Herbst sagte, dass wir uns irgendwie komisch verhalten würden, wenn wir mit Fremden sprächen. Ich sagte ihm, dass das ganz individuell und instinktiv passiere und definitiv dämlich sei.
Er lachte. Bisher hatte er beobachtet, wie flüssig sprechende Menschen sofort zu grenzdebilen Sprach-Legastheniker verkamen. Die meisten zeigten nicht viel mehr Talent in ihrer Muttersprache, als ein Salat zum Spazieren-gehen.
Ich musste ihm zustimmen. Es gibt da die unterschiedlichsten Formen, die ich auch an mir selbst feststellen kann. Der erste und meiner Meinung nach noch verzeihliche Modus, ist das einbauen von Fehlern, in die Sätze, um sich dem Fremden anzunähern.
Es kommt dann zu Dialogen wie folgt:
‘Wo Aldi?’ ‘Da Aldi’ ‘Weit?’ ‘Gleich da. Baum – da hinter!’ ‘Dank.’ ‘Bitt’.
Vielleicht würde es dem Gegenüber ja helfen wenn man sich in ganzen Sätzen ausdrückt, aber man kann es einfach nicht.
Der zweite Modus, der schon weniger zu verzeihen ist, ist das falsch und langsam sprechen. Der Mensch auf der anderen Seite muss einen für einen entflohenen Idioten halten, wenn er uns – mit weit aufgerissenen Augen und Mündern, wild gestikulierend – vor sich stehen sieht.
Das kann nur noch getoppt werden, durch zeitgleiches extra lautes Reden.
Ich sagte Herbst, dass ich schon oft lachen musste, wenn ich einen Landsmann vor einem Fremden stehen sah, der extra laut, falsch und langsam sprach.
Herbst sagte: “Ihr seid schon komisch, ihr Menschen.”
Ich sagte: “W-I-R    M-E-N-S-C-H    WAS     D-U?”
Herbst lachte.

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