Warum ich schreibe

Heute kam Winter zu mir und ich wusste, dass ich ihre anfängliche Frage beantworten musste, damit ich endlich eine Antwort auf meine Fragen erhielt.
Ich sagte: »Ich wollte Dir sagen, warum ich einen Blog habe.«
Sie setzte sich auf die Tischkante – eigentlich war es etwas zu nah, aber ich wollte nicht unhöflich sein.
Aus einer kleinen Tasche zog sie eine Nagelfeile und betrachtete anschließend prüfend ihre Fingernägel, als hätte man sie in Gold getaucht.
Nachdem ich nicht sofort anfing, klopfte sie mit dem Unterteil ihrer Feile drei mal auf den Tisch und sah mich ganz kurz an.
Ich sagte: »Eigentlich kann ich Dir darauf keine richtige Antwort geben, denn es gibt nicht nur eine.«
Da sie die Stelle zum Fragen vertrödelte, entschloss ich munter weiter zu reden.
Ich sagte: »Zunächst einmal schreibe ich gerne. Das ist nun einmal ein Hobby.
Als Zweites unterhalte ich mich gerne. Wir hatten damals an der Uni ein Forum, welches dazu genutzt wurde, allen möglichen Mist aufzuschreiben und andere damit zu unterhalten.
Der dritte Grund ist, dass ich meine Meinung sagen möchte. Oft schweige ich, wenn ich eigentlich etwas sagen sollte. Meist mache ich es nicht, weil es die Höflichkeit so gebietet. In meinem Blog kann ich allerdings sagen, was ich will.«
Winter feilte ab und zu an einer, dann wieder an der anderen Hand. Eine Reihenfolge konnte ich nicht ausmachen.
Als ein wenig Ruhe eingekehrt war, sah sie mich ganz überrascht an und sagte: »Das war ja langweiliger als ich erwartet hatte. Ich wäre fast eingeschlafen.«
Ich zuckte mit den Schultern.
Sie erhob sich und sagte: »Du bist mir immer noch eine Geschichte schuldig.«
Ich sah ihr nach und wusste nicht, was sie damit meinte.

Advertisements

5 Kommentare zu „Warum ich schreibe

  1. Ich schreibe aus einem ganz wunderbaren Grund: Wenn ich schreibe kann ich all das sein, was ich sonst nicht wäre und so lernt man auch, andere Persönlichkeiten besser zu verstehen. Allerdings ist das Wort Schreiben an sich schon unglaublich komplex, sodass es eigentlich keine richtige Antwort auf die Frage gibt.

    Gefällt 2 Personen

  2. Liebender Sebastian

    sage bitte dem Alexander die edel gesinnte Höflichkeit ist eine
    Alte Geschichte denn Wer bei Hofe Klartext sprach riskierte wenn nicht den Kopf
    So doch die Stellung und Gunst
    Daher gab Es für eine Weile den Hofnarren
    Sind leider an Ihrer Berufskrankheit ausgestorben

    Natürlich bin Ich ein Verehrer Deiner dezenten Wesensart und Im Spiegel Deiner
    Lächelnd komme Ich Mir schon mitunter als Holzhacker vor
    Doch auch dies ist stimmig denn Ich habe keine Heizung vielmehr Holzöfen
    Meine Erfahrung ist Wenn Du das Wesen und die Dinge beim Namen nennst
    Zeigst Du Dich und Ich sehe Dich Wir wissen woran Wir einander sind
    Das Leben der Gegen wärtigkeit ist ja so wie Es ist weil Menschen amputiert fragmentarisch
    Miteinander sprechen Überall dort wo das Geheimnis sein untergründiges Unwesen treibt herrscht
    Angst
    Und Alexander der Große führt ja heute kein bluttriefendes Schwert mehr wiewohl das zweischneidige
    Des Geistes Du bist feinfühlig taktvoll also kein Grobian Ich bin überzeugt das meint Winter wenn
    Sie Dir die Geschichte abverlangt Sie glaubt an Dich
    Und der Frühling ist nicht Ihr Feind Sprachblumen Wortduft Sonnengeschichten hört Sie gerne
    In Ihren langen eisigen einsamen Nächten

    danke
    Dir Joachim von Herzen

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s