Die Suche kann beginnen

Eine halbe Stunde später – ich pflege in der Regel sehr ausgiebig zu duschen – stand ich bei Winter im Flur und sagte: »Was sollte ich anziehen?«
Sie sagte: »Da wo wir hingehen, ist es im Grunde völlig egal, was Du anziehst.«
Ich blickte sie fragend an, was dazu führte, dass sie den Kopf schüttelte und sagte: »Egal was Du anziehst, es wird auf jeden Fall unpassend sein.«
Ich sagte: »Es kann doch nicht so schwer sein, sich auf Mutter Erde einzustellen.«
Winter sagte: »Mutter Erde hat kein Lieblingswetter. Wenn sie will, kann es in einer Sekunde schneien und in der anderen die Sonne knallen. Das ist von ihrer Laune abhängig und die ist im Moment eher durchwachsen.«
Ich nickte und sagte: »Also Regenschirm, Gummistiefel und Sonnencreme.«
Winter nickte. Dann sagte sie: »Junge, nimm einen warmen Mantel mit. Man weiß ja nie. Außerdem solltest Du etwas zu Essen mitnehmen.«
Überrascht sah ich sie an und sagte: »Wie lange wird die Reise denn dauern?«
Sie sagte: »Das kann ich Dir nicht sagen. Ich war schon lange nicht da und bin mir nicht sicher, dass ich meine Mutter auf Anhieb finde.«
Das klang so, als würden wir eine zierliche Person in einem überfüllten Stadion bei dem Event: ›Treffen der größten Menschen der Welt‹ suchen. Winter sah irgendwie pessimistisch aus.
Ich sagte: »Warum muss man die Erde suchen? Wir bewegen uns doch auf ihr.«
Winter sagte: »Sie ist überall – kein Wunder, dass sie niemand findet.«

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9 Kommentare zu „Die Suche kann beginnen

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