Aus dem Bett gefallen

Winter stand tatsächlich neben meinem Bett, als ich heute aufwachte.
Sie sah mich über ihre Brillengläser an, als hätte sie im Biologieunterricht gerade einen Frosch aufgeschnitten und betrachtete gerade sein noch schlagendes Herz. Für eine Sekunde erwartete ich, ein »Höchst interessant« von ihr zu hören. Kombiniert mit einer vereinzelten hochgezogenen Augenbraue, hätte es mich nicht verwundert.
Sie sagte jedoch: »Junge – wenn Du ausgeschlafen hast, könnten wir endlich los.«
Ich streckte meine Arme vom Körper und gähnte. Dann sagte ich: »Irgendwie hab ich das Gefühl verarscht zu werden.«
Sie sagte: »Dagegen kann man was tun. Interessiert mich jetzt allerdings nicht, wer Dich verarschen will – wir müssen los!«
Dabei streckte sie mir meine Hose, gehalten an zwei spitzen Fingern, entgegen und verzog das Gesicht zu einer Grimasse.
Ich sagte: »Was machst Du eigentlich in meinem Schlafzimmer? Du weckst noch meine Frau!«
Sie sagte: »Ach komm schon – ich bin leise. Du solltest hingegen nicht so viel Lärm machen.«
Ich sagte: »Was willst Du hier?«
Sie sagte: »Hatte ich Dir doch gerade erklärt. Wir müssen los.«
Ich sagte: »Warte einfach im Flur auf mich. Ich muss mich noch duschen und anziehen. Ich bezweifle, dass Du mir dabei zugucken willst.«
Für eine Sekunde zögerte sie. Dann zog sie die Oberlippe hoch und legte die Stirn in Falten. Solche Reaktionen hatte ich bisher nur an Frauen beobachtet, die gerade eine Ratte unter einem Tisch ihres Lieblings-Cafés gesehen hatten.

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4 Kommentare zu „Aus dem Bett gefallen

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