre es der letzte.“

Ich sagte: „Solche fatalistischen Tendenzen möchte ich nicht teil. Würde ich jederzeit davon ausgehen, das nach mir die Sinnflut käme und überall verbrannte Erde hinterließe, würde ich sicherlich auch nicht glücklicher werden.

Wer sich keine Freunde macht, muss sich anschließend nicht wundern, wenn er hinterher Feinde hat.“

Herbst nickte. Er sagte: „Auf der anderen Seite gibt es auch Kulturen, in denen man sich jederzeit auf sein Ende, z.B. durch Beten und fasten, vorbereitet.“

Ich sagte: „Die Einstellung, dass vor mir die Sinnflut kommt, bietet sicherlich auch keinen erweiterten Horizont. 

Außerdem würde ich mich jeden Morgen darüber aufregen, dass ich meinen Tag vorher mit etwas verschwendet habe, was jetzt völlig unnütz war.“

Herbst sagte: „Siehst Du und deshalb ist das Land so schlecht vorbereitet auf den Weltuntergang.“

Ich sagte: „Vielleicht sollten wir den deshalb auch besser auf morgen verschieben. Dann können wir heute den Tag noch nutzen um uns ein wenig auszuruhen.“

Zeitreisen

Manchmal ist sich Herbst sicher, in die Zukunft blicken zu können. Sein Gesicht wird dann immer so verklärt und er spricht in einem merkwürdigen Ton.Heute sagte er: „In nur 150 Jahren wird sich unserer Sprache vollständig geändert haben. Die ersten Beweise dazu, können wir schon jetzt spüren.

Es fängt langsam an, doch die Entwicklung ist nicht mehr aufzuhalten.“

Ich sah ihn an und sagte: „Du meinst, dass die Ausländer unsere Sprache ruinieren?“ 

Herbst lachte und schüttelte den Kopf. Er sagte: „Die Änderung kommt nicht von außen. Sie kommt von innen.“

Der Kerl sprach in Rätsel. Für einen Moment überlegte ich, ob es mir nach der Auslösung der Mysterien verlangte oder ob er mir auf die Nerven fällt.

Da es Herbst allerdings eine Herzangelegenheit zu seinen schien, mit mit seiner Offenbarung die Ohren voll zu sülzen, sagte ich: „OK, schieß los…“

Er sagte: „Es wird sich eine zweite Sprache entwickeln, die nur von Vorgesetzten genutzt wird. Diese Sprach klingt fast wie die Landessprache, ist jedoch völlig unverständlich.

Nach ein paar Jahren, werden Übersetzer eingesetzt. 

Das hat sehr viele Vorteile. 

Der erste ist, dass die Vorgesetzten noch mehr in die Entwicklung ihrer Sprache ein- und abtauchen können. Der Effekt ist, dass sie sich teilweise untereinander kaum noch verstehen. 

Der zweite Vorteil ist, dass zwischen den Arbeitern und ihren Vorgesetzten ein Puffer besteht, der zusätzlich vermitteln kann.

Der größte Vorteil jedoch ist, dass bei Fehlern grundsätzlich immer der Übersetzter Schuld trägt und gefeuert werden kann.“

Ich nickte nur. Irgendwie klingt das plausibel.  

Neu, neuer, Mist

Herbst erzählte mir heute von einer besonders heißen Neuerung im Internet.

Geocashing gehört ja mittlerweile zu den bekannten Zeitvertreiben einer ganzen Generation von Fortschrittsgläubigen.

Neu ist hingegen Geobashing. Dabei werden Geo-Daten hinterlegt, die man persönlich aufsuchen muss – so weit wo uninovativ.

Sobald man den Ort allerdings gefunden hat, lacht sich eine Gruppe von angeheuerten Schwachsinnigen über den Suchenden lustig.

Wenn er Glück hat, wird er daraufhin auch noch vermöbelt.

Ich fragte Herbst, warum der Sucher überhaupt bei dem Spiel mitmacht.

Darauf wurde mir gesagt, dass die anderen Suchen irgendwie auch blöd sind und man Neues sucht. Außerdem gebe es genügend Masochisten, die auf so einen Scheiß stehen.

Glauben und Humor

Heute war die kleine Schwester von Facebook da. Praisebook ging mir schon auf die Nerven, als sie mein Büro betrat.Das liegt besonders daran, dass sie sich rechtfertigte, als sie die Tür öffnete.

„Ich weiß, dass ich von normalen Menschen nicht gerne gesehen werde.“, sagte sie. Ich hatte noch nicht einmal die Zeit gehabt sie kennenzulernen und schon ging sie davon aus, dass ich sie nicht mochte – anscheinend so etwas wie eine selbst erfüllende Prophezeiung.

Nach dem Gespräch, hatte ich viele Gründe sie nicht zu mögen.

„Glauben ist heute sowas von out!“. Dabei sah sie mich an, als hoffte sie in meinem Gesicht die Bestätigung zu lesen.

Ich sagte: „Warum?“ „Glauben ist so wichtig und die meisten Menschen machen sich darüber lustig.“

Mir fällt bis heute niemand ein, der sich über eine Person lustig macht, die glaubt. Sicherlich kann man sich über Religionen lustig machen. Aber warum sollte ich sie nicht ernst nehmen, nur weil sie glaubt?

Ich fragte sie, was sie wollte und sie sagte, dass sie sich gerne über ihren Glauben unterhalten würde.

Darauf hatte ich allerdings gerade keine Lust. Es gibt so Situationen in denen hat man einfach keine Zeit. Obwohl ich das sagte, sprach sie fleißig weiter.

Ich bin sicherlich kein unhöflicher Typ. Nach zwanzig Minuten hatte ich allerdings den Kaffee auf und entschuldigte mich.

Zum Glück konnte sie mich nicht auf die Toilette verfolgen.

Kinderbilder

Facebook hatte mich heute extrem lang in ihren Händen.Kaum blickt man mal auf die Uhr – schon sind Stunden vergangen. 

Sie sagte, wie schlimm sie es findet, dass Menschen Fotos ihrer Kinder ins Netz stellen. 

Wenn ich an die Nackedei-Bilder meiner frühesten Kindheit denke, bin ich glücklich, dass es damals noch kein Internet gab. Mein Vater hätte die Fotos damals bestimmt gepostet.

Heute gilt schon das öffentlich Auftauchen des Gesichts eines Kindes als Strafbestand, den man nicht unter Ausschluss aus der Community bestrafen muss. 

Man könnte mit seinem Posting Verbrecher animieren oder auch nur stimulieren.

Zumindest meint das Facebook, die auf ihrer sonst so glatten Stirn, viele runzlige Falten zeigte. 

Ich hielt das erneut für theatralisch Überhöhung der Realität. Aber stoppen kann man die Holde nicht. 

Sie schüttet viel zu gerne Kinder mit dem Bade aus. Getreu dem Motto: was raus muss, muss raus.

Bunte bling-bling Welt

Heute war Frau Facebook da.Meiner Meinung nach, ist sie eine Tratschbase mit viel zu viel Schminke und einem Hang zur Melodramatik. Trotzdem unterhalte ich mich gerne mit ihr. Ich will halt auch auf dem Laufenden bleiben.
Frau Facebook klagte mir ihr Leid. Herbst verdrehte dabei die Augen. Er kann die Dame gar nicht ab. Soweit er das beurteilt, jammert sie zu sehr über ihre Depressionen, immer wenn er in die Nähe ist.

Mir ist das auch schon aufgefallen. Wir können uns stundenlang gut unterhalten, aber immer wenn Herbst naht, fängt Sie an zu jammern.

Sie sagt dann immer wiedersinnige Sätze, wie „Die Tage werden kürzer.“ oder „Da ist eine Erkältung auf dem Weg.“.

Wie sie auf solche blöden Ideen verfallen kann, erschließt sich mir nicht. Weder weichen Tage von den vorgegebenen 24 Stunden ab, noch können Erkältungen laufen.

Aber die Frau meint es bestimmt nur gut.

Wenn sie mir nur nicht immer alle Meinungen meiner (zum Teil auch nur sehr entfernten) Kollegen auf die Nase binden würde.

Außerdem muss sie jeden Modetrend hinterherhecheln, wie ein räudiger Köter hinter einem Wurstverkäufer.

Eine eigene Meinung hat sie jedoch nicht. Das gefällt mir an ihr wahrscheinlich noch am Meisten.

Ratten

Herbst sagte: »Die Flüchtlinge werden unsere Kultur verändern.«Ich musste lachen. Als ob Herbst vorher soviel von unserer Kultur gehalten hätte. Eigentlich war gerade er es, der sich immer über das Land beschwert hatte.

Ich sagte: »Stell Dir vor, wir haben zwanzig Ratten in einem Käfig.

Sie sind schon lange da drinn und kennen sich gut.

Sie sind alle grau und langweilig.

Jetzt gibst Du drei neue, weiße Ratten in den Käfig.

Was wird passieren?«

Herbst zuckte und sagte: »Keine Ahnung – erzähl es mir«

Ich sagte: »Ich habe auch keien Ahnung. Vielleicht übernehmen die neuen Ratten die Gesellschaft und töten die zwanzig anderen. Das wäre allerdings sehr unrealistisch.

Vielleicht töten die grauen Ratten ja auch die Neuankömmlinge. Das wäre sehr schade.

Ich bin davon überzeugt, dass man nach einiger Zeit viele neue bunte Ratten im Käfig hat.

Um es anders auszudrücken – die Kultur wird sich ändern. Solange wir jedoch nicht die neuen Ratten im Käfig umbringen, könnte eine neue Kultur entstehen.«

Herbst sagte, dass es immer noch Ratten sind. Ich nickte nur.

Fakten Fakten Fakten

Herbst sagte: „So viele Flüchtlinge können wir einfach nicht aufnehmen. Sie überrennen und doch total.“
Ich sah ihn an, schluckte den letzten Rest meines Mittagessen runter und sagte: „Wie viele können wir denn aufnehmen?“
Er riss die Augen auf. Dann schüttelte er den Kopf und sagte: „Das weiß ich nicht“

„Was wäre wenn ich Dir jetzt sage, dass an einer deutschen Universität ermittelt wurde, dass ein Mensch durch das Rauchen, niemals so viel Schadstoffe ausstoßen kann, wie eine Fahrt mit dem Auto von Berlin nach Hamburg ausstößt.“

Herbst nickte und sagte, dass das plausibel klingt.

Ich sagte: „Das ist absolut frei erfunden – keine bewiesenen Fakten. 

Siehst Du, dass ist das Problem. Ohne statistische bzw. wissenschaftliche Fakten, glauben wir einfach das, was wir glauben wollen. 

Wenn wir unsere Reden mit pseudo wissenschaftlichen Phrasen ausschmücken und an die Intelligenz des Zuhörers appelieren,  neigen diese dazu das Gesagte zu glauben. Solange wir nicht wissen, wie viele wir aufnehmen können, werden wir auch nicht wissen, wie viele zu viel sind.“

Wen hast Du kennengelernt?

Herbst hält nichts vom Internet. 

Alle Leute, die damit zu tun haben, haben seiner Meinung nach, einen an der Klatsche. Soweit er sich zurück erinnern kann, hat er noch keinen normalen Typen unter den IT-Kobolden getroffen. 

Ich sagte ihm, dass es auch schwer wäre, da sie nicht in seinen Kreisen verkehrten. Meist findet man die Spezialisten eher an ihren Rechnern, als öffentlich zusammen mit Herbst in den Straßen.

Herbst meint, dass das doch der beste Beweis für ihren Wahnsinn ist. Sie könnten sich einfach nicht mit anderen Leuten unterhalten.

Ich sagte Herbst, dass ich da anderer Meinung bin. 

Durch das Internet hab ich immer wieder neue interessante Leute getroffen. Vor Jahren war da ein Mädchen aus dem Osten, die mir aus ihrem Leben erzählte. Ein Dorf, welches ihre Hochzeit erwartete, allerdings enttäuscht wurde, da sie sich auf den Typen, den man ihr vorschlug, nicht einlassen wollte.  

Oder die Frau, die mir Einblick in ihren Beruf ermöglichte und mir dadurch half, einige Szenen in meinen Geschichten, wesentlich realistischer zu gestalten.

Das Internet hat mich nicht dumm gemacht, sondern mich Leute kennen lernen lassen, die mich interessieren. 

Herbst war überrascht. Er meint, ich wäre da eine Ausnahmen. Die anderen sind doch nur eigenbrödlerische Spinner.

Ich beließ ihn in seiner Meinung. Manchmal hat es keinen Sinn Leute von der Wahrheit zu überzeugen.

Netz Leitfaden und andere Schleichwerbung

Herbst ist wieder da.

Schön dass er gesund ist. Ein Wenig hat er mir gefehlt.

Wir kamen ins Plaudern. Er meint er hatte während seiner Krankheit mal wieder Zeit gefunden, um sich um seine Internetprojekte zu kümmern.

Ich frage ihn, ob er denn genügend Follower habe und er meinte, dass es ihm genügen würde. Zwar hatten seine Brüder und Schwestern mehr als er, besonders Frühling der alte Poser hatte sich extrem gut verkaufen können, aber es genüge ihm.

Ich sagte Herbst, dass ich von einem neuen Leitfaden gelesen hatte. Man sollte sich zurücknehmen, wenn es um Produktplatzierungen gehen würde.

Herbst schnaubte nur. Er sagte: „Ich mache für nichts Werbung.“

Ich glaubte ihm nicht.

Seine Farben sind doch mittlerweile der letzte Schrei. Gerade helle Gelb- und satte Rottöne sind bei einige Sportwagenherstellern nicht mehr wegzudenken.

Ich fragte ihn, ob er damit etwas zu tun habe und er sagte, man wäre fast ganz alleine darauf gekommen. Das wären halte die Farben von Mutter Natur.

Ist ja schön, dass er zurück ist, aber auf die Nerven gehen mir solchen Phrasen trotzdem.