Ein Becher Ethanol bitte!

Herbst platze schon fast vor Neugier, als ich morgens endlich zur Tür hinein kam. Er sagte: “Erzähl weiter. Was ist passiert?”
Ich setzte mich zunächst auf meine Stuhl und sagte dann: “Na der Typ neben mir hatte auf jeden Fall Feuer gefangen.
Das kannte ich so gar nicht von ihm. Sonst war er zwar nicht unbedingt unauffällig, ich hätte aber nie über ihn gesagt, dass er Feuer und Flamme wäre.
Zu der Zeit war ich auch eher Schall und Rauch.
Seit dem Augenblick weiß ich auf jeden Fall, wie ich in Panik reagiere. Die Reaktion kennt man in der Regel aus der freien Natur. Sie spiegelt sich in der Kröte wieder, die vom Scheinwerfer des nahenden Lastwagens geblendet wird.
Ich stand da und war gelähmt. Erst als die Lähmung langsam nachließ und ich die Worte: “Flammen, Flammen” vor mich hinstammelte, bemerkte ich, dass ich mehr machen musste.
Zum Glück brennen Laborkittel nicht schnell – daher hatte ich noch einige Sekunde um mich von meinem Schock zu erholen.
Als nächstes tat ich dann das Einzige was sich mein Hirn gerade einfallen ließ. Ich zog den Kittel in meine Richtung und pustete.
Für mein Hirn, welches wahrscheinlich immer noch fast vollständig verreist war, war es merkwürdig, dass die Flammen einfach nicht ausgehen wollten, sondern eher fröhlicher brannten.
Während dieser völlig intelligenzfreien Zeit, war auch den anderen im Labor aufgefallen, dass bei uns gerade etwas bemerkenswertes geschah. Sie hatte sich in einem Halbkreis versammelt und schrieen den Refrain: ‘Notdusche, Notdusche, Notdusche!’
Die Situation wird mir wohl immer als höchstgradig obskur in Erinnerung bleiben.”
Herbst sagte: “Und ist er dann unter die Notdusche gegangen?”
Ich sagte: “Zum Erstaunen Aller saß mein Nachbar plötzlich im Spühlstein und löschte sich selbst mit dem Wasserhahn. Die Notduschen-Jünger wurden damals nicht befriedigt und mussten geschlagen ihre Plätze auf den billigen Reihen verlassen.
Wenn ich mir heute noch einmal alles vor Augen führen, dann ist es ein Wunder, dass mir mein Hirn nicht gesagt hat, dass ich das Becherglas Alkohol über den armen Typen leeren sollte.”
Herbst lachte und sagte: “Da hast Du noch mal Glück gehabt.”
Ich sagte: “Das kannst Du laut sagen.”

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2 Kommentare zu „Ein Becher Ethanol bitte!

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