Literatur für Opportunisten

Ich fragte Herbst, ob er auch lesen würde. Er sagte mir, dass er in den Monaten, in denen er Zeit hätte, kaum etwas anderes machen würde.
Verwundert fragte ich ihn, wo er in der Zeit denn überhaupt steckte.
Er sagte: “Ach das ist so eine Sache. Meistens ziehe ich mich zurück und schließe mich ein. Es gibt dann kaum einen Grund noch einmal nach draußen zu gehen. Allerdings hat sich meine Zeit in den letzten Jahren immer etwas geändert.”
Ich fragte ihn, was er denn so lesen würde. Er sagte, dass er am liebsten Krimis und Liebesromane lese. Das überraschte mich gar nicht.
Diese Jahreszeiten orientieren sich eigentlich immer am Mainstream. Er musste lachen, als ich ihm das vorhielt. Er sagte: “Als Opportunist hätte man es echt schwer. Man müsste immer auf dem Laufenden bleiben, um zu wissen, was gerade die Meinung der Massen wäre.”
Ich sagte, dass er kein Mitleid von mir erwarten könnte.
Er fragte, was ich denn so lesen würde. Ich antwortete wahrheitsgemäß, dass ich leider kaum noch zum Lesen kommen würde. In den letzten Jahren wäre ich dazu übergegangen Hörbücher zu hören. Auf der Fahrt zur Arbeit und zurück, hätte ich so einige Bücher geschafft.
Er sagte, dass ich ihm nicht geantwortet hätte. Die Art der Literatur wäre interessanter, als die Methode sie zu kosumieren.
Ich sagte: “Eigentlich höre ich ein breites Spektrum. Krimis interessieren mich dabei nicht.
Es sind viele Jugendbücher dabei oder meine liebste Kost: fantastische Komödien. Solange es lustig ist und dabei noch übernatürliche Elemente dazu kommen, ist es genau nach meinem Geschmack.”
Er fragte, was mich im letzten Jahr besonders gefallen hat. Ich sagte: “Den größten Eindruck hat sicherlich ‘Unterwerfung’ von Michel Houellebecq hinterlassen.
Was mich allerdings furchtbar amüsiert hat, waren die Bücher von Christopher Moore (Secondhand Soulds) und von John Scalzi (Redshirts).”
Herbst versprach mir, diese Bücher nicht zu lesen.

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12 Kommentare zu „Literatur für Opportunisten

      1. Ich habe nur Ausweitung der Kampfzone gelesen und fand das grotten schlecht. Der Typ an sich beeindruckt mich sehr. Ist Unterwerfung dein erster Houellebecq?
        Es gibt Schriftsteller die mich nicht loslassen, aber an deren Literatur ich irgendwie nicht rankomme. Geht’s dir auch so?

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      2. Ich hab dir Ausweitungen, die Elementarteilchen und Unterwerfung konsumiert. Bei Karten und Gebiete schlafe ich konsequent immer nach 2 Seiten ein.
        Ich fand die Ausweitung ganz nett – hatte aber nach Miller und Bukowski keine sonderlichen Nährwert. Einen destruktiven Misanthrop bei der Arbeit zu begleiten, das gab es zu oft.
        Elementarteilchen war grandios. Die Philosophie dahinter fasziniert mich und ich könnte stundenlang darüber sprechen.
        Karten und Gebiete ist sehr dröge. Dafür dass ich das Buch, nach zwei Jahren zur Hälfte durch habe und dafür, dass in dem angeblichen Krimi bisher noch kein Tropfen Blut geflossen ist, kann man meine Begeisterung ablesen…
        Unterwerfung war gut. Tolle Philosophie. Einfach zu empfehlen.

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      3. 😀😀😀 deine Einschätzung ist so lässig knapp und cool. Das gefällt mir. Ich kenne Leute die können das ganze Internet über Houellebecq vollschreiben und sagen nichts.

        Bei der Ausweitung dachte ich immer, wo will der Typ mit mir hin. Anscheinend denke ich zu normal um mich in die Romanfiguren von Houellebecq reinzuversetzen. Ich gebe aber nicht auf.

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      4. Wenn er Dir nichts gibt, dann lass es besser. Jeder hat das Recht darauf ein Buch nicht zu mögen. Ich mochte kein Göthe – den alten Moralprediger. Damit steh ich wohl auch alleine da. 😉
        Für mich war es lustig, weil der Charakter es sogar schafft den lustigsten Kollegen in den Selbstmord zu treiben. Das ist die typische zynische Boshaft vom Autor.
        Wer diesen Zynismus nicht teilt, der in allen Büchern trieft, der hat es schwer.

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      5. 😀😀😀 noch so ein Kommentar von dir und ich kaufe mir sofort ein eBook von Houellebecq. Goethe finde ich auch doof. Der hat den Hölderlin und Schiller so dermaßen schlecht behandelt, dass ich jedesmal so ein Hals kriege, wenn ich nur daran denke.
        In der Tat bin ich wohl weniger für das Zynische in der Literatur geschaffen 🤔 egal, ich probier es trotzdem noch mal mit Houellebecq.

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      6. Ohne den Hang zum Zynismus ist Herr H sicherlich nicht zu ertragen. Es ist ein Standpunkt zum Leben.
        Das ist fast so wie Stromberg – die Serie bedient einen ähnlichen Geist, auch wenn das Klientel vom frechen Franzosen ein wenig geschwollener redet.
        Ich wüsste allerdings auch nicht, was man an dessen Stelle empfehlen könnte.
        Die andere Art der Belehrung – d.h. die Moralpredigt hasse ich. Sobald man mir mit Zeigefinger kommt, bin ich weg. Deshalb mag ich Satire…

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      7. Ich mag die Philosophie des Absurden, also Albert Camus. „Der Fremde“ und „Der Fall“ sind seine besten Werke. Elias Canetti finde ich noch stark, insbesondere „Die Blendung“ in der keine philosophischen Betrachtungen auftauchen. Der Roman enthält viele Elemente der Psychologie. Sehr interessant sind die Betrachtungen eines Bücherwahnsinnigen.

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  1. Hab ich da Zynismus gehört? Klingt ja genau nach meiner Art Bücher. 😀
    Harry Potter kann ich auch nur wärmstens empfehlen. Wie es Rowling schafft, so eine lebendige Welt im Geist ihrer Leser zu erschaffen ist zum Niederknien.

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