Schmetterlingsflügelstoß

Winter sagte, dass wir Deutschen die Tendenz haben, so gut wie Alles zu übertreiben. 

Sie sagte: »Eure gesamten Regeln und Gesetzte, bringen mich regelmäßig auf die Palme. Was meint ihr eigentlich damit zu erreichen?«
Ich sagte: »Ich glaube fest daran, dass jeder Mensch tief in sich das Übertreiben liebt. Wir Deutschen leben diese Vorliebe nur offen aus.«
Winter sagte: »Das ist nicht der Punkt. Ich glaube, dass ihr bald eine Regel zu Ausrottung von Schmetterlinge erlassen werdet, nur um Wirbelstürme in Japan zu verhindern.«
Für einen Moment blieb ich still. Viele Regelungen gingen in ähnliche Richtung. Wir verbieten etwas Naheliegendes und hoffen damit, ganz andere Probleme zu lösen. Wie zum Beispiel das Verbot von Kampfhunden. Ob man damit Kinder besser vor boshaften Monstern geschützt hatte, gilt zu bezweifeln. Schließlich hatten die Kampfhundbesitzer die Hunde nicht auf Kinder abgerichtet und viele Schäferhundbesitzer haben ihre Köter auch nicht richtig unter Kontrolle. Eigentlich hätte man alle Hunde verbieten müssen die größer als Ratten sind.

Genauso würde ein Verbot einer rechten Partei nicht vor dem dazugehörigen Gedankengut schützen. Da müsste man schon alle Bretter vor den Köpfen abreißen oder einen mindest  IQ für öffentliche Äußerungen und für Wahlen  einführen.

Allerdings gefiel mir die Idee von Winter.
Ich sagte: »Wenn wir damit Wirbelstürme effektiv bekämpfen können…«
Winter sagte: »Ich finde Dir noch einen Wissenschaftler, der das belegt.«
Ich sagte: »Damit würdest Du viele Deutsche glücklich machen.«
Sie sagte: »Man muss euch nur auf dumme Ideen bringen und ihr schaffte es, die dumme Idee noch zu überbieten.«

Modernes Kartenlegen

Ich musste nur kurz eingenickt sein. 

Eigentlich erinnerte ich mich nicht daran, geschlafen zu haben, aber als ich aufsah, legte Winter auf dem Tisch vor sich eine Séance mit ihren Kredit- und Bonuskarten.
Als ich hochfuhr, blickte sie mich erneut über den Rahmen ihrer Brille an. In diesem Blick lag etwas Fixierendes, als hätte sie mich gerade gereinigt, sterilisiert und in ein Briefmarkenalbum geklebt.
Sie sagte: »Diese ganzen verdammten Karten, die man bekommt, sind doch das Letzte.«
Ich sagte: »Es scheint, als würdest du in ihnen die Zukunft lesen.«
Sie lachten ohne Humor in der Stimme auf, so als wollte sie mir zeigen, wie unlustig sie die Bemerkung fand. Dann wandte sie sich wieder ihren Karten zu.
Sie sagte: »Betreffend der Karten, kann ich nur sagen, dass Dein Budget überschritten ist und der einzige Hoffnungsschimmer für mich, Dein Tod sein wird.«
Ich sagte: »Wann der eintritt, kannst Du mir aber nicht sagen?«
Sie sagte: »Würdest Du das wirklich wissen wollen?«
Ich sagte: »Eigentlich nicht. Es gibt da ja genügend Witze – wie der, mit dem Typen, bei dem man den Todestag des Vaters vorhersagte.«
Winter nickte, blickte erneut auf die Karten und sagte: »Dann macht sich der Vater einen höllischen Tag und kommt am Abend scheißgebadet nach Hause. Auf der Türschwelle ruft er seiner Frau entgegen, dass das sein blödester Tag gewesen wäre und seine Frau sagt nur…«
Ich unterbrach Winter und sagte: »Wenn Du doch den Witz kennst, dann hätte ein simples Nicken genügt.«
Ohne aufzublicken sagte sie: »Ich konnte es mir einfach nicht verkneifen.«
Ich sagte: »Willst Du ihn dann zu Ende erzählen?«
Sie sagte: »Jetzt hab ich auch keine Lust mehr. Außerdem kenne wir ja beide das Ende.«

Das Oberflächlich-Ideal

Winter blickte weiter in die Landschaft, als wäre sie auf der Fahrt völlig alleine. Ein paar Stunden machte mir das nichts aus, da ich meine eigenen Gedanken sortierte.
Das Schloss hatte viele komische Emotionen in mir geweckt. Außerdem nagte an mir die Frage, ob es nicht doch etwas Magisches, außerhalb der wissenschaftlichen Welt geben könnte.
Nachdem ich diese Gedanken zurückgedrängt hatte, sah ich Winter dabei zu, wie sie mit eingefrorenem Blick vorwärts guckte. Sie erinnerte mich ein wenig an einen ausgeschalteten Computer. Ihre Augen schienen sich auf etwas außerhalb ihres Blickfeldes fixiert zu haben.
Ich sagte: »Eigentlich wäre es doch ideal, wenn wir alle wesentlich oberflächlicher wären.«
Winter kam in die Realität zurück, wie ein altes Motorrad mit Fehlzündungen. Sie sah mich fragend an und sagte: »Was meinst Du denn jetzt damit?«
Ich sagte: »Stell Dir vor, Du hättest nur das eine Problem – ›Welcher Lippenstift passt zu den Schuhen?‹. Wäre das nicht großartig?«
Winter sah mich immer noch so an, als hätte man sie gerade aus einem 7 monatlichen Schlaf, mit einer Ohrfeige geweckt.
Ich sagte: »Als Mann hätte ich nur das Problem – ›Wird meine Fußballmannschaft siegen?‹. Diese riesigen Herausforderungen sind ganz leicht zu befriedigen und man wäre fast ständig glücklich.«
Winter zuckte mit den Schultern und sagte: »Das klingt eigentlich sehr vernünftig. Ich bin mir sicher, dass Du auf dem besten Weg dahin bis. Wenn Du es erreicht hast, dann sag mir bitte Bescheid. Ich werde Dich dann aus dem Fenster werfen, sobald der Zug über eine hohe Brücke fährt. Keine Angst ich achte darauf, dass unter der Brücke kein Fluss ist. Wir wollen doch beide nicht, dass Du Dich nassmachst.«
Dann drehte sie sich erneut weg und verstummte.

Musikgeschmack

Im Zug angekommen fragte mich Winter, welche Art von Musik ich bevorzugen würde. Ich sagte, dass ich sehr gerne Rock-Musik höre. Sie lehnte sich in ihrem Sitz zurück und schmunzelte.
Irgendwie hatte sie ihre Selbstgefälligkeit und natürliche Arroganz zurückgewonnen, die sie vorher kurzzeitig verloren hatte.
Natürlich wollte ich nicht so schnell vor die neue Wand laufen, die sie um sich aufgebaut hatte. Diese Wand würde selbst eine Dampfwalze nicht zum Einsturz bringen und mein Wunsch nach einer blutenden Nase war fürs Erste gedeckt.
Ich sagte: »Warum hat der Zug überhaupt für uns gehalten? Hätte er nicht schon losfahren müssen?«
Winter ließ ihre Augen irgendwo über meinem Kopf verweilen und sagte: »Jede andere Musik hätte mich jetzt überrascht. Du bist sowieso der Soft-Rock-Typ.«
Ich biss die Zähne zusammen und ballte die Hände zu Fäusten. Diese menschgewordene Pfeile schien sich durch alle meine Nerven zu hobeln. Noch hatte ich nicht das Pfeil-Fett gefunden, die sie stumpf werden ließ.
Ich sagte: »Eigentlich dachte ich an härtere Musik oder sogar Gothik. Außerdem höre ich Hip-Hop und Pop Musik. So gut wie alles was kommt, aber vorzugsweise harte Rockmusik.«
Sie lächelte weiter und schwieg.
Ich sagte: »Was ist denn jetzt mit dem Zug?«
Sie sagte: »Alle Räder stehen still, wenn die liebe Winter das so will. Du kennst doch die Bahn. Die fährt nur zwischen 5 und 20 Grad. Alle anderen Temperaturen verkraften die Klimaanlagen nicht.«

Liebster-Award Teil 2

Winter starrte mich sprachlos an. Ihre Stirn lag in Falten. Zunächst war ich sprachlos. Nach einiger Zeit sagte ich: »Die wollen das wirklich?«
Winter schüttelte den Kopf und sagte: »Ok, dann mal los.
Als erste Frage solltest Du auf jeden Fall nach der Vorliebe zu einer Jahreszeit fragen. Daran erkennt man den Charakter.«
Ich sagte: »Das ist genauso aussagekräftig wie die Frage nach dem Sternzeichen.«
Sie sagte: »Du willst doch jetzt nicht Scharlatanerie mit Charakterstärken vergleichen?«
Ich sagte: »OK wir schreiben es auf die Liste. Aber ich werde niemand blocken, der nicht WINTER schreibt.«
Sie sagte: »Das hätte ich eigentlich von Dir erwartet.«
Ich sagte: »Schön dann hätten wir das geklärt.«

1. Was ist Deine Liebling-Jahreszeit?

Winter sagte: »Als Nächstes könnten wir etwas belangloses fragen, wie z.B. ob die Nominierte an der Ampel in der Nase bohrt.«
Ich sagte: »Bitte Winter, wir sollten wenigstens etwas Niveau halten.«
Sie sagte: »Dann schreib, ob das Auffinden von groben Gegenständen in der Nasenregion oft in der Hoffnung unentdeckt zu bleiben, im eigenen Gefährt in Ampelnähe durchgeführt wird.«
Ich sagte: »Gut ich schreib es auf, aber ab jetzt nur noch ordentliche Fragen.«

2. Bohrst Du im Auto vor der Ampel in der Nase?

Winter sagte: »Ich versuche es mal mit dem Niveau. Wie wäre es mit ›Sekt oder Selters?‹« Ich schüttelte den Kopf und sagte: »Viel zu abgedroschen.«
Winter schwieg für ein paar Minuten. Dann grinste sie und sagte: »Wenn ich an unsere Fragen denke, dann wäre doch sowas wie ›Können wir das schaffen?‹ angebracht.«
Ich sagte: »Erstens ist das Motto von Bob dem Baumeister schon zu oft politisch missbraucht worden und zweitens möchte ich keine Frage stellen, die nur mit ja oder nein beantwortet werden können.«
Winter sagte: »Wie wäre es mit der Frage, ob man sich lieber in ein Abteil voller Nonnen oder in eins mit einem indischen Pärchen setzen würde?« Ich nickte und schrieb auf.

3. Im Zug sind nur noch Plätze in zwei Abteilen. In dem einen sitzt ein verliebt wirkendes indisches junges Pärchen und im zweiten Abteil zwei Nonnen. Was machst Du?

Winter sagte: »Die Frage könnte man eigentlich auch in einem Bewerbegespräch nutzen. Das ist irgendwie so griffig, wie ein nasses Stück Seife.« Ich sagte: »Ich lass das jetzt drin. Kann ja nichts schaden.«
Winter sagte: »Was hast Du eigentlich Deiner Frau zu Weihnachten geschenkt?«
Ich sah sie irritiert an und sagte: »Was bitte ist das denn für eine Frage?«
Sie sagt: »Das interessiert mich.«
Ich sagte: »Sowas soll ich in die Liste aufnehmen?« Sie sagte: »Ach daran hab ich jetzt gar nicht gedacht.«
Ich sagte: »Bitte konzentrier Dich ein Bisschen. Wir haben hier eine Aufgabe zu erfüllen.« Sie sagte: »Schreib es trotzdem. Eine Frage ist eine Frage.«
Ich sagte: »Und wenn es keinen Partner gibt?« Winter sagte: »Die sollen sich nicht so anstellen. Dann geht es halt um den hypothetischen Partner.«

4. Was schenkst Du Deinem (hypothetischen) Partner zu Weihnachten?

Wir saßen uns schweigend gegenüber.
Ich sagte: »Mir fällt nix mehr ein.« Sie sagte: »Deine Fantasielosigkeit kotz mich an.« Ich sagte: »Das macht mich traurig.«
Sie sagte: »Dann heul doch.«
Ich schrieb die nächste Frage auf:

5. Wohin gehst Du, wenn Du traurig bist?

Ich sagte: »Moment da fallen mir noch ein paar Fragen ein!«

6. Warum schreibst Du?

7. Wie sieht der ideale Beitrag für Dich aus?

8. Welche Schreibregeln befolgst Du?

9. Wann fällt dir das Schreiben schwer?

Winter sah sich die Fragen an, die ich geschrieben hatte.
Sie sagte: »Was ist das denn für ein Müll?«
Ich sagte: »Als Autor, egal in welche Hinsicht, muss man doch Regeln befolgen.« Winter sagte: »Meinst Du, die hören hier alle die Schreidilettanten  und folgen dem Blog von Marcus Johanus
Ich sagte: »Kann doch sein.«
Sie sagte: »Nur weil Du das machst und noch nichts gelernt hast, müssen ja nicht alle ihre Zeit so verschwenden.«
Ich sagte: »Konzentriere Dich lieber wieder auf die Fragen, sonst werden wir nie fertig.«
Sie schnappe sich das Blatt und schrieb selbst.
Ich nahm das Blatt und strich ihre Frage gleich wieder durch.
Das konnte man wirklich nicht fragen.
Ich sagte: »Das geht einfach nicht. Du vergraulst mir noch die Leser.«
Sie sagte: »Davor hast Du wohl Angst, oder?« Ich sagte: »Das ist eine gute Frage.«

10. Wovor hast Du Angst?

Winter stöhnte laut auf. Sie sah mich an und sagte: »Nur noch eine?« Ich nickte. Sie sagte: »Ich weiß nicht, wo ich die Motivation dafür hernehmen soll.«
Ich sagte: »Noch eine prima Frage!«

11. Was motiviert Dich?

Ich sagte: »Jetzt die Nominierungen.« Winter lächelte und sagte: »Haben sich ja schon ein paar selbst nominiert. Das lief ja ganz prima!«
Ich sagte: »Also auf meiner Liste stehen:«

Zeilenende 

DerHilden 

JnBender 

Katrin – Musikhai

Winter sagte: »Zählen kannst Du auch nicht? Das sind nur vier!« Ich sagte: »Das sind ja auch nur die, die schreiben wollten. Zusätzlich setzte ich noch:

Ohneeinander

und

Tausend 

auf die Liste.«

Ich sagte: »Jetzt kommen noch die Regeln.« Winter verdrehte die Augen.
Sie sagte: »Die kennt doch jeder schon. Warum willst Du das auch noch machen?«
Ich sagte: »Das gehört zum guten Ton.«
Sie sagte: »Verstehe nicht, warum das so wichtig ist. Dann mach es, aber beeil Dich.«
Ich sagte:

»Nominierte soll die Fragen beantworten, dann 5 bis 11 andere Blogger nominieren, neue 11 Fragen stellen und die Regeln unten drunter knallen. Außerdem sind die Nominierten zu informieren.«

Winter sagte: »Das ist wie ein Kettenbrief. Sowas find ich eigentlich blöd.«
Ich sagte: »Du hättest jetzt noch eine Chance dem Kettenbrief etwas beizutragen.«
Winter sagte: »Ja prima! Wer die Fragen nicht beantwortet, dem steig ich aufs Dach und lass ihn nachts nicht mehr schlafen, bis ihm die Blumen vergammeln und die Milch sauer wird.«
Ich sagte: »Meinst Du, das glaubt jemand?«
Sie sagte: »Wenn es jemand tut, ist er selbst schuld.«

Winter lehnte sich zurück und schüttelte den Kopf. Sie sagte: »So einen Mist machen wir aber sicherlich nicht noch einmal mit.«
Ich nickte und sagte: »Wenn, dann höchstens im Frühling. Das sollte Dir dann weniger Probleme bereiten.«
Winter nickte und sah lächelnd aus dem Fenster.

Liebster-Award

Ich bin von DERNEUESTEFAN.com für den Liebster-Award nominiert worden. Vielen Dank für die tollen Fragen! Dieser Blogger-Pflicht komme ich natürlich nach.

Allerdings hat sich Winter eingemischt und wollte gerne ein paar der Fragen selbst übernehmen. Da sie mir keine Ruhe gab und ich gerade, so wie angekündigt, an akutem Zeitmangel leide, hab ich ihr das Ruder gleich selbst in die Hand gegeben. Ich hoffe, dass sie sich zurückhält und nicht allzu sehr über die Stränge schlägt.

Na wie geht’s?
Winter sagte: »Wie soll es mir schon gehen? Was ist das überhaupt für eine Frage. Für die Jahreszeit ist es auf jeden Fall zu warm. Ich will mich hier nicht über das Wetter auslassen, aber insgesamt ist es ja wohl eine Frechheit.« Ich sagte ihr, dass sie auf eine höfliche Frage doch auch höflich antworten sollte und sie sagte: »Na dann fein!«

Über welche Schlagzeile in der morgigen Zeitung würdest du dich freuen?
Winter lächelte. Sie sagte, es wäre besonders toll, wenn morgen überhaupt keine Zeitung erscheinen würde. Ich sagte: »Wie meinst Du das denn jetzt?«
Sie sagte: »Komm schon, wenn ihr es mal hinbekommen würdet, euch gegenseitig auszurotten, wäre bedeutend mehr Platz für mich da. In dem Fall gäbe es gar keine Zeitung.«
Etwas kleinlaut sagte ich: »Das hatte ich jetzt auch erwartet.«

Wohin geht’s in den nächsten Urlaub?
Ich sagte: »Wenn es um mich geht, dann weiß ich das noch nicht.« Winter lächelte und meinte: »Eigentlich ist es überall besser als hier.« Ich sagte: »Wenn Du darauf anspielst, dass Du nicht gerne in meiner Begleitung unterwegs bist, dann frag ich Dich warum Du mich mitgenommen hast?« Winter sagte: »Manchmal muss man auf Unbequemlichkeiten beharren, damit es einem nicht langweilig wird.«

Von Hamburg nach München: Mit dem Auto, der Bahn oder im Flieger?
Winter trommelte mit den Fingern auf den Tisch der zwischen uns im Abteil stand. Sie sah mich an, als hätte ich gerade von ihr verlangt, ein Einhorn mit einem Kescher zu fangen. Ich nickte ihr nur stumm zu und sagte: »Ich glaub wir können zur nächsten Frage übergehen.«

Auf dem Rockkonzert: ganz vorne tanzen oder ganz hinten sitzen?
Winter sagte: »Auf der Bühne stehen würde mir gefallen.« Ich sagte: »Konzentrier Dich auf die Frage.«
Sie sagte: »Willst Du mir jetzt sagen, was ich machen soll?«
Ich sagte: »Du wolltest Dich doch kurz halten und die Fragen beantworten.«
Sie sagte: »Ich kenn Dich sehr gut. Du sitzt lieber.«
Ich sagte: »Gab mal ne Zeit, in der hab ich lieber getanzt.«
Sie sah geringschätzig an mir herab und sagte: »Muss ewig her sein.«

Wer hat die Kokosnuss geklaut?
Winter gähnte. Ich sagte: »Kennst Du das Lied nicht?« Sie sagte: »Doch es war das Kind. Aber wie langweilig ist das denn.«
Ich sagte: »Du solltest doch nicht den Fragesteller beleidigen. Er hat sich sicherlich etwas dabei gedacht.«
Sie sagte: »Nenn mir lieber die nächste Frage, bevor ich einschlafe.«

Hast Du Dein erstes Auto auch so geliebt wie ich meins?
Winter vedrehte die Augen. Sie sagte: »Das hatten wir doch schon beantwortet. Ich fahre nicht mit Autos, wenn ich es vermeiden kann.« Ich sagte: »Soweit ich das sagen kann, mochte ich das aktuelle Auto immer am Meisten.«
Sie sagte: »Du bist ja auch komisch.«
Ich sagte danke.

Welcher war bisher dein beschissenste, welcher Dein tollster Job?
Winter sagte: »Ich hab mal als Aushilfe im Bettenlager gearbeitet. Hatte so eine Idee, dass an dem Märchen von den Brüdern Grimm etwas dran sein könnte. Hat sich dann aber doch eher als langweilig erwiesen.«
Ich sagte: »Eigentlich haben mir alle Jobs gefallen.«
Sie sagte: »Ich denk mir mal, dass es Dir da so geht wie bei den Autos?«
Ich sagte: »Manchmal ist es da anders rum.«

Wobei kannst du am besten entspannen?
Winter sagte: »Im Frühling und im Herbst.«
Ich fasste mir an den Kopf und sagte: »Das war jetzt auch etwas zu naheliegend oder?« Sie sagte: »Er hat mich danach gefragt.«
Ich sagte: »Er meinte wobei und nicht wann.«
Sie sagte: »Gut dann ist meine Antwort beim Nichtstun im Herbst und im Frühling.«
Mein Bedürfnis, in die Tischkante zu beißen, stieg auf einmal schlagartig, doch ich konnte den Impuls im letzten Augenblick unterdrücken.

Was muss passieren, damit du aufhörst zu schreiben?
Ich sagte: »Das beantworte ich jetzt mal. Die Antwort kenn ich nämlich. Ich muss nur das Interesse verlieren.«
Sie sagte: »Bei Deinen Motivationslöchern, ist das jeweils nur eine Frage der Zeit.«
Ich sagte: »Das muss jemand sagen, der das halbe Jahr faulenzt.«

Winter sah mich an und sagte: »Du willst jetzt nicht wirklich noch jemand nominieren?«
Ich sagte: »Willst Du?«
Sie sagte: »Dann müssen wir uns auch noch Fragen ausdenken.«
Ich sagte: »Gut dann lassen wir das. Die Reise ist sowieso schon anstrengend genug. Wenn mir noch etwas einfällt, kann ich ja immer noch eine Nominierung nachschieben.«
Sie sagte: »So ist es!«
Ich lehnte mich zurück und genoss die Fahrt.

Erscheinung

Eine schwere Holztür öffnete sich und ein Mann trat herein. Er hatte weiße, lange Haare, die er sich adrett nach hinten zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte. Insgesamt hatte die Erscheinung etwas von den Typen, die geistig und körperlich in den 70gern hängengeblieben waren.
Ich sagte zu Winter: »Oh Prima, Dumbledore ist da! Anscheinend hat er uns endlich gefunden.«
Winter verdrehte ihre Augen und erhob sich vom Sessel. Etwas leiser, so dass uns der Hipster-Opa nicht hören konnte, sagte sie: »Habe etwas mehr Respekt vor dem Alter.«
Ich sagte: »Wenn er das auch hat, dann werde ich mein Möglichstes tun.«
Ein schwaches Grinsen konnte ich hingegen nicht unterdrücken. Es war mir immer ein Vergnügen Winter zu ärgern. Dieser Besuch in dem alten Schloss konnte man anscheinend prima dazu nutzen.
Der coole Greis sagte Hallo und ich hätte fast laut gekichert, als ich eine Sonnenbrille oberhalb seiner Stirn erblickte.
Winter sagte: »Bitte entschuldige meine Begleitung. Ich hatte nicht gedacht, dass er sich so daneben benimmt.«
Ich sagte: »Das hier entspricht wirklich jedem Klischee. Altes Schloss, alter Mann – womit muss ich noch rechnen?«
Winter schüttelte energischer das Haupt und machte mir mit einer Handbewegung klar, dass ich jetzt ruhig seien sollte.
Sie sagte: »Ich suche meine Mutter Gaia. Ist sie hier?«
Der Alte sagte: »Sie ist vor ein paar Tagen aufgebrochen. Ich hatte ihr noch gesagt, sie solle besser hierbleiben – es ging ihr wirklich nicht gut – aber sie ließ sich nichts sagen.«
Winter sagte: »Wenn Du sie vor mir triffst, dann richte ihr bitte aus, dass ich nach ihr suche.«
Der Alte nickte und Winter drehte sich um.
Sie sagte: »Wir sollten zurück zum Zug. Hoffentlich finden wir meine Mutter in einer ihrer anderen Wohnungen.«

Magie im mehrdimensionalen Zeitraum

Winter sagte: »Wie erklärst Du Dir die Magie der Jahreszeiten?«
Ich sagte: »Erdrotation, Rotation um die Sonne und die geneigte Erdachse sind doch keine Magie.«
Winter schüttelte den Kopf. Sie sagte: »Schau Dich um. Du bist an einem Ort der Magie. Außerhalb Deiner normalen Welt. Weitab von dem, was Du bisher kennst.«
Ich zuckte mit den Achseln und sagte: »Wir sind wahrscheinlich nur in einer weiteren Dimension oder irgendwo von der Zeitachse falsch abgebogen.«
Dann lächelte ich, weil ich an einen meiner Professoren denken musste.
Ich sagte: »Wir hatten einen Professor im Studium, der sich mathematisch an der Schrödinger-Gleichung vergangen hat. Das ist eine dieser Gleichungen, für die es keine echte Lösung gibt, da einem das Gesetz der Unschärferelation weniger sprichwörtlich einen Strich durch die Rechnung macht.
Er fand allerdings doch einen Weg die Formel zu knacken. Er musst die Zeit nur als mehrdimensionale Variable in die Gleichung einfließen lassen. Natürlich habe ich nicht nachgerechnet, aber die Sache hat einen logischen Haken.«
Winter gähnte ausgiebig. Das war eins der Zeichen, dass ich mal wieder zu viel Wissenschaft auf meine Zuhörer losgelassen hatte. Natürlich weiß ich, dass ich fast jedes Lebewesen mit diesem Thema in den Schlaf wiegen kann. Trotzdem wollte ich mich nicht ablenken lassen.
Ich sagte: »Eine mehrdimensionale Zeit erlaubt, dass man an zwei Punkten zur gleichen Zeit ist. Gleichzeitig wird ein Transport von Materie von einem Punkt zum nächsten, ohne dass dabei Zeit vergeht, theoretisch möglich. Wir sprechen hier vom Beamen – Mathematisch kein Problem.«
Winters Augen sahen mich schläfrig an. Sie sagte: »Denk doch was Du willst. Aber sag mir hinterher bitte nicht, dass ich Dein Weltbild gestört hätte.«
Ich sagte: »Ich glaube nicht, dass Du das schaffst.«

Das Unbegreifliche

Ich sagte: »Aufgrund meiner Ausbildung als Chemiker bin ich mir sicher, dass alle Dinge wissenschaftlich herleitbar sind. Sicherlich gibt es viele Bereiche, die wir noch nicht begreifen. Meist reichen dafür unsere Sinne nicht aus. Aber mathematisch lassen sich diese Sachen trotzdem herleiten.«
Winter legte die Stirn in Falten. Sie sagte: »Du begrenzt das Universum auf ein paar Regeln?«
Ich sagte: »Tut es das nicht von selbst? Alles was uns umgibt, ist mit den Grundlagen der Thermodynamik zu erklären. Enthalpie und Entropie bestimmen alle Aktionen und Reaktionen. Sie sind der Ursprung aller Handlung.«
Winter sagte: »Chaos und Ordnung, schwarz und weiß – ist das nicht zu einfach?«
Ich musst unwillkürlich lachen. Als ich mich beruhigt hatte, sagte ich: »Enthalpie und Entropie sind mehr als Gut und Böse. Außerdem braucht man beide, damit etwas passiert.
Aber wenn Du es tatsächlich darauf runterbrechen möchtest, dann sag ich ja.«
Winter schüttelte erneut den Kopf. Sie sagte: »Dann überrascht es mich, dass Du nicht religiös bist.«
Ich sagte: »Wir unterscheiden immer zwischen zwei Extremen. Dabei müssen beide zusammenkommen. Es ist Teamwork.
Sieh Dich einmal um. Enthalpie – die Kraft, der Ruhe und Energielosigkeit – würde lediglich erlauben, dass das Universum als einzelner Klumpen inerter Materie rumgammeln würde. Die Entropie – die Kraft, des Chaos – würde winzige Teilchen durch den unendlichen Raum treiben.
Arbeiten beide zusammen, dann entstehen das Leben und der ganze andere Rest.«
Winter lächelte: »Gut und Böse müssen zusammenarbeiten?«
Ich nickte und sagte: »Ja, in einem Gleichgewicht. Ich würde sie allerdings nicht Gut und Böse nennen. Das sind nur Konzepte mit denen die Menschheit sich die Realität erklären wollen.«

Das Übernatürliche

Winter ließ sich in einen Sessel fallen, der nahe am offenen Feuer stand. Ich setzte mich in den danebenstehenden Sessel und blickte sie über einen kleinen Beistelltisch hinweg fragend an.
Sie sagte: »Mein Junge, glaubst Du an das Übernatürliche? Dinge, die wir nicht begreifen und fassen können?«
Ich schüttelt den Kopf und nickte anschließend. Dann sagte ich: »An das eine nein, an das andere ja.«
Sie sah mich kurz an, bevor sie sich erneut auf das Feuer konzentrierte. Abgekehrt und kopfschüttelnd sagte sie: »Was meinst Du damit?«
Ich sagte: »Mein Glaube an das Übernatürlich ist eher marginal, wenn überhaupt vorhanden. Allerdings weiß ich, dass es Dinge gibt, die ich nicht verstehe oder fassen kann. Da können wir gleich mit der allgemeinen Relativitätstheorie anfangen. Von Superstrings, die in mehr als eine Handvoll Dimensionen schwingen, möchte ich jetzt gar nicht anfangen. Und Russisch verstehe ich auch nicht.«
Diesmal bekam ich nur das vertraute Kopfschütteln und Winter sagte: »Wir Jahreszeiten sind übernatürliche Wesen. Wir können Dinge machen, die ihr nicht begreifen könnt.«
Ich sagte: »Und das hier ist Hogwarts und Du bist hier zur Schule gegangen?«
Diesmal sah sie mich an, während sie sagte: »Mach Dich nicht lächerlich. Kann sein, dass Hogwart diesen Schuppen hier als Vorbild hatte, aber dies hier ist alles andere als eine Schule.«
Ich sagte: »Wahscheinlich liegt das an dem dürftigen Lehrpersonal. Ich glaub trotzdem nicht an Magie.«
Kaum merklich erhob sie die Achseln und sagte: »Dann lass es einfach.«