Winter wirkte so, als müsste sie dringend auf Toilette. Sie pendelte von einem auf das andere Bein, drehte sich einmal hierhin einmal in die andere Richtung.
Ich sagte: »Wow – ich kenne kaum jemand, der sich so offensichtlich freut, seinen Vater zu treffen.«
Winter sagte: »Mit einem Golfball mitten zwischen die Beine würde ich ihn viel lieber treffen.«
Meine Miene verfinsterte sich. Ich sagte: »Was hat er gemacht?«
Winter sagte: »Halb so wild – er hat mich nur pausenlos blamiert und verarscht. Man hat das Gefühl, dass er Nichts ernst nehmen kann.«
Ich sagte: »Scheint eine Grundvoraussetzung für einen Luftikus zu sein.«
Winter sagte: »Er hätte sicherlich seinen Grund, ein wenig ernsthafter zu sein.«
Ich sagte: »Wie nenne ich ihn überhaupt?«
Winter sagte: »Im Altertum war er Luft. Heute gefällt ihm der Name Atmosphäre sehr. Wenn ich Du wäre, würde ich einfach ›Sie‹ zu ihm sagen.«
Der Mann hatte immer noch nicht die Hälfte des Raums erreicht. Langsam konnte ich Einzelheiten ausmachen.
Er sah so aus, als hätte man auf seinem Oberköper eine Büste eines bekannten klassischen Komponisten geklebt. Seine Haare waren schneeweiß und standen zu Büscheln zu allen Seiten des Kopfes ab. Im Gesicht trug er ein breites Lächeln.
Sein Körper war mager – fast zu dünn. Die Arme und Beine ragten wie kleine Zweige aus dem Stamm einer 100 jährigen Eiche. Der schwarze Anzug mit Krawatte und die schwarzen Lackschuhe komplettierten das Bild.

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2 Kommentare zu „Luft kommt näher

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