Sommer ist verhindert

Hätte er auch nur ein wenig Coolness gehabt, hätte er in der Tür gelehnt. Doch Herbst stand mit hängendem Kopf in der Öffnung und wirkte deplatziert, so wie ein Kind, welches man über Nacht im Kinderparadies vergessen hatte und welches jetzt hinter der verschlossenen Glastür steht und auf seine Mutter wartet.
Frühling sagte: »Du gönnst mir doch keinen Spaß.« 

Ich sagte: »Ich hatte Dich doch extra danach gefragt, ob das Zeug gefährlich ist.«

Frühling sagte: »Du hattest nicht nach Halluzinationen gefragt.«

Ich sagte:  »Halluzinogene Drogen sind nichts für mich. Ich habe in meinem Leben schon zu viele Leute getroffen, die von ihrem Trip niemals runtergekommen sind. Einer spricht immer noch mit Engeln und der andere versucht zu verhindern, dass die Eichhörnchen die Welt übernehmen. Arme Typen, wenn Du mich fragst.«

Frühling lachte und sagte: »Bei den Roten ist Hängenbleiben ausgeschlossen. Deshalb sind sie ja so gut.« Ich sah Herbst an, der mir müde zunickte.

Fröhlich hüpfte Frühling auf einem Bein und wirbelte einmal um ihre eigene Achse.
In der Zeit in der sie sich um sich selbst kümmerte, steckte ich die Frucht in die Seitentasche meiner Jacke. Wer weiß, wann man das noch gebrauchen konnte.
Herbst war in der Zwischenzeit näher gekommen und hatte meine Schulter ergriffen. Er sagte: »Ich habe Dich wirklich vermisst.«
Ich sagte: »Hätte nicht gedacht, dass wir uns so schnell wiedersehen.«
Er sagte: »Wir sind so schnell gekommen, wie wir konnten. Mutter hat uns ja gerufen.«
Ich sagte: »Dann fehlt nur noch Dein Bruder Sommer?«
Herbst schüttelte traurig den Kopf und sagte: »Ach mit dem ist nicht zu rechnen. Wahrscheinlich hat er noch nicht einmal die Einladung bekommen. Soweit ich weiß ist er gerade in Australien Surfen. Dabei lässt er sich nie stören.«
Ich sagte: »Das wird Deine Mutter aber belasten.«
Herbst sagte: »Er kommt sowieso zu sehr nach Vater. Mutter wird gar nicht bemerken, dass er fehlt.«

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12 Kommentare zu „Sommer ist verhindert

    1. Nach einem halbstündigen Vortrag darüber, dass die Eichhörnchen eigentlich eine Rasse aus dem Weltall ist, die ihre Invasion den Sommer über planen und im Winter umsetzen, bin ich mir da auch recht sicher.
      Ist ganz lustig, nur dass mein Gegenüber das leider ernst meinte.

      Gefällt 2 Personen

      1. Die Eichhörnchen werden wahrscheinlich die Erzfeinde unserer Schöpfer-Mäuse sein, klingt plausibel. Problematisch ist da aber in der Tat der undifferenziert pathologische Umgang mit der Ernsthaftigkeit. Sehr traurig wenn das zur chronischen Krankheit ausartet und der betreffende kein gesichertes Auskommen als Politiker oder Manager hat. Denn jedes Kind weiß ja, im Winter machen Eichhörner hauptsächlich gar nix. Das mit der Weltallverschwörung ist definitv eine blöde Ausrede fürs Faulenzen und Vorräte-nicht-wiederfinden!

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      2. Ne die Lehrstunde in Sachen – „Keine Halluzinogene Drogen“ hab ich gelernt. Wie gesagt der Typ der parallel zu mir mit seinem Engel Azriel sprach und mir vom baldigen Ende der Welt erzählte, war auch ne Marke.Beide haben mir erzählt, dass Sie LSD probiert haben und durch die Droge ihre Einsichten bekommen haben.
        Darauf hätte ich kein Bock.
        Die Eichhörnchen und die Engel sind allerdings geiler Geschichtsstoff. 😉

        Gefällt 1 Person

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