Kurznotiz von Winter – Jahresrückblick

Heute erhielt ich eine Nachricht von Winter.
Die Nachricht war wie folgt:

Lieber Bob,

die meisten Eintagsfliegen leben, trotz ihres Namens, länger als einen Tag. Gemittelt kommt man auf 1,5 Tage.
Wenn man die gesamte Zeit, die Du für den Blödsinn im Internet vergeudest, zusammenzählt, käme man auf genügend Generationen von Eintagsfliegen, um eine Bewusstsein entwickelnde Generation zu erschaffen, die sich dann zur Gänze wegen der Belanglosigkeit auf Deinem Blog in den Selbstmord stürzen würde.
Mir ist schon lange kein Mensch mehr untergekommen, der so einen Schwachsinn verbreitet.

Schöne Grüße,
Winter

Nachdem ich die Nachricht gelesen habe, denke ich mir, dass sie mich wirklich mag. Warum hätte sie sich sonst so sehr erniedrigt und mir etwas geschrieben.

Frohes neues Jahr und guten Rutsch wünscht euch der
S A C (king Bob)

Vertrottelte Zeiten

Winter fragte mich nach einer netten Geschichte.
Ich musste einige Zeit überlegen. Eigentlich fiel mir Nichts ein. Irgendwann ist mach einfach nur ausgebrannt. Was soll man dann noch groß erzählen?
Außerdem war es schwierig Winter von etwas zu erzählen. Sie sollte ja auf keinen Fall in ihrer Meinung über mich bestätigt werden.
All meine kleinen Missgeschicke mussten daher unter den Teppich gekehrt werden. Die Geschichte, dass ich einmal zwei Prüfungstermine im Vordiplom vertauscht hatte, durfte ich zum Beispiel auf keinen Fall erzählen.
Ich war, meiner Meinung nach, pünktlich vor der Bürotür des Professors erschienen. Dort traf mich einer seiner Mitarbeiter und teilte mir mit, dass der Professor im Moment gar nicht im Land war.
Etwas überrascht blickte ich auf meinen Terminplan und musste feststellen, dass der Tag auf jeden Fall stimmte. Nur die Zeit und das Prüfungsthema hatte ich leider vertauscht.
Anstelle von Anorganischer Chemie hatte ich am gleichen Tag und nur zwei Stunden in der Zukunft eine Prüfung in Physikalischer Chemie.
Blöd gelaufen.
Ich setzte mich sofort hin und lernte, so viel ich konnte. Es hätte gerade so für eine schlechte 2 gereicht.
Blöderweise erzählte ich am Ende der Prüfung dem Prüfer davon, dass ich die Termine vertauscht hatte. Er bot mir an, die Prüfung noch einmal zu wiederholen. Er meinte, so würde ich meine Zensur noch verbessern können.
Das Ende vom Lied war, dass sich mein Missgeschick im gesamten Kollegium rumsprach. Der nächste Professor begrüßte mich schon mit den Worten: ›Sind sie sicher, dass sie heute die Prüfung bei mir haben?‹
Noch schlimmer war jedoch die Wiederholungsprüfung beim ersten Professor.
Der quälte mich länger als zuvor und sprach immer nett sein Mantra: ›So jemanden wie mich hätte er noch nicht kennengelernt. Ich würde wahrscheinlich auch meine eigene Hochzeit verpassen.‹
Die Zensur war dann eine glatte 3. Ich bin dem Professor ab dann aus dem Weg gegangen. Die Gefahr war zu groß, ihm sonst ins Gesicht zu springen.
Zu sagen bleibt noch, dass ich pünktlich zu meiner Hochzeit war.
Nette Geschichte, aber gegenüber Winter werde ich sie sicherlich nicht erzählen. Ich bin doch nicht verrückt. So eine Geschichte behält man lieber für sich. Wer erzählt schon von einer solchen Sache?

Familienbande

Ich fragte Winter nach ihrer Familie. Dabei hatte ich die Hoffnung sie, von ihrem ewigen Genörgel über mich, abzulenken.
Sie sagte: »Herbst hast Du ja schon kennengelernt. Er ist ein furchtbarer Misanthrop. Wenn man ein Beispiel für Introvertiertheit benötigt, müsste man sich nur Herbst ansehen. Außerdem ist er so deprimierend, das man ihn zum Einschläfern von Pferden mit gebrochenen Füßen einsetzten könnte.
Ich halte seine Gegenwart einfach nicht lange aus.«

Der Begriff Misanthrop schien mir mehr auf Winter selbst zu passen, als auf Herbst. Aber die Reflexion eigener Laster auf andere ist weit verbreitet. Gerade beim Lästern scheint das ja üblich.

Winter sagte:»Schwester Frühling ist das absolute Gegenteil. Sie macht so viele dumme Späße, dass man sich kaum vorstellen kann, dass sie auch mal irgendetwas ernst nimmt. Dazu ist sie noch unendlich launisch. Von einer auf die anderen Stunde kann sie ihre Meinung um 180° gedreht haben.
Eine schrecklich anstrengende Person, wenn Du mich fragst.
Dann gibt es natürlich noch Bruder Sommer. Er ist einer der Typen, die man nur vollgedröhnt auftrifft. Ein zusammenhängendes Gespräch wäre einfach nicht möglich. Sobald er den Mund aufmacht, hat man das Gefühl, dass man gleich wegfliegenden würde.«
Ich sagte: »Du hältst nicht viel von Deiner Sippe?«
Winter sagte: »Ich halte von vielen nicht viel. Sie sind trotzdem meine Familie. Also erlaube Dir nie, in meiner Gegenwart schlecht über sie zu sprechen.«

Weichei Protogonisten

Winter war heute nicht gerade gut gelaunt. Sie suchte Streit.
Ich glaub, dass jeder Mann instinktiv weiß, wenn eine Frau Streit sucht. Einen Weg Drumherum gibt es meistens nicht. Aus diesem Grund liebe ich auch den direkten Weg, d.h. die direkte Konfrontation. Ein reinigendes Gewitter hat schon vielen geholfen und selten geschadet.
Allerdings wusste ich nicht, ob ein sofortiger Bruch mit Winter nicht wesentlich hilfreicher für mich wäre.
Winter sagte: »Du bist so verdammt passiv. Wenn ich sehe, wie uninteressiert Du bist, dann kotzt mich das an.«
Ich sagte: »Das kann ich gut verstehen. Passive Charaktere sind die zweitschlimmsten Personen in Literatur, Theater, Film und Fernsehen.«
Sie sagte: »Anstatt Dich zu rechtfertigen, sprichst Du von Allgemeinplätzen. Wenn ich Dich angreife, dann lenkst Du ab.
Wenn ich Dir jetzt sage, dass Du ein weinerliches Weichei bist, was antwortest Du dann?«
Ich sagte: »Diese Charaktere sind mit Abstand die Meistgehassten. Sobald der Protagonist anfängt zu weinen, verliert er alle Sympathie. Der Tod eines Statisten, der heult, ist für den Zuhörer, Zuschauer oder Leser meistens hoch befriedigend. Niemand will sich mit Weicheiern und Heulsusen identifizieren.«
Winter verdrehte die Augen.
Ich sagte: »Schreckschrauben wie Du, machen allerdings gute Antagonisten. Noch ein wenig mehr Darth Vader und wir haben einen Fiesling für die Geschichte gefunden.«
Winter fauchte wie eine Katze. Sie schrie mich an, so laut, dass ich die Worte nicht hören konnte. Dann rannte sie zur Tür und war verschwunden.
Ich schüttelte nur traurig meinen Kopf und war kurzzeitig so weit mich zu bemitleiden.
Da ich allerdings weiß, dass das hier keiner von mir lesen möchte, bitte ich um Entschuldigung.

Gut gegen böse

Winter schwebte heute ins Zimmer. Sie hatte einen irren Blick, als würde sie von irgendetwas getrieben werden.
Ich sagte: »Was verschafft mir die Ehre?«
Sie sagte: »Du bist schon wieder so abweisend. Freu Dich doch einfach, dass ich Dich besuchen komme.«
Ihre Besuche waren schwerer zu ertragen, wie ein Leben unter einer Brücke einer ICE-Strecke, ohne warme Kleidung im Schnee. Wirklich gewöhnen konnte man sich daran einfach nicht. Warm werden, stand nicht zur Debatte.
Ich sagte: »Gut finde ich Deine Besuche sicherlich nicht.«
Plötzlich huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Sie sagte: »Das Konzept von gut und böse habe ich sowieso nie begriffen. Wenn ich euch Menschen richtig verstehe, dann ist gut so etwas wie langweilig.
Wenn man sich die Leute ansieht, die sich selbst als Gutmenschen bezeichnen, dann schlafen einem doch gleich die Fußnägel ein. Auf der anderen Seite sind die Bösen immer die richtig interessanten.
Schlägt man eure Zeitungen auf – ich gebe zu, ein ziemlich antiquiertes Vergnügen, welches ich ab und zu mal nachkomme – dann sind sie voll, von den Taten der Bösen. Von den Langweilern ließt man da nicht.«
Sie gab mir Zeit zum Nachdenken, während sie unstet durch Zimmer schneite. Irgendwie ergaben ihre Worte Sinn.
Ich sagte: »Wenn man das Fernsehen anschaltet – wahrscheinlich auch bald genauso antiquiert – dann merkt man schnell, dass die Anzahl der bösen Charaktere überhandnimmt. Selbst der Held darf nicht nur gut sein.«
Sie sagte: »Das hat sich doch auch in eurer Partnerwahl verankert. Wer mag schon den Milchbubi, der mit seinem Glas Wasser in der Ecke hockt. Der Typ mit der boshaftesten Ausstrahlung bekommt immer die heißesten Frauen ab.«
Ich nickte. Waren wir Menschen tatsächlich so primitiv gepolt?
Dann zuckte ich mit den Schultern. Vielleicht sollte ich mir mal ein anderes Image anlegen. Das wäre wohl wirklich an der Zeit.

Materiell

Meine Frau meinte, dass mir nicht auffallen würde, wie sehr Winter jedes Mal protzte. Tatsächlich ist es eine meiner ureigensten Eigenschaften, dass ich es einfach nicht begreife, wenn andere in meiner Gegenwart mit Dingen angeben.
Heute beobachtete ich Winter ganz besonders. Tatsächlich setzte sie ihre Diamantringe und die teuren Klamotten immer ins rechte Bild, so dass man sie nicht übersehen konnte.
Ich sagte: »Sag mal, willst Du mir mit den Ringen eigentlich etwas sagen?«
Sie sagte: »Die waren sehr teuer. Ich glaub nicht, dass Du Dir so etwas überhaupt leisten könntest. Selbst wenn Du bis an Dein Lebensende dafür sparst.«
Ich sagte: »Ich glaub, wenn ich bis an mein Lebensende für etwas spare, kauf ich keine Diamantringe.«
Sie sagte: »Nein ihr Männer steht ja eher auf Sportautos und Segeljachten.«
Mein Kopf wanderte von einer Seite auf die andere. Ich sagte: »Das Geld wäre mir zu schade. Da würde ich mir eher etwas anderes holen.«
In ihrem Gesicht huschte eine Augenbraue nach oben, als hätte ein Reh das Rudel für einen Augenblick verlassen. Anscheinend zeigte sie so ihr Erstaunen.
Ich sagte: »Während sich meine Freunde sich jedes Jahr Urlaube und alle paar Jahre ein Auto gönnten, wollte ich ehr einen neuen Computer.
Außerdem, was soll der ganze Materialismus? Mitnehmen können wir das Zeug nicht.«
Sie sagte: »Du meinst in das nächste Leben?«
Ich sagte: »Daran glaube ich persönlich nicht. Ich meinte eigentlich eher das Altersheim. Da ist es egal, welchen Wagen Du in der Garage hast. Er wird eh für Deine Pflegestufe geopfert.
Ich denke da an meine Oma, die aus eigenem Wunsch in ein Heim gebracht wurde, als sie nicht mehr gehen konnte.
Dort war es eher wichtig, dass man was erlebt hatte.
Wenn Du im Stuhlkreis sitzt und von Deinen Jachten und Wagen sprichst, wirst Du gelangweilte Leute sehen, die ihre Rollwagen möglichst zügig aus Deinem Weg schieben.
Wenn Du jedoch coole Geschichten aus Deiner Vergangenheit hast, wird man Dir zuhören.«
Winters Gesichtszüge zeigten Belustigung, als sie sagte: »Du machst das alles für das Altersheim?«
Ich sagte: »Nein, ich mach das für mich.«
Sie ließ die Zunge schnalzen, als wäre sie Indiana Jones mit seiner Peitsche und würde mit dieser gerade ein Opfer erlegen. Dann dreht sie sich um und war verschwunden.

Festessen ohne

Als Winter kam, hatte ich gerade den Tisch gedeckt. Sie schüttelte mit dem Kopf, als sie das Essen sah.
Dann sagte sie: »Eigentlich bin ich auf Diät.«
Ich sagte: »Warum hast Du Dich eingeladen, wenn Du dann nichts isst?«
Sie ging an mir vorbei, nahm ein Glas und füllte es mit Wein voll. Von Etikette hatte sie anscheinend noch nicht viel gehört.
Sie sah mich an und sagte: »In Afrika verhungern Menschen und ihr macht auf Festessen.«
Ich sagte: »Ich kann Deinen Teil des Bratens auch nach Afrika schicken, wenn Dir das lieber wäre. Soll ich Luftpost oder normal buchen?«
Erneut tat sie so, als hätte sie mich nicht gehört. Sie sagte: »Ihr habt den Reichtum einfach nicht verteilt.«
Ich sagte: »Du hast recht. Wir haben auf unserer Erde vieles nicht richtig im Griff. Außerdem läuft auch viel falsch, gegen das wir nichts unternehmen.
Ich frage mich nur gerade, ob Du Dich hinsetzten willst?«
Sie schüttelte den Kopf und sagte: »Eigentlich habe ich gar keine Zeit dafür.«
Dann rannte sie aus dem Zimmer.
Ich setzt mich und nahm das Telefon von der Ladestation. Zum Glück hatte ich noch ein paar Freunde, die ich einladen konnte. Schließlich wollte ich das Festessen nicht verkommen lassen.

Stille Nacht mit Winter

Meine Familie und ich, saßen harmonisch um den Baum herum, als es klingelte.
Meine Frau verdrehte die Augen und sagte: »Sag mir jetzt bitte nicht, dass es diese merkwürdige Person ist.«
Ich sagte ihr, dass ich nichts dagegen machen konnte. Sie war nun einmal da und sie hang mir am Hals, ob ich wollte oder nicht.
Als ich öffnete, lehnte Winter sich gegen den Türrahmen und pfeilte ihre Nägel. Sie sah noch nicht einmal auf, um mich zu begrüßen.
Als ich die Tür gerade zuschlagen wollte, war sie mit zwei kleinen Schritten eingetreten.
Sie schritt durch den Raum und rümpfte die Nase über den Weihnachtsbaum, der in der Ecke stand.
Sie sagte: »Wie armselig ist dass denn?«
Ich sagte: »Ich habe Dich nicht eingeladen, also kannst Du mir wenigstens die blöden Kommentare ersparen.«
Sie sagte: »Soweit ich mich erinnern kann, sparst Du sie Dir ja auch nicht. Auf alle meine Fragen kommen blöde Antworten, mein Junge, als ob ich mir das bieten lassen müsste.«
Mit einer Handbewegung schleuderte sie ein paar Geschenke von der Couch und ließ sich anschließend auf den freigemachten Platz fallen.
Ich musste zweimal blicken, bis ich ihr Lächeln wahrnahm. Sie schaute durch die Fenster nach draußen und war anscheinend recht glücklich.
Ich sagte: »Kann ich irgend etwas gegen Dich tun?«
Sie sagte: »Ihr Kreaturen seid immer so glücklich an diesen Tagen.«
Soweit ich weiß, hatten die meisten Menschen entweder Stress oder Depressionen. Leise rieselt der Schnee bestimmt gerade auf eine Leiche. Von »Stiller Nacht« kann man bei dem Geschrei der Familie in der Wohnung unter uns auch nicht mehr sprechen.
Ich sagte: »Dann hast Du Weihnachten bestimmt noch nie in einer Familie verbracht.«
Sie sagte: »Eigentlich will ich das auch gar nicht. Sonst würdet ihr mir meinen Glauben an eine frohe Weihnachtszeit auch noch nehmen.«
Dann stand sie auf und sagte: »Für heute lass ich Dich in Ruhe. Aber morgen komm ich vorbei und will einen Braten essen.«
Als sie die Wohnung verließ sah ich, wie meine Frau ihren Zeigefinger an den Kopf steckte und so tat, als würde sie eine Schraube festdrehen.
Ich glaub, ich werden morgen kochen müssen.

Wenn alle schreiben

Winter war heute grau gekleidet. Sie hatte eine Brille auf der Nase, die ich bisher noch nicht an ihr gesehen hatte. Irgendwie passte ihre Erscheinung nicht zu dem Festtag. Wahrscheinlich feierte sie in einer andere Zeitzone.

Wie es so ihre Art war, fragte sie mich, ohne Begrüßung und andere Floskeln: »Meinst Du, dass im Moment noch viel gelesen wird?« 
Ich sagte: »Es wird mehr gelesen als noch vor Jahren. Wahrscheinlich wurde zu keiner Zeit so viel gelesen wie heute.«
Sie schüttelte erneut den Kopf. Diese Reaktion hatte sie sich anscheinend bei jeder meiner Antworten angewöhnt. So langsam wurde es ›Pawlow’esk‹. Ich nahm mir vor, am morgigen Tag ein Glöckchen bereitzulegen.
Sie sagte: »Heute liest doch keiner mehr. Man hört Hörbücher oder sieht Filme und Serien. Intellektuelle gehen vielleicht noch ins Theater.«
Ich sagte: »Solange Du Literatur meinst, hast Du vielleicht recht. Aber wenn ich jetzt lesen sagte, so meinte ich diese kleinen Texte von höchstens drei Zeilen, auf Facebook oder Twitter. Meist reicht es zwar nur für die Überschrift, aber pro Tag konsumiert man erschreckend viel von dem Zeug.«
Winter sagte: »Das ist, als würde man nur den Zuckerguss vom Kuchen lutschen.«
Ich sagte: »Wahrscheinlich ist es ähnlich unhygienisch und damit krankheitserregend für alle Sinne. Irgend ein Autor sagte mal, dass das Lesen enden würde, wenn alle schreiben.
Ich befürchte, dass er diese Zeit gemeint hat.«
Winter sagte: »Du solltest dringend Deinen WhatsApp Status ändern.«, drehte sich um und war verschwunden.
Sie hinterließ mich, während meine Augen eine fast perfekte Runde in ihren Höhlen hinlegten. 

Dann wünschte ich allen Bekannten ein frohes Fest und hoffte, dass sie den Abend so schön wie möglich verbrachten.

Anders glauben

Winter schwebte in den Raum. Sie hatte eine helle Kombination an, die sie umgab wie Schnee.
Vor der weißen Bürowand bot sie reichlich wenig Kontrast.
Sie sagte: »Wenn man das halbe Jahr in seiner Bude rumlungert, bekommt man miese Laune.«
Ich sage: »Wenn man zu lange mit Dir spricht, scheint das ähnliche Effekte auszulösen.«
Winter ignorierte meine Worte und lamentierte weiter. Sie ließ die die Zunge schnalzen und sagte: »Wenn nicht regelmäßig Zeugen Jehovas vorbeikommen, hätten man gar keinen Besuch.«
Ich sagte: »Ich möchte mich hier eigentlich nicht über andere Religionsgemeinschaften unterhalten. Eigentlich sind alle Leute, die ich kennengelernt habe, mit einem anderen Glauben als meinen, immer recht nett gewesen. Man muss ihnen nur die Chance geben, sie kennenzulernen.«
Winter sagte: »Ach bitte, Du willst mir doch wohl nicht weißmachen, dass Dir der Glauben von anderen egal ist.«
Ich sagte: »Ich würde es anders sagen. Mir sind die Menschen wichtig. Ihre Religion ist mir egal.
Ich habe schon Hindus kennengelernt, die freundlich und aufgeschlossen waren. Genauso wie Moslems und Leute aus allen möglichen christlichen Schattierungen. Die meisten von ihnen waren sehr angenehme Gesprächspartner. Ich habe mich gerne mit ihnen unterhalten.«
Winter schluckte. Sie sah überhaupt gar nicht begeistert aus. Sie sagte: »Aber der Islam ist doch so streitbar.«
Ich sagte: »Die meisten Moslems sind sehr ruhig und leben sehr friedlich. Sie sagen, dass der Terrorismus keinen Platz in ihrem Glauben hat.«
Winter schnalze erneut mit der Zunge. Sie sagte: »Natürlich gehört der Terror dazu.«
Ich sagte: »Es gibt genügend Christen, die ebenfalls vernarrte Idioten sind und Bomben werfen. Gehört das zum Christentum?«
Winter sagte: »Natürlich nicht. Das Christentum ist friedlich.«
Ich sagte: »Das sag mal bitte allen Opfern des 30-jährigen Kriegs und der Kreuzzüge.«
Winter sagte: »Negative Beispiele gibt es immer.«
Ich sagte: »Komisch, das ist doch genau das, was ich dir sagen wollte. Die Terroristen sind nur die Ausnahmen der Regel.«
Winter drehte sich auf dem Fleck um und ging.