Eine Tür, wo sie nicht sein sollte

Winter hielt immer noch meine Hand, während sie sich umdrehte und mich mit sich zog. Sie sagte: »Wir sind ganz nah. Mutter ist hier gleich um die Ecke. Ich kann es fühlen.«
Ich schaute mich um. Wir standen auf breiten Ästen, die mit ihrem Blätterwerk einen Fußboden gebildet hatten. Durch ganz kleine Spalten konnte ich nach unten blicken.
Ich konnte die genaue Höhe nicht abschätzen, aber meine Sinne sagten mir, dass ich nicht noch einmal runterschauen sollte. Sonst hab ich eigentlich keine Probleme mit Höhenangst, aber das hier stellte alles andere in den Schatten.
Die Unsicherheit, dass ich jeder Zeit durch eine Lücke nach unter gelangen konnte, machte mir nicht unbedingt Mut.
Winter schien daran jedoch weniger Gedanken zu verschwenden. Sie hatte mich weiter an der Hand. Wie einen kleinen Schuljungen auf dem Weg zum Direktor, folgte ich ihr, bis wir an eine Tür kamen.
Ich sagte: »Das ist jetzt zu blöd. Wer baut denn bitte eine Tür in eine Baumkrone? Irgendwie scheine ich wohl weiter zu halluzinieren.«
Winter sagte: »Halt einfach die Klappe und bestaune Deine Umgebung in der Stille. Besonders solltest Du vor meiner Mutter den Mund halten.
Sie wird sowieso nicht so angetan davon sein, dass ich ihr einen Affen mitgebracht habe.«
Ich sagte: »Vielleicht kann ich für meine Art ja ein gutes Wort einlegen.«
Winter sagte: »Glaub mir, Du bist der beste Beleg dafür, dass es besser wäre, euch alle auszurotten. Wenn Du jetzt auch noch Deiner Zunge freie Bahn lässt, wird sie die Sache noch forcieren wollen.«
Ich sagte: »Dann halte ich die Klappe.«
Sie sagte: »Besser wäre das auf jeden Fall.«

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2 Kommentare zu „Eine Tür, wo sie nicht sein sollte

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