Nett und unsympathisch

Ich schluckte und sagte: “Ich weiß nicht recht, ob es ihm gut geht. Manchmal wirkt er wirklich traurig.”
Winter sagte: “Er hat sich auch früher immer gerne hängen lassen. Was soll man von einem erwarten, der nicht mehr schafft, als alle Blätter von den Bäumen zu schupsen?”
Ich sagte: “Zwischenzeitlich ist er ein netter Typ.”
Winter sagte: “Nett ist die kleine Schwester von Scheiße.”
Ich sagte: “Ich hoffe ich erscheine ihnen nicht nett.” Winter sagte: “Im Moment würde ich sie sogar als ausgesprochen unsympathisch bezeichnen.”
Sie sah mich mit scharfen Blick über ihre Brillengläser hinweg an.
Diesen Blick hatte ich nie wirklich verstanden. Warum trug man eine Brille, wenn man über die Gläser guckt? Dann sah man doch Nichts. Eigentlich hätte ich sie gerne danach gefragt, aber der Zeitpunkt schien mir unpassend.
Ich räusperte mich und sagte: “Dann habe ich ja noch einmal Glück gehabt.”
Sie sagte: “Wenn das dann alles wäre, würde ich gerne wieder zurück an meine Strickerei.”
Die Überraschung war mir wohl ins Gesicht geschrieben. Sie sagte: “Ach hatte mein fauler Bruder nicht erzählt, dass ich mich künstlerisch betätige?”
Ich sagte: “Das hat er wohl ganz vergessen zu erwähnen. Aber beim Anblick einer Schneeflocke hätte man sich das eigentlich denken können.”
Sie sagte: “Schmeicheleien mein Junge, bringen Ihnen auch nichts.”
Ich sagte: “Was machen Sie denn so?”
Winter sagte: “Ach ich habe einige Felder auf denen ich mich austobe. Da gibt es die Malerei, die Bildhauerei, Musik, Literatur und den ganzen anderen Quatsch.”
Die Gelassenheit, mit der sie ihre Worte aussprach ließen mich frösteln.

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16 Kommentare zu „Nett und unsympathisch

  1. Tatsächlich offensichtlich, dass Winter eine künstlerische Seite hat, wäre ich ohne deine Geschichte aber niemals drauf gekommen! 😀 Wer unendlich viele Formen für Schneeflocken erschafft, obwohl sie doch kaum jemand genauer ansieht, macht das aus reiner Liebe zur Kreativität. 😀

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      1. Ich persönlich finde eine Geschichte, die du in einzelnen Teilen erzählst, wie bisher, tatsächlich sehr interessant. Aber das ist nur meine subjektive Einschätzung, du solltest so schreiben, wie du dich am wohlsten fühlst und wo du spürst, dass es dir gut von Hand geht. So mache ich das zumindest.

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      2. Klingt gut. 😀 Den Spaß muss man auch wirklich spüren. Wenn ich was schreibe und merke, es fühlt sich nicht „richtig“ an, höre ich auch erstmal auf. Im besten Fall komme ich in so eine Art Flow, wo mir die Wörter ohne nachzudenken aus den Fingern fließen. 😀

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      1. Wobei – was sagt das über mein Männerbild als Mann aus?
        1. Herbst ist ein Weichei und chronischer Jammerlappen,
        2. Winter ist männermordend und dadurch sympathisch,
        3. Frühling ist ein Hippie Mädchen,
        4. Sommer ist ziemlich warm in seiner Art.
        Kann man da was ableiten?

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