Flirt

Frühling tänzelte auf den Eingang zu und schob die schweren Türen mühelos auf. Die riesigen Stahlwände hielt sie wie Schwingtüren einer Puppenstube in einer Hand und winkte mir zu.
Kaum hatte ich sie eingeholt und stand direkt neben ihr, sprang sie rein und ließ den Türgriff los. Nur durch einen beherzten Sprung nach vorne konnte ich einer schweren Verletzung entgehen, während der schweren Flügel hinter mir ins Schloss schlug.
Frühling kicherte. Immer wieder strahlte sie mich an. Am Ende des kleinen Gangs stand ein Wachmann hinter einer wahrscheinlich verstärkten Scheibe. Der Reum in dem wir standen, war eine Art Schleuse und schützte das Äußere vor den Leuten, die drinnen gehalten wurden.
Frühling sagte: »Hallo, wir müssen jemand sprechen, der uns von Dingen erzählen kann, die hier vor 5 Jahren passiert sind.«
Der Beamte sagte: »Wer sind sie und was wollen sie hier genau?«
Ich sah, wie Frühling ihre Show abzog. Ihre Augenlider klimperten in einem merkwürdigen Rhythmus und ihr Körper wand sich, wie der einer Schlange.
Während der erste Polizist, bei dem sie diese Taktik in meiner Gegenwart angewendet hatte, sofort in eine Art Trance verfallen war, zeigte dieser hier keine Regung. Wenn überhaupt möglich wirkte er noch misstrauischer.
Enttäuscht drehte sich Frühling zu mir und sagte, in einer Stimme, die nur ich hören konnte: »Ich glaube, der hier ist schwul. Du müsstest einmal fragen.«
Ich stellte mich vor Frühling und sagte: »Guten Tag Herr Kovac.«, wobei ich den Namen auf einem Aufnäher ablas, den der Mann auf der Brust trug.
Ich sagte: »Wir wollen Informationen über einen Häftling, der vor ca. 5 Jahren in diesem Gefängnis gestorben ist.«
Herr Kovac beäugte mich kritisch. Frühling hielt ihm eine leere Karte unter die Augen und flüsterte mir zu: »Du hättest ruhig etwas flirten können. Das würde unsere Chancen vergrößern.«
Der Beamte hinter dem Tresen hatte sich zur Seite gedreht und hatte ein Telefon abgehoben. Leise sprach er in den Höhrer und lauschte auf Antworten. Dann nickte er in unsere Richtung.
Zu uns gewandt, sagte er: »Der Direktor wird in ein paar Minuten hier sein.«
Ich nickte ihm zu und sagte: »Mir sind ihre gepflegten Hände aufgefallen. Gehen sie regelmäßig zur Maniküre?«
Der Mann sah mich an, als wäre er ein Priester, den ich nach dem Weg zum nächsten Freudenhaus gefragt hätte. Hinter mir fing Frühling laut an zu lachen.

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6 Kommentare zu „Flirt

  1. Ach liebender Sebastian

    nach einem schweren Arbeitstag erheitert mich den ehemaligen Ministranten Herr Kovac
    Ich wusste Es gleich meine Schwester ist schließlich Lesbe
    Und im Gefängnis war ich auch schon
    Dir kann ich`s ja ruhig anvertrauen
    Sogar ein Frauengefängnis
    Nein Ich bin kein Transvestit
    War nur Komparse damals
    Doch echt hart so das Milieu
    „Wir sind alle Gefangene“ Oskar Maria Graf
    Lederhosenautor
    Freiheit für die Lederhose

    äh dann machs mal gut
    Sei auf der Hut
    Joachim nix für ungut

    Gefällt 1 Person

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