Geschichten

Herbst fragte mich, ob ich nicht noch so eine lustige Geschichte auf Lager hätte. Diesmal musste ich länger nachdenken.
In einem Leben gibt es so viele lustige Geschichten und Geschichten, die man lustig erzählen kann. Stellt sich bloß die Frage, wem man welche davon erzählen kann?
Ich sagte es Herbst und er nickte. Schließlich kann man viel zu viel Dinge aus den Geschichten des Erzählers schließen. Die Geschichten sind der Browser zum Intranet des Erfinders. Und wenn man nicht aufpasst, wir die Firewall runtergerissen und man steht mit runter gelassenen Hosen von der eigenen Webcam.
Vielleicht wird das ja bald zum Standard-Traum einer ganzen Generation. Wobei ich mich frage, wer noch eine externe Webcam braucht? Gibt es die überhaupt noch zu kaufen?
Herbst sagte, dass ich mich doch lieber wieder auf seine Frage konzentrieren sollte.
Ich sagte, dass ich mich schon kaum noch auf die seine erinnern kann. Dann sagte ich: “Ach so! Ja klar – eine Geschichte.”
Also fing ich an: “Es gab mal eine Zeit – und die ist schon lange her – da musste ich an einem Micro-Biologie Praktikum teilnehmen.
Mit weißen Kitteln ausgerüstet, desinfizierten wir nacheinander so allerhand. Das war auch sehr nötig.
Nachdem wir am zweiten Tag schon Keime auf unseren Fingerabdrücken auf Nährlösungen bestaunen konnten, war uns allen klar, wie unrein wir waren. Das lag nicht nur an unserem Alter (zwischen 16 und 18 hat man so allerhand Flausen im Kopf), sondern eher an unserer Natur.
Auf jeden Fall brachte man uns bei, wie wichtig das Desinfizieren doch wäre, um sauber arbeiten zu können.
Als besondere Maßnahme stand auf jedem Tisch ein angeschalteter Brenner. Dieser Brenner sollte verhindern, dass sie Bakterien aus dem Universum auf unsere Nährlösungen stürzten würden.
Gleich neben dem Brenner stand ein Becken mit reinem Alkohol.
Wir hatten schon einige Zeit fleißig gearbeitet, als mein Nachbar sich zu mir umdrehte und sagte: “Sag’ mal – brenn’ ich?”
Ich hätte fast laut los gelacht. Die Frage war einfach nur dumm.
Reflexartig bat ich darum, mich nicht weiter mit so etwas aufzuhalten.
Als sich mein Nachbar jedoch umdrehte, sah ich Flammen an seinem Kittel herauflaufen.”
Herbst sagte: “Und was war dann?”
Ich sagte: “Erzähle ich Dir morgen.”

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