Feuchte Hände und Umarmungen

Ich verabschiedete mich von Herbst. Es war schön gewesen, ihn so früh wiederzusehen, auch wenn mir seine depressive Art oft nervte.
Als ich seine Hand geschüttelte hatte, die sich wie ein nasser Fisch anfühlte, drehte ich mich zu Frühling um.
Ohne dass ich es gemerkt hatte, war sie näher geschwebt.
Sie stand kaum eine Nasenlänge von mir entfernt und machte Anstalten mich zu umarmen. Instinktiv wich ich einen Schritt zurück.
Dadurch ließ sie sich nicht irritieren. Wie ein wehender Umhang umfing sie mich. Leicht hauchend, kaum zu verstehen, sagte sie: »Wir sehen uns in ein paar Tagen. Ich werde Dich besuchen.«
Etwas irritiert sagte ich: »Ich freue mich darauf.«
Mit einem Ruck zog mich Winter aus der Umarmung. Ihren Geschwistern schleuderte sie zum Abschied lediglich eine Hand in die Luft und wir verließen den Raum.
Kaum hatten wir das Zimmer verlassen, sah sie mich an und sagte: »Du freust Dich doch nicht wirklich darauf, die Wetterhexe öfter zu sehen?«
Ich sagte: »Was soll Mann denn in so einer Situation anderes sagen? Irgendwie kam das einer sexuellen Belästigung ziemlich nah.«
Winter zog die Brauen hoch und sagte: »Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass ihr Männer gar nicht sexuell belästigt werden könnt. Es gehört doch zu eurer Natur, eher die Täter- als die Opferrollen anzunehmen.«
Ich sagte: »Ich fühle mich gerade ausgenutzt.«
Winter sagte: »Aber ihr steht doch darauf!«
Ich sagte: »Ich mag es einfach nicht, wenn mir wildfremde Menschen zu nahe kommen.«
Winter sagte: „Du kannst im Zug heulen, wenn Du das willst. Jetzt sollten wir erst einmal zurück.“

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8 Kommentare zu „Feuchte Hände und Umarmungen

      1. Wichtig ist nur, dass man niemanden sieht, dem es noch elender geht. Deshalb klappt das bei mir mit dem Selbstmitleid nur früh morgens. Nur schlecht wenn ich mich dann in Spiegel nicht gleich erkenne. Ach je das Leben ist hart.

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