Fliegenschiss

Dass der Zug so plötzlich anhielt, riss mich aus meinen Gedanken. Der Blick nach draußen zeigte ein einzelnes Hochhaus, welches ziemlich verloren in einer kargen Landschaft stand. Aus einem Gefühl heraus, hätte ich schwören können, dass wir vor ein paar Momenten eine andere Umgebung durchfahren hatten.
Winter lächelte, als hätte man ihr gerade den Kopf eines Heiligen zum Frühstück serviert. Sie erhob sich und glitt durch den Wagon. Schwerfällig folgte ich ihr.
Erst an der Tür, welche sich zu einem braunen Rasen öffnete, konnte ich sie einholen. Sie blickte auf das Hochhaus und sagte: »Hier war Mutter schon lange nicht mehr.«
Ich sagte: »Sieht auch nicht besonders natürlich aus. Das Ding wirkt wie ein Riese in einer Badwanne – ziemlich fehl am Platz, wenn Du mich fragst.«
Winter sprang von der letzten Stufe auf den Rasen und sagte dabei: »Sind Menschen nicht auch natürlich?«
Sie wartete weder auf meine Antwort noch auf mein Erscheinen, als sie sagte: »Die Dinge, die vom Menschen gebaut wurden, betrachtet Mutter genauso als Natur, wie auch alle Sachen, die schon vorher da waren.«
Mein Atem ging schwer, während ich sie einzuholen versuchte. Ich sagte: »Was ist denn Deine Meinung?«
Sie sagte: »Sobald ihr verschwunden seit, wird alles sehr schnell wieder aussehen wie vorher. Ihr seid doch nur ein Fliegenschiss auf der Windschutzscheibe der Zeit.«

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2 Kommentare zu „Fliegenschiss

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