Vielleicht ein neuer Job?

Ich fragte Herbst, ob er auch noch in anderen Jobs gearbeitet hatte. Er sagte, dass er das gerne machte. Ein paar Jahre war er als Weihnachtsmann auf Weihnachtsmärkten unterwegs gewesen. Da seine Funktion ihn ja bis zu der Zeit ihm Jahr hier bindet, war dieser Job kein Problem.
Ich sagte, dass er es dieses Jahr wohl besser getroffen hat. Schließlich konnte er hier im Büro ja drinnen sitzen.
Er sagte, dass es definitiv etwas für sich hat. Sicherlich immer noch nicht das gelbe vom Ei, aber immer noch besser als Weihnachtsmann spielen.
Ich sagte, was er denn am liebsten wäre. Er sagte: “Das weiß ich im Moment auch nicht. Letztendlich hab ich ja schon Allerhand ausprobiert, aber so richtig gefallen hat mir kein Job.”
Ich fragte, ob er denn überhaupt arbeiten müsste und er sagte, dass er es auch lassen könne. Letztendlich kann er ja machen, was er will und der Bereich, den er überblicken muss, ist auch groß genug. Wenn er Lust hatte, konnte er bis zum Äquator runter.
Da unter braucht er noch nicht einmal ein Haus. Man kann sich einfach dort niederlassen, wo man will.
Ich sagte, dass ich ganz gerne mit ihm arbeiten würde. Schließlich wären unsere Gespräche immer sehr erhellend.

Verbrechen bis Weihnachten

Herbst erzählte mir, dass er auch schon andere Jobs vor diesem gemacht hatte. Ich sagte: “Noch bevor Du Herbst wurdest?”
Er sagte: “Ach man ist jetzt in der Funktion Jahreszeit nicht unbedingt stark ausgelastet. Meist reicht es ja schon, wenn man einfach da ist.”
Ich sagte: “Du malst also die Blätter nicht an?” Er sagte: “So ein Quatsch. Als nächstes glaubst Du noch daran, dass ich jedes Blatt einzeln vom Baum stupse. Das ist doch völliger Blödsinn.”
Ich fragte ihn, was er denn sonst mache? Er sagte: “Ach man schlägt sich so durch. Einmal war ich Detektiv. Das war recht spannend.
Ich hatte einen wirklich harten Fall, der sich lange hinzog.”
Ich sagte: “Und hast Du den Täter gefasst?”
Er sagte: “Ich habe alles versucht. Du musst wissen, dass es ein merkwürdiger Fall war. Das Haus war von innen verschlossen, der Schlüssel steckte, das Sicherheitsschloss war verriegelt und soweit man sehen konnte, gab es keinen Weg nach drinnen. Trotzdem war die alte Frau augenscheinlich erdrosselt worden.
Das Haus wurde durchsucht und Geld fehlte. Die Alte hatte vor ihrem Tod 10.000 DM abgehoben. 

Man fand weder die Mordwaffe, noch einen Verdächtigen. Die Frau war völlig allein. Wäre das fehlende Geld nicht gewesen, bzw. hätte es nicht gefehlt, wir wären alle von einem höchst obskuren Selbstmord ausgegangen.
Die Sache wurden noch komplizierter, als sich herausstellte, das sie vor vielen Jahren eine Zeugin eines Raubüberfalls geworden war. Sie hatte die Täter erkannt und hatte sie durch ihre Aussagen hinter Gitter gebracht.
Die Beute wurde allerdings nie gefunden. Es gab keine Spur von einem der größten Diamanten der damaligen Zeit. Er wurde nach dem Überfall nie wieder gesehen.”
Ich sagte: “Der Fall war doch klar! Es muss einer der Räuber gewesen sein. Die alte Dame hatte den Diamanten damals an sich genommen und hatte die Räuber ins Gefängnis gebracht.”
Herbst sagte: “So einfach war das nicht. Die beiden Räuber waren bei ihrer Verhaftung schon alt gewesen. Der letzte von den Beiden war am gleichen Tag wie die alte Frau gestorben. Man sagte mir, dass die Alte wahrscheinlich in der gleichen Stunde, wie der Räuber starb.”
Ich sagte: “Da ich nicht an Geister glaube, muss es ein Bekannter des Räubers gewesen sein.”
Herbst sagte: “Dachten wir auch. Wir haben recht lange nach dem Kerl gesucht.”
Ich sagte: “Und? Wer war es?”
Er sagte: “Ach das ist ja das Problem. Weihnachten kam viel zu schnell und damit der Winter. Ich musste gehen, bevor ich den Fall gelöst hatte.”
Ich sagte: “Das ist ja blöd.”
Herbst sagte: “Und ob.”

Präsidenten und anderes Vergessliches

Ich fragte Herbst, wie sein Gedächtnis funktionierte und er sagte: “Eigentlich besser als das von euch Menschen.”
Ich sagte: “Dann bedauere ich Dich.”
Er sagte: “Warum jetzt das?”
Ich sagte: “Wir hatten uns ja schon darüber unterhalten, dass die meisten Menschen meinen, dass früher alles besser war – weil die Vergangenheit verklärt wird.
Es kommt jedoch noch ein weiterer Effekt dazu. Kennst Du die Geschichte von der Erinnerung von Roland Reagan?”
Herbst schüttelte den Kopf. Ich sagte: “Er muss einmal aus seiner Jugend erzählt haben, noch lange bevor bei ihm Alzheimer erkannt wurde. Er behauptete steif und fest, dass ihm die Geschichte tatsächlich passiert wäre.
Viele hörten ihm zu. Im Nachhinein konnte man feststellen, dass die erzählte Geschichte direkt von einem seiner Filme stammte. Dabei behauptete er allerdings fest, selbst nachdem man ihm die Tatsachen vor Auge führte, dass ihm die Geschichte tatsächlich widerfahren war.
Jetzt könnte man sagen, dass Politiker immer lügen. Tatsache ist allerdings, dass unser Gedächtnis so schlecht ist, dass wir viele Dinge von wichtigen Geschichten vergessen haben, die wir uns dann einfach dazu erfinden.
Deshalb sind Zeugenaussagen auch so schwer auszuwerten. Es kann sein, dass drei Leute das Gleiche sehen, am Ende jedoch drei verschiedene Dinge beschreiben. Wir können uns einfach nicht erinnern und unserer Gehirn fängt an zu dichten.”
Herbst sagte: “Das kann ein echter Vorteil sein.”
Ich sagte: “Klar ist es auf jeden Fall. So muss man nicht alle Dinge im Kopf haben.”

Familie

Ich fragte Herb wie er sich denn so die Zeit vertreiben würde. Er sagte, dass man als Ewiger doch etwas zu viel davon hätte. Zumindest könnte er mehr als die Hälfte des Jahres Urlaub machen. Das hätte sicherlich seine Vorteile.
Danach wäre es dann eigentlich ganz angenehm. Man käme halt viel rum, sähe das ein oder andere und könne gut mal verweilen und sich treiben lassen.
Trotz der konservativen Grundhaltung ist Herbst eigentlich tief in seinem Inneren, ein ganz schöner Herumtreiber. Wenn die Blätter fallen, kommt es schon vor, dass er sich dann auch fallen lässt.
Sicherlich nicht mit Drogen im Bett, als eher mit Sandalen im Blätterhaufen.
Ich fragte ihn, ob es ihn schwer fällt, dass er seine Familie nur so selten treffe.
Er sagte, dass das auch Vorteile hätte. Wenn er sich so die Menschen betrachte, dann würden viele besser ohne Familie auskommen. Einige binden sich stark, die anderen sagen, dass man ohne besser dran ist.
Ich sagte, dass mir meine Familie auf jeden Fall fehlen würde. Er sagte: “Na ja wir treffen uns ja schon regelmäßig. Bis auf Frühling, die treffe ich selten. Normalerweise gibt es allerdings auch immer einen Streit, wenn wir uns dann sehen. Das letzte mal hätten wir dabei fast die Südliche Hemisphäre abgefackelt.”
Er sagte noch, dass ihm Atlantis schrecklich Leid täte, aber das wäre halt das Problem mit seiner Familie: Wenn es denn los bricht, dann war kein Halten mehr.
Ich sagte, dass ich es nicht verstehen würde, so ein schlechtes Verhältnis zu seiner eigenen Schwester zu haben.
Er sah mir tief in die Augen, schwieg einen Augenblick und sagte dann: “Du hast ja auch keine.”

Vergänglichkeit im Herbst

Ich sagte: „Du hast es gut Herbst, Du brauchst Dir über das Altern keine Gedanken machen.“
Er sagte: “Warum macht ihr es?”
Ich sagte: “Ich weiß nicht, wir wollen nicht ständig an die Vergänglichkeit erinnert werden.”
Er sagte: “Dann müsstet ihr mich hassen. Meine ganze Familie ist für die Änderungen in der Natur zuständig. Und gerade meine Wenigkeit ist die Vergänglichkeit in Person.”
Ich sagte: “So hab ich das nicht gemeint. Ich meinte, dass du Dir keine Sorgen machen musst, weil Du kein Ende hast.”
Er sagte: “Macht ihr euch auch immer Gedanken darüber, dass ihr nicht wisst, was vor eurer Geburt passiert ist?”
Ich sah ihn überrascht an. Was wollte er jetzt von mir. Niemand hatte Angst, weil er nicht wusste, was vor seiner Geburt mit ihm passiert ist. Nichts war vor der Geburt mit einem passiert.
Ich sagte: “Warum stellst Du mir jetzt diese merkwürdige Frage?”
Er sagte: “Du meinst, dass ich mir keine Gedanken machen muss, weil ich unsterblich bin. Du bist es nicht, aber ich verstehen nicht, warum Du überhaupt über Deine Sterblichkeit nachdenkst. Das ist doch völlig unwichtig.”
Ich sagte: “Warum?”
Er sagte: “Du sagst, dass Fragen über Dich vor Deiner Geburt merkwürdig wären. Dann sind sie es doch auch, wenn wir über die Zeit nach Deinem Tod sprechen.
Meinst Du nicht, dass vorher und nachher meistens das Gleiche sind? Schau Dir mal eine Wurst an. Die hat zwei Enden und die jammert auch nicht den ganzen Tag rum.”
Ich sagte: “OK, wenn Du meinst.”

Kurznotiz an Herbst: Wir schaffen es oder wollen wir nicht?

Ich sagte: »Ab und zu bekomme ich Ausschlag, wenn ich im Internet einige Kommentare lese.«
Herbst lachte trostlos auf und sagte: »Es ist sicherlich berechtigt, was sie sagen. Außerdem ist es ja ihre Meinung.«
Ich sagte: »Du willst doch nur die Leute in Schutz nehmen.
Die gesamte Sippschaft, die sich als gute Christen fühlen, wenn sie ihr eigenes Land verteidigen.
Sie rechtfertigen ihre Meinung mit dem Treffen von Jesus mit der der samaritischen Frau am Brunnen. Die Frau war am Mittag zum Brunnen gekommen, weil sie niemand anderen treffen wollte. Sie war so etwas wie ein Flüchtling im eigenen Land.
Dazu kam, dass sie nicht nur Ausländer, sondern auch andersgläubig, d.h. aus den Augen Jesus eine Ungläubige war.
Jesus sieht diese Frau, die ja nichts anderes ist, als die Ausländer die uns gerade vermutlich überrennen.
Er packt sie, stößt sie in den Brunnen und drückt so lange, bis sie sich nicht mehr wehrt.«
Herbst sagte: »Irgendwie erinnere ich mich anders an die Geschichte.«
Ich sagte: »Sonst passt sie doch nicht zu der Meinung dieser Leute.«
Herbst sagte: »Ach komm schon, wir schaffen das doch nicht.«
Ich sagte: »Ich kann es nicht mehr hören. Wenn wir es nicht schaffen, wer schafft es denn?«
Herbst schwieg.

Spaßvögel und andere Zugvögel

Ich fragte Herbst, ob er denn niemals Spaß hätte. Er sagte, dass er nicht der Spaßvogel seiner Familie wäre. Ganz im Gegenteil, das wäre eigentlich die Rolle seiner Schwester Frühling.
Mit einer solchen Chaotin im Schlepptau, hätte man es schließlich schwer genug. Da brauchte man nicht noch eigene Sachen anstellen.
Ich fragte ihn, ob Frühling denn wirklich ganz alleine und isoliert in der Spaßecke stehen würde und er sagte, dass man in der Familie sich umeinander sorgte.
Aber ab und zu müsste man sie einfach auflaufen lassen.
Ich fragte, was sie denn so Schlimmes gemacht hätte und er sagte: “Es gibt jetzt keine wirklich extremen Dinge, aber sie ist halt immer für einen schnellen Witz zu haben.
Vor ein paar Jahrhunderten, es können auch ein paar Jahrtausende sein, ich erinnere mich da nicht mehr ganz so genau, auf jeden Fall hat sie einen Stein beschriftet.
Heute ist der Jux alt, aber damals war es ganz heißer Shit.
Auf jeden Fall war die Schrift gerade erst erfunden worden und man bildete sich tierisch etwas darauf ein.
Sie schrieb auf den Stein die Wörter: ‘Wer das ließt ist doof’.
Die Leute waren entsetzt. Sie wussten nicht, wie die Schrift dorthin gekommen war. Nur die reichsten und schlausten Leute konnten Lesen und schreiben.
Sie waren sich allerdings nicht sicher, ob sie den Satz laut vorlesen sollten.
Ein Jahr ging vorbei und um den Stein hatte sich eine enorme Horde Menschen niedergelassen. Ein paar Philosophen schlugen sich regelmäßig die Zähne ein – damals hatten sie noch eher handfeste Argumente – weil sie verschiedener Meinung über die Entstehung der Worte und ihrer Bedeutung waren.
Frühling stachelte sie an.
Nach zwei Jahren hatte sich eine Religion um den Stein gebildet. Sie pilgerten von allen bekannten Gebieten um das Heiligtum zu sehen.
Winter und Sommer, die beiden älteren, konnten es irgendwann nicht mehr sehen.
Durch Stürme und Bltzeinschlag wurde der Stein unleserlich gemacht. Die Menschen verloren das Interesse und irgendwann wusste gar keiner mehr von dem Stein.
Ist schon lange her.
Das witzige an der Geschichte ist jedoch, dass der Stein im letzten Jahr wiedergefunden wurde. Jetzt rätseln Forscher über den Inhalt und die Bedeutung der längst vergessenen Sprache.
Frühling muss sich tierisch darüber freuen.
Wenn sie bald wieder zurück ist, musst Du sie unbedingt darauf ansprechen.”
Ich versprach ihm das zu machen.

Dinosaurier mit Altersproblemen

Herbst sagte: “Ihr seid doch alle dumme Rudeltiere. Wenn einer von euch mit Blödsinn anfängt, macht ihr das alle nach.”
Ich sagte: “Warum ärgert Dich die Menschheit eigentlich so?”
Er sagte: “Vielleicht gehen sie mir einfach kollektiv auf die Nüsse. Sie rennen rum, halten sich für die ganz Großen und glauben tatsächlich, sie seien die Spitze der Schöpfung.
Die Dinosaurier waren größer, vielleicht ein wenig minderbemittelt, aber glücklich. Die Menschheit glaubt an einen Plan, den sie sich selbst auferlegt hat. Die Dinosaurier gingen ihren Weg und grasten. Viel weniger Aufregung um die ‚ach-so-wichtigen‘ Dinge die euch ausmachen.”
Ich sagte: “Wir sind heute aber wieder einmal pessimistisch unterwegs. Wie kommt es?”
Herbst sagte: “Ich fühle mich einfach verarscht. Da gibt es in Amerika tatsächlich einen Forscher, der meint ‘gut erhaltenes’ Gewebe eines Dinos gefunden zu haben. Dazu gibt er an, dass das Tier definitiv nicht älter als 6.000 Jahre tot seien kann, sonst hätte er kein Gewebe gefunden.”
Ich sagte: “Und was nervt Dich daran?”
Herbst sagte: “Stell Dir vor, Du wärst schon ein paar Milliarden Jahre alt und irgend jemand würde behaupten, dass Du erst 6.000 alt wärst. Das wäre für Dich doch auch eine Beleidigung.”
Ich sagte: “Glaub mir, darüber kann ich schlecht nachdenken. Kommt mir etwas irreal vor. Aber wenn man mich ein wenig jünger schätzt als ich bin, fühl ich mich immer sehr geschmeichelt. Ist doch gut, wenn man für nicht so alt gehalten wird, als man tatsächlich ist.”
Herbst sagte: “Aber wenn man dich beim Tanken nach einem Ausweis fragen würde, wärst Du auch irritiert.”
Ich sagte: “Ach nimm es mit Humor.”
Er sagte: “Ich versuche es ja, aber irgendwie klappt es heute nicht.”

Konservativität und Menschlichkeit

Ich sagte Herbst, er solle sich ruhig mal ein wenig mehr wie in den letzten Jahren verhalten. Für meinen Geschmack war er dieses Jahr etwas zu heißblütig. Für jemanden der sonst so konservativ ist, war sein Auftreten in diesem Jahr irgendwie überraschend.

Er sagte: “Konservativ ist ja nichts schlechtes und nichts ist so beständig, wie der Wandel.”

Ich sagte: “Wenn Du noch mehr Phrasen auf Lager hast, dann her damit. Ich bin heute richtig scharf darauf.”
Herbst lachte. Ich sagte: “Was meinst Du denn damit, das Konservativität gut wäre?”
Herbst sagte: “Ach weißt Du, ihr Menschen sucht doch Sicherheit. Die bekommt ihr, wenn ihr nicht überrascht werdet. Solange Du glaubst, dass morgen so wie heute wird, desto weniger Probleme hast Du.
Ein wenig Planungssicherheit ist für die Meisten ein fester Hafen. Sie gibt ihnen Sicherheit. Wenn man jemanden foltern möchte, muss man ihm nur in ein System setzten, welches sich ständig verändert – wechselnd Hell/Dunkel, Wach/Schlafen und Kalt/Heiß. Das hält niemand langer aus.”
Ich sah ihn an und sagte: “Mag ja sein. Aber warum dann dieses Jahr das merkwürdige Benehmen?”
Er sagte: “Ach weißt Du, ab und zu kann man sich doch auch einmal ein wenig Wahnsinn leisten oder?”
Ich sagte: “Du überrascht uns auf jeden Fall mit Deinem Wahnsinn.”

Schmetterlinge und Dominosteine

Herbst fragte mich, ob es eine Zeit gebe, zu der ich gerne zurückspringen würde, wenn ich das denn könnte.
Ich sagte: “Sicherlich hat jeder eine Zeit, die er noch einmal erleben oder einen Moment, den er gerne rückgängen machen würde.
In meinem Leben fallen mir so einige Punkte ein, die ich vielleicht nicht mehr so machen würden, wenn ich die Konsequenzen daraus hätte absehen können. Aber wer wäre ich heute, wenn ich die Fehler von damals nicht gemacht hätte?”
Er sah schwärmerisch aus dem Fenster und es schien mir, als würde er die verbliebenen Blätter an den Bäumen zählen. Ich wollte mich gerade über seine Unaufmerksamkeit beschweren, als Herbst sagte: “Was wäre der eine Punkt, den Du berichtigen würdest?”
Ich sagte: “Ich bereue nichts. Das ist der eine Grundsatz. 

Könnte ich jetzt z.B. die eine Entscheidung rückgängig machen, die mir zwei Jahre mehr Studium eingebrockt hat, hätte ich heute vielleicht keinen Job, kein Geld und keine Familie. Wer weiß schon was passiert wäre, wenn ich schneller fertig geworden wäre.”
Herbst sagte: “Der Schmetterlings-Effekt?”
Ich sagte: “Schlichtes Domino.”