Der Vater lächelte platt. Mein Körper spannte sich an. Bisher war ich nicht davon ausgegangen, den ominösen Erzeuger der Jahreszeiten zu treffen. Jetzt stand ich ihm gegenüber und erfuhr sogar etwas über seine heimliche Geliebte. Es gab verdammt viele Orte, an denen ich lieber gewesen wäre.
Winter hingegen sah so aus, als würde sie jede Minute explodieren. Ihr Kopf war so rot, wie ich ihn noch nie gesehen hatte. Jede Vene in ihrem Hals trat hervor, als würden sie sich zum Durchzählen aufstellen. Sie erinnerte mich ein wenig an einen übergroßen roten Knopf mit der Aufschrift ›Bitte nicht drücken‹.
Bald würde hier ein Sturm aufziehen, da war ich mir sicher und mit Wasser, Winter und Luft könnten die Auswirkungen höchst interessant werden. Allerdings wusste ich nicht, ob sie für mich besonders gesundheitsfördernd wären.
Sicherheitshalber trat ich einen Schritt zurück und stand damit näher an der Tür.
Lufts Stimme war erneut ein Säuseln und trotzdem klar zu verstehen, als er sagte: »Kalti mein Liebling, bitte reg Dich nicht auf. Es ist nicht so, wie es aussieht.«
Mein ganzes Leben hatte ich darauf gewartet, genau diese Worte im realen Leben zu hören. Sie sind so abgedroschen wie vorhersehbar gelogen, dass ich überzeugt davon war, dass sie keiner jemals benutzen würde. Außerdem erfreute mich der Kosename, den der Luftikus seiner Tochter verpasst hatte.
In meinem Gehirn zählte ich langsam von 10 abwärts. Ich kam nicht einmal bis 8, als Winter sagte: »Wir werden sehen, was Mama dazu sagt.«
Wenn Luft noch durchsichtiger werden konnte, tat er es in diesem Augenblick. Er löste sich förmlich auf.
Winter sagte: »Komm mit, wir sind hier fertig.«, und drehte sich zur Tür.
Als wir die Tür verließen zischte sie mir zu, als sie sagte: »Wenn ich diesen Namen einmal von Dir höre, wirst Du Deines Lebens nie wieder froh werden.«
Ich sagte: »Versteh schon, aber ich wusste nicht, dass es mir im Moment so gut geht.«
Winter sagte: »Könnte schlimmer werden.«
Ich sagte: »Schauen wir mal.«

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12 Kommentare zu „Familienstreit

      1. Ich wars nicht! Ich schwöre! Ich war noch nicht einmal in der Nähe! Du musst mir glauben! (Ganz unschuldig gucken, den Kopf leicht gesengt und abwartend – wie war das noch mit dem Auftreten von Satzzeichen im Rudel?).

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