Die Mutter Erde saß auf einem Sitzkissen und tätschelte den Kopf eines gigantischen Wesens. Der Körper der Kreatur war unter der Baumkrone versteckt. Alleine das Maul des Riesens war so groß, dass ich bequem darin herumspazieren hätte können.
Winter sagte: »Hallo Mutter. Ich sehe, Du spielst schon wieder mit Deinen Lieblingstieren?«
Die alte Dame mit den weißen Haaren drehte sich in Zeitlupe zu Winter. Ihr Blick war ausdruckslos. Ihre Augen blitzten, als sie Winter ansah.
Die Worte kamen verzögert und langsam. Die Stimme war viel zu tief, für die zierliche Alte, die mir gegenübersaß. Sie sagte: »Hallo mein Schatz. Ich hatte nicht damit gerechnet, Dich hier zu sehen.«
Winter sagte: »Eigentlich hätte ich das Treffen auch gerne verschoben, aber man sagte mir, dass Du krank bist.«
In Mutter Natur schien etwas aufzukochen. Mir kam es so vor, als würden ihre grauen Haare zu Berge stehen und Feuer aus ihren Augen lodern.
Sie sagte: »Diese verdammten Parasiten zerstören alles. Sie zertreten das, was war und machen unmöglich, was kommen könnte. Sie sind wie ein übergroßes Krebsgeschwür.«
Mir wurde flau. Natur hielt mich jetzt mit ihren Blicken fest. Sie sagte: »Du hast sogar noch einen der Schmarotzer mitgebracht. Was denkst Du Dir eigentlich dabei?«
Winter sagte: »Ich habe ihn dressiert. Jetzt ist er handzahm. Außerdem hast Du doch auch Deine Lieblingstiere, an denen Du hängen geblieben bist.«
Natur sagte: »Es war ein verdammter Unfall, der meine Lieblinge ausgelöscht hat.«
Winter lächelte und sagte: »Komm schon, auf Kurz oder Lang hätten sich die Tiere auch selbst überlebt. Sie waren einfach zu groß. Das konnte auf Dauer nicht gut gehen.«

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8 Kommentare zu „Ausgestorbenes

      1. Das stimmt. Wobei mich meine roten Augen und die triefende Nase daran erinnern, dass draußen schon etwas mehr passiert, als nur „Winter“. 😉
        Normalerweise schreibe ich die Sachen vor und arbeite an dem Tag ihrer Erscheinung noch ein wenig an ihnen. Dann sind die Texte beim Erscheinen schon besser, als im rohen Zustand.
        Ab und zu rutscht mir dann doch ein Text durch. Das ist sehr ärgerlich… 😉

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      2. Dank Dir.
        Ich glaub ich finde so langsam meine Stimme. Letztendlich hat es sehr lange gedauert. Ich schreibe ja schon seit 2011 (glaub ich) regelmäßig Geschichten. Aber im Moment hab ich endlich sowas wie ein Fundament, auf dem man aufbauen kann.
        Das ist genauso wie das Erlernen eines Instruments eine Entwicklung.
        Wenn ich allerdings an Instrumente denke, dann übe ich täglich eigentlich noch nicht genug.

        Gefällt 2 Personen

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