Richtiges Verhalten gegenüber Raubtieren

Winter hatte einen weißen Kapuzenpulli an, auf welchem mit goldenen Lettern die Worte: »Lady De-Winter und ihre drei Musketiere« standen.
Mir war bis zu diesem Zeitpunkt gar nicht klar gewesen, dass man solche Pullis auch in Weiß erhält.
Sie sagte: »Du schuldest mir eine Geschichte.«
Ich sah sie fragend an und sie sagte: »Erzähl mir, wie Du mit dem Schreiben angefangen hast.«
Ich sagte: »Eine Lehrerin hat es mir beigebracht. Sie hatte ziemliche Schwierigkeiten dabei, weil ich irgendwie nicht begreifen wollte, wie man die Buchstaben in die richtige Reihenfolge bringt.«
Ihr Blick traf mich mit so einer Wucht, dass ich fast erfroren wäre. Ihre Stimme hatte eine klare Betonung auf den Zischlauten, so dass sie wie eine Schlange wirkte. Die gespaltene Zunge konnte ich nicht erkennen.
Sie sagte: »Fang da an, wo es interessant wurde.«
Ich sagte: »Für meine Lehrerin war meine Schrift auf jeden Fall interessant. Sie sagte, dass sie meine Texte einmal zu einem chinesischen Übersetzer bringen würde, nur um zu belegen, dass es sich hier keinesfalls um Deutsch handelt könnte.«
Jetzt sah man die Venen in ihrem Hals pulsieren.
Ich lächelte, wie man das vor Löwen machen sollte, um ihnen zu zeigen, dass man stärker ist als sie. Vielleicht hab ich das jetzt allerdings auch durcheinandergebracht.

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18 Kommentare zu „Richtiges Verhalten gegenüber Raubtieren

    1. Leider kein gutes Zeichen. Ein Grundschullehrer erkennt sofort: a) Kind hat eine Lese-Schreib-Schwäche oder b) es schreibt mit der falschen Hand.
      Schön dass man die Kinder heute so vorbehaltlos behandelt, kategorisiert, fördert und aussiebt. Da kommt man sich gleich verstanden vor…

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      1. Genau, kann ja kaum was schief gehen. In dem Zusammenhang empfehle ich das Lied: „Nie wieder Ritalin“ von KraftKlub. Ich hab es selten so auf den Punkt gebracht gehört.
        Traurig. Allerdings werde ich mich unterstehen zu sagen, das die meisten Fälle von ADHS lediglich eine Reaktion auf das Umfeld sind. Dafür kann man sofort gesteinigt werden.

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      2. Das gibts nicht, genau das Lied hatte ich auch gerade im Ohr! „Du musst dich konzentrieren, also nimm die scheiß Tabletten jetzt!“
        Ist echt traurig, wie einige der modernen „Übermütter“ ihre Kinder behandeln.

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      3. Ich hab ja selbst zwei potentielle Erben und muss mich immer überprüfen nicht in die gleichen Fallen zu tappen.
        Der Wert eines Kindes ist exponentiell gestiegen. Die Jungs und Mädels früher hatten viel mehr Freiheiten, weil die Eltern nicht so viel Angst hatten.
        Heute behandelt man Kinder wie Gold. Man poliert sie und trägt sie zur Zierde mit sich herum. Wenn die kleinen Scheißer dann in der Grundschule keine Integralrechnung beherrschen, bricht für die meisten eine Welt zusammen.
        Da ist schon gut, wenn man mit binomischen Formeln im Kindergarten anfängt.

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      4. Ich finde das auch echt furchtbar. Die sorgenfreie Kindheit geht vollkommen verloren, das muss einfach ungesund sein. Einfach unberantwortlich, Kinder in einem goldenen Käfig zu halten und dann so unter Druck zu setzen.

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  1. Ich hatte mir als fünfjährige die Alphabet von meinem großen Bruder stibitzt und das so lange studiert bis ichs drauf hatte. Damit hab ich natürlich im Kindergarten geprahlt woraufhin so ne dumme Kindergärtnerin, die mir nicht geglaubt, mich gezwungen hat ihr vorzulesen…

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      1. Ich war in einigen Dingen einfach minderbemittelt. Sprachen gehen und gingen gar nicht. Mir eine weitere Sprache beizubringen ist hoffnungslos. Ich versuche es ja – dafür war ich in Mathe und Chemie ein Überflieger. Ein Lehrer sagte sogar meiner Mutter während ich dabei war, dass ich sein bester Schüler in Mathe war, den er jemals hatte und er war schon alt.
        Bei mir hat die Begabung anscheinend dazu geführt, dass ich ansonsten meine Probleme habe…

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      2. Ich bin fast sicher, dass dieser Fall häufiger auftritt. Wenn ich mich allerdings in meinem Berufsfeld (Chemiker/Ingenieure) umsehe, treffe ich vermehrt auf „Legasthenie“ in unterschiedlichen Ausprägungen. Mein Professor sagte mal laut: „Ich würde mir sehr einen Studenten wünschen der Deutsch schreiben kann.“

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