Ich ließ Frühling ihre Späße mit ihrem Bruder treiben und sah mich alleine in der Wohnung um.
Es gab keinen Fleck, der nicht chaotisch aussah und durchwühlt worden war. Alle Dinge, die normalerweise in den Schränken standen, lagen auf dem Boden verstreut. Im Wohnzimmer überdeckte eine Schicht Gegenstände das Opfer.
Man sah gerade noch den Umriss und ein wenig weißes Haar durch den drüber liegenden Berg von Dingen.
Das Bild überraschte mich nicht, da ich es schon vorher auf einem Foto gesehen hatte. Der Gestank jedoch überwältigte mich völlig. Ich kann es nicht beschreiben, aber es raubte mir den Atem, so als hätte man die Luft im Raum durch riesige stinkende Generatoren auf einen Schlag nach draußen gesaugt.
Herbst tauchte hinter mir auf. Ein erfahren wirkender Polizist, der gerade in der Küche stand, sagte: »Gegen den Gestank hilft nur die Zeit. Man sollte sich nicht dagegen verschließen. Innerhalb von wenigen Minuten gewöhnt sich die Nase an Alles.«
Herbst sagte in seine Richtung: »Das ist mir bekannt. Außerdem habe ich damit keine Probleme. Ich habe schon Schlimmeres gerochen. Die Ursuppe meiner Mutter hatte eine ganz andere Qualität.«
Ich versuchte, den Rat zu befolgen, und zog die Luft bewusst durch meine Nase. Der Erfolg blieb zunächst aus. Für einen Augenblick war ich kurz davor, mich zu übergeben.
Frühling lachte laut auf, klatschte in die Hände undsagte: »Du vergisst, dass Du träumst. Das Kotzen wird Dir hier nicht helfen. Versuch Dir einfach vorzustellen, dass überall Rosen herumliegen. Vielleicht erscheinen sie dann.«
Vielleicht lag es am Hinweis von Frühling oder vielleicht hatte der Polizist recht, jedenfalls bekam ich kurz darauf wieder Luft und die Übelkeit ließ nach.
Wie auch immer die Alte umgekommen war, es war definitiv kein Selbstmord. Außerdem war sie, dem Gestank zu urteilen, schon einige Tag tot.

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