Depressionen für die Jugend

Herbst war erneut schwermütig. Er sagte, dass seine Zeit langsam gekommen war. Jetzt würde er bald los müssen. Ich sagte, dass diese Art von Melancholie doch eher was für junge Leute war.
Dieser Meinung konnte er sich nicht anschließen. Er sagte, dass es immer schön wäre, ein wenig in die Melancholie abzutauchen. Wenn man erneut daraus erscheine, wäre es umso besser.
Dieser Meinung konnte ich mich hingegen nicht anschließen. Ich sagte: “Ich habe in meiner Zeit schon viel zu viele Leute an Depressionen leiden sehen. Das wäre sicherlich nichts, was man gerne machen würde. Es ist eine ernsthafte Erkrankung – sowohl bei jungen Menschen, wie auch bei Älteren.
Allerdings habe ich das Gefühl, dass so ein bisschen Depression – eine Depression light – eigentlich das Anrecht der Jugend wäre.
In einem gewissen Alter, verwandelten sich Jugendliche plötzlich in schwermütige Greise, hören langsame Musik, kleideten sich schwarz und tun so, als würden sie gleich sterben müssen.
Herbst sagte, dass wir Menschen irgendwie komisch wären. Warum geben sich die Menschen solchen Gedanken hin?
Ich sagte ihm, dass er damit angefangen hätte. Als ich einmal gegenüber einem Bekannten äußerte, dass mich auch ab und zu, in stillen Stunden, eine Schwermut überfällt – ganz ohne Grund – sagte der Bekannte nur, dass ich mich doch unbedingt behandeln lassen müsse.
Herbst lachte. 

Ich sagte: “Siehst Du, jetzt geht es Dir schon besser”.
Er sagte: “Du gönnst mir aber überhaupt nichts.”

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