Schleichende Christianisierung des Abendlandes

Winter war heute erneut in meinem Büro. Ihre Haare flatterten im Wind, den ich nicht wahrnahm. Sie lächelte kühl, als sie die Tür öffnete, ließ jedoch kein Wort der Begrüßung fallen.
Sie setzte sich auf den Stuhl mir gegenüber, ohne dass ich ihr das angeboten hatte und sah mich an, wie eine Schlange ihr Opfer fixiert. Nach fünf Minuten gab ich entnervt meine Arbeit auf und sah sie an.
Sie sagte: »Hast Du keine Angst vor der Islamisierung?«
Ich sagte: »Ich habe eher Angst vor der Christianisierung.«
Sie erhob eine Augenbraue und wartete auf meine Erklärung.
Ich sagte: »Hier in diesem Land halten sich alle für Christen und meinen nach dem Buch zu leben. Wenn man allerdings genau hinsieht, lebt keiner von ihnen danach. Sie haben die Bibel meistens noch nicht einmal gelesen.«

Winter verengte die Augen zu kleinen Schlitzen. Sie wackelte mit dem Kopf, als wäre der nicht angewachsen und sagte: »Kannst Du mir Beispiele nennen?«
Ich sagte: »Im Römerbrief steht, dass sich jede Frau verschleiern muss und Männer keine langen Haare haben dürfen. An vielen Stellen steht, dass man Ungläubige ermahnen und wenn das nichts bringt, steinigen sollte. Ehebruch ist grundsätzlich mit dem Tod zu bestrafen.
Die Bibel ist voller konkreter Angaben, die kein Schwein befolgt. Aber die Menschen meinen, dass das Christentum so viel besser ist, als der Islam.«
»Du meinst also, wir sollen alle Moslems werden?«
»Das habe ich nicht gesagt. Ich meine, wir sollten erst einmal Humanisten sein. Wir sollten den Mitmenschen helfen und für ihn da sein. Danach können wir sein, was wir seien wollen.«
Erneut schüttelte Winter ihren Kopf und ließ ihre Zunge dabei schnalzen. Sie stand auf und verließ das Büro.

Ich dachte, dass sie mich nicht fragen sollten, wenn ihr meine Antwort nicht gefällt.

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8 Kommentare zu „Schleichende Christianisierung des Abendlandes

  1. Wahre Worte! Wer die Bibel fundamental auslegt, könnte sich ebenso zu einem Terroristen entwickeln wie die Anhänger dem IS. Insofern ist es Schwachsinn, wie momentan in großen Teilen der Bevölkerung die Ablehnung gegenüber dem Islam an sich gelebt wird.

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      1. Ich denk auch immer an die Länder im fernen Osten, in denen sich Christen, Moslems und Hindus gegenseitig bekämpfen. Allerdings bekommt man das hier kaum mit. Eigentlich hat jede Religion Moral und Ethik, die sie sich gerne klemmt, sobald es um eine andere geht.

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  2. Ich habe neulich einen Youtube-Clip gesehen, in dem sie eine Bibel in den Schutzumschlag eines Korans stecken und Passanten Textstellen daraus lesen lassen. Sehr interessant sind die Reaktionen, als sich herausstellt, dass die „typisch islamischen“ Aussagen gar keine solchen sind.
    Danke für deinen Beitrag. 😃

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    1. Den Clip kenne ich auch. Allerdings wird da nur das alte Thestament zitiert, welches eigentlich nicht mehr gilt. Das alte ist mit Erscheinen des neuen revidiert worden.
      Meine Zitate kommen aus dem neuen und sind ebenfalls fragwürdig. Man denke nur an Regeln: „Die Frau schweige in der Gemeinde“ und ähnliches. Das haben die sogenannten Christen alles verdrängt.
      Danke für Deinen Kommentar.

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