Grammatik

Frühling riss die Haustür auf. Ich zog, knapp hinter ihr stehend, beide Augenbrauen auf. Dann sagte ich: »Normalerweise klingelt man doch an?«
Frühling sagte: »Ich hab die Elektroschocker nicht dabei. Außerdem sind Tag und Nacht immer daheim und meist nicht auf Späße eingestellt.«
Ich sagte: »Du meinst, tags und nachts ist immer jemand da?«
Frühling sagte: »Komm rein und lass uns hier nicht philosophieren. Du sprichst doch schließlich auch von die Winter und die Frühling. Wer keine Grammatik kann, darf sich Spitzfindigkeiten gerne verkneifen. Denk immer dran, bei Dir heißt es nicht: ‚Als Ich aus dem Fenster sah, graute der Morgen‘, sondern es heißt: ‚graute dem Morgen’…«
Ich sagte: »Mein Fehler war nur, die Jahreszeiten zu personalisieren. Ihr Geschlecht ergab sich aus ihren Eigenschaften.«
Frühling sah mich sauer an und sagte: »Für Dich sind Kälte und Wechselhaftigkeit also feminine Charakteristika?«
Ich sagte: »Wenn Du es so sagst, klingt es sexistisch.«
Frühling lachte und sagte: »Das ist auf jeden Fall gender-technisch arg bedenklich.«
Ich sagte: »Drücken wir es doch positiv aus: Coolness und hohe Flexibilität. Das sind definitiv tolle und bei mir weibliche Werte.«
Frühling sagte: »Mit einer solchen Flexibilität und Coolness bei der Verdrehung der Tatsachen könntest Du Unternehmenssprecher werden.«
Ich sagte: »Dazu sollte ich wohl erst einmal meine Grammatik in Ordnung bringen.«
Frühling nickte und sagte: »Wollen wir jetzt reingehen und Tag und Nacht treffen?«
Aus reiner Gewohnheit fragte ich: »Womit treffen?«
Frühling sagte: »Mit einem tadellosen Benehmen und einer kleinen Prise Humor. Das können die beiden gerad noch verkraften.«

Gleichform

Dreieinhalb Stunden später kamen wir an.
Wir standen vor einem Mehrfamilienhaus, dass in Reihen anderer, gleichförmiger Häuser stand. Man konnte keine Unterschiede zwischen den Häusern erkennen und ich dacht, dass ich mich hier auf jeden Fall verfahren würde, wenn ich Niemanden hätte, der mich leitete.
Der gesamte Block, der mindestens einen Kilometer lang und breit zu sein schien, bestand aus den gleichen viereckigen Quadern mit gleichmäßigen, mit der Schablone angebrachter Fenster.
Ich sagte: »Das hier hat überhaupt gar nichts mit Natur zu tun. Wie kann man nur so eine Langeweile aneinander klatschen und darin danach auch noch wohnen?«
Frühling sagte: »Warum sollte das nicht Natur sein? In Kristallen sind die Moleküle ebenfalls ausgerichtet. Es gibt viele Beispiele von natürlicher Ordnung.«
Ich sagte: »Es gibt immer Fehler im Kristallgitter. Durchbrüche, die beweisen, dass dieser Kristall etwas Einzigartiges hat.«
Frühling sagte: »Glaub mir, das Ehepaar, welches hier wohnt, stellt definitiv ein Fehler im System dar. Das wirst Du schon sehen. Betrachtet man das Gitter statistisch, ist alles absolut normiert. Nur durch die Betrachtung einzelner Punkte findet man Individualität.«
Ich sagte: »So wie es beim Menschen ist?«
Frühling sagte: »Für Außerirdische seht ihr alle gleich aus. Zwei Augen, eine Nase, ein Mund und der ganze andere Rest. Sie können euch so viel unterscheiden, wie ihr zwei Igel oder zwei Kaninchen unterscheiden könnt. Erst wenn man einzelne Exemplare kennenlernt, lassen sich Unterschiede erkennen.«
Ich sagte: »Wir philosophieren schon wieder, obwohl wir etwas zu klären haben. Allerdings muss ich dazu noch etwas sagen – ein indischer Gast fragte mich einmal, wie wir Deutschen denn unserer Frauen unterscheiden würden? Sie sähen doch alle gleich aus.«

Leugnen

Den Motor des Wagens startete ich nicht. Frühling sah mich überrascht an und sagte: »Wohin fahren wir jetzt?«
Ich sagte: »Das musst Du mir sagen. Wer aus Deiner Familie kann uns sagen, was das für ein Stein ist, von dem wir beide geträumt haben.«
Frühling sagte: »Ich hab von keinem Stein geträumt.«
Ich sagte: »Kurz bevor wir erwachten, haben wir doch von diesem schwarzen Etwas und dem blauen Leuchten im Inneren geträumt.«
Frühling sagte: »Ich hab nicht geträumt. Wir können gar nicht träumen.«
Ich sagte: »Woraus hab ich Dich heute geweckt?«
Frühling sagte: »Du hast mich geweckt? Wie konnte das passieren.«
Ich sagte: »Und dass die Wohnung verwüstet wurde, war bestimmt auch nur eine Einbildung. Wir können nach Hause, um es zu überprüfen.«
Mit sehr leiser Stimme sagte Frühling: »Das ist wirklich passiert.«
Ich sagte: »Wenn Du nicht geschlafen hast, wer hat dann die Wohnung verwüstet?«
Frühling sagte: »Ich weiß nicht, ich hab nicht aufgepasst.«
Ich sagte: »Du willst mich verarschen.«
Frühling sagte: »Ich will mich nur nicht erinnern. Das ist etwas anderes.«
Ich sagte: »Wer kann uns jetzt Auskunft über den Stein geben?«
Frühling hatte den Kopf fallen gelassen. Sie wirkte traurig.
Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, als sie sagte: »Selbst wenn ich es leugne, ich kann diese Angst einfach nicht abschütteln. Ich will das nicht.«
Ich sagte: »Wer?«
Sie sagte: »Nacht kann uns helfen.«
Ich sagte: »Es ist doch hoffentlich nicht so weit, wie zu Deiner Mutter?«
Frühling sagte: »Es ist gleich hier um die Ecke. Fahr los, ich zeig es Dir.«

Schreiben gegen Rechts – Fragen an alle Leser

Wisst ihr, was ich nicht verstehe?
Natürlich Russisch!
…und die Tatsache, dass immer wieder gesagt wird, dass die ›Fremden‹ unsere Kultur zerstören werden. Es wird davor gesprochen, dass die Anderen durch die ›Rassenvermischung‹ unsere Identität nehmen würden.
Das verstehe ich nicht. Das geht einfach nicht in meinen Kopf.
1. Was haben die Deutschen in den letzten paar Jahren geschaffen, was so verdammt schützenswert wäre? Geht es hier um den Abgasskandal? Sind wir in einem Fach besser als alle anderen (ich denke jetzt mal an PISA)? Sind wir besonders toll in irgend einer Sportart (bei mir in der Schule hat man sich auch darüber definiert…)
Warum ist die Angst so tief, dass unsere ›Rasse‹ ausstirbt?
Was treibt jemand dazu, so eine Angst zu entwickeln?
Dann wird auch noch behauptet, dass ›die die Auslöschung sogar wollen‹.
Bitte einmal Antworten, wenn man hier eine Antwort darauf geben kann: Wer sind denn bitte dies ominösen ›DIE‹? Und welcher Rasse entspringen ›wir‹?
2. Warum glaubt man, dass eine ›reine Rasse‹ besser ist als die ›vermischte Rasse‹? Hat da jemand im Biologieunterricht nicht aufgepasst? Kennt man das auch am Beispiel der Hunderassen? Ich sag jetzt mal Überzüchtung? Wenn ihr euch so gut gefallt, dann probiert doch mal dieses großartige Spiel für die ganze Familie, mit dem Titel ›Inzest‹. Es kann natürlich Nebenwirkungen haben, führt aber definitiv zu einer reinen, degenerierten und zum Glück bald aussterbenden Rasse. Beispiele gibt es zahlreiche.
Herzlichen Dank.
Mein Biologielehrer sagte, dass eine Vermischung der Gene immer gut ist. Soweit kann ich mich erinnern. Die Ergebnisse sind stärker, intelligenter und sowieso toll. Wovor haben diese Leute dann Angst? Dass die nachfolgende ›Rasse‹ besser ist, als die im Moment lebende?
3. Was nennt man Lügenpresse? Im Zeitalter des Internets werden freie Journalisten beauftragt. Natürlich ist jeder Bericht subjektiv. Es gibt niemanden, der objektiv berichten kann, da jeder Mensch eine Meinung hat. Warum versteht ihr nicht, dass hier keine Maschinen am Werk sind? Das sind Menschen, die Meinungen haben. Diese Meinungen treiben sie und verbreiten sie. Natürlich tummeln sich bei Portalen wie ›Spiegel Online‹ viele gleiche Meinungen. Irgendwie verbindet auch der Hintergrund. Sie sind aber trotzdem auch sehr unterschiedlich.
Das sind zum Teil frei Schreiber. Sie verdienen daran, dass sie ihre Meinung verkaufen. Wenn ihr das ändern wollt, dann ändert ihre Meinung. Lest unterschiedliche Leute, die eurer Meinung sind und macht sie relevanter.
Wenn ihr das nicht macht, dann müsst ihr damit leben, dass die Welt eine andere Meinung habt als ihr.
Sie dann einfach ›Lügenpresse‹ zu nennen, ist genauso blöd, wie wenn man seine eigene Hand der Unfähigkeit beschuldigt.
Ganz ehrlich – ich verstehe euch nicht. Ich verstehe eure Wörter nicht und ich verstehe eure Gedanken nicht. Ich kann nicht nachvollziehen, was ihr wollt. Ihr seid mir ein Rätzel.
Euch anderen verstehe ich aber auch nicht. Warum sagt ihr nichts? Warum steht ihr nur rum? Warum habt ihr keinen Standpunkt?
Ich meine nicht euch, die ihr die ganze Zeit etwas schreibt und es klar sagt. Ihr seid prima! Ihr habt Style.
Aber ihr dahinter, die nur still mit den Achseln zuckt – was muss geschehen, dass ihr wach werdet? Wann schaut ihr euch um? Muss es schon wieder soweit kommen, dass ihr sagt, ihr habt ja nichts gewusst? Wann steht ihr auf? Wann geht ihr los?
Sagt doch mal was!
Gruß,
Sebastian

Kugelhagel

Maria sah mich müde an. Ihre Augenringe erzählten Romane über Schlaflosigkeit in mondhellen Nächten. Eigentlich scheute ich mich, sie mit meinen Fragen zu belästigen. Ich beschloss, sie nach ihrer nächsten Antwort in Ruhe lassen.
Ich sagte: »Was wurde aus dem zweiten Räuber des Juwelenraubs vor 25 Jahren? Herbst oder Winter erzählten mir, dass er im Gefängnis gestorben ist?«
Maria lachte kalte auf und erinnerte dabei erneut an Winter. Die beiden waren bestimmt fabelhaft miteinander ausgekommen – oder sie hatten sich tief und innig gehasst. Wenn zu viele Charaktereigenschaften übereinstimmen, geht es meist in die eine oder die andere Richtung.
Maria sagte: »Dass er im Gefängnis gestorben ist, stimmt nicht ganz. Die Festnahme der beiden, war eine ziemliche Sauerei. Ich hatte einen alten, mittlerweile pensionierten Kollegen, der viel darüber sprach.«
Ich sagte: »Erzähl mir davon.«
Maria sagte: »Man hatte die beiden zu Hause überrascht. Dort waren sie gerade dabei, die Beute aufzuteilen. Es ging ziemlich schnell.
Während Roland Richter alles über sich ergehen und sich freiwillig abführen ließ, zog der andere eine Waffe und eröffnete das Feuer.
So etwas passiert sehr selten, auch wenn man das in jedem Krimi und Thriller dauernd sieht. Es war die einzige Schießerei in die mein Kollege verwickelt war. Er sagte, dass er das nie wieder erleben wollte. In seinen Augen war es wie in einem Kriegsgebiet.«
Ich sagte: »Was wurde aus dem Räuber?«
Maria schüttelte sich und nahm einen Schluck aus ihrem Kaffeebecher.
Sie sagte: »Er wurde von einer Kugel im Bauch getroffen. Eine riesige Schweinerei. Er verlor tierisch viel Blut und Darminhalt. Die dabei waren, waren entsetzt. Sie konnten ihn überwältigen und er wurde ins Krankenhaus gebracht.«
Ich sagte: »Er ist da gestorben?«
Maira sagte: »Die Ärzte habe versucht ihn zu retten. Sie sagten, dass der Darm zu sehr zerstört war. Er verstarb fünf Tage nach der Schießerei.«
Ich sagte: »Kannst Du mir den Namen des Räubers geben?«
Maria schaute auf ihren Monitor und gab ein paar Daten ein. Nach ca. 5 Minuten, in denen sich Frühling augenscheinlich sehr langweilte, schrieb sie etwas auf ein Papier und reichte es mir.
Ich bedankte mich und wir gingen zurück zum Auto.

Fall offen

Auf dem Weg zum Polizeirevier sagte Frühling: „Nennt man so etwas, was wir gerade gemacht haben, jetzt Plot Hole?“
Ich sagte: „Wir haben lediglich die Zeit überbrückt, in der nichts passiert ist – d.h. vom Frühstück bis Polizei. Das ist nur eine Überblendung. Eine Plot Hole ist ein Loch in der Geschichte. Ein Fehler, den der Autor unwissentlich begangen hat. Sowas ist wirklich nervig.“
Frühling sagte: „Als Du den Organgensaft in die Cornflakes gegossen hast, weil Du zu blöd warst, nach der Milchflasche zu greifen, ist auf jeden Fall etwas passiert.“
Ich sagte: „Könnten wir uns jetzt bitte wieder auf die Handlung konzentrieren? Es ist für jeden nervig, wenn Du vom Thema abweichst, wo die Sache gerade spannend wird.“
Ich parkte meinen Wagen auf dem noch leeren Parkplatz direkt vor der Station.
In ihrem Büro fanden wir Maria.
Sie sah übernächtigt aus und nahm gerade einen Schluck aus ihrem Kaffee.
Ich sagte: „Guten Morgen Maria. Du siehst müde aus.“
Maria sagte: „Diese Träume bringen mich um. Immer wieder sehe ich einen schwarzen Stein mit einem blauen Funkeln tief im Inneren. Wenn das so weiter geht, werde ich wohl einen Psychiater aufsuchen müssen.“
Ich sagte: „Wir wollten noch ein Mal nach dem Fall fragen, den Winter bearbeitet hat. Hast Du etwas Zeit für uns?“
Sie sagte: „In den nächsten fünf Stunden liegt nicht viel an. Außer die Deppen, die jeden Tag nach ihrem gestohlenes Fahrrad fragen und der statistisch Einzige, dem man das Portmonee geklaut hat, wird wohl kaum etwas Interessantes passieren.“
Frühling sagte: „Hast Du Winter von dem dubiosen Sohn der alten Dame erzählt?“
Maria sah sie so an, als würde gerade eine Giraffe auf sie zu rasen. Ich sagte: „Du hast nie von einem Sohn gehört?“
Maria sagte: „Ich weiß nicht, worüber Du sprichst. Kommissarin Winter war von einem auf den anderen Tag verschwunden – quasi über Nacht. An dem Tag davor war sie beim Juwelier gewesen und danach ist sie nicht mehr aufgetaucht.“
Ich sagte: „So etwas habe ich mir gedacht.“
Maria schüttelte den Kopf. Sie sagte: „Was meint ihr überhaupt?“
Ich sagte: „Schon gut. Ich habe da noch eine Frage, die weitaus wichtiger ist.“

Der Täter

Nachdenklich sah ich mich im Raum um. Die Tatsachen sprachen eine klare Sprache.
Ich stöhnte und sagte: „Es ist ziemlich offensichtlich, wer der Täter ist.“
Überrascht sah mich Frühling an. Sie sagte: „Willst Du jetzt etwa schon den Fall lösen? Ist doch noch ein wenig früh dafür. Außerdem hatte ich Dir doch verboten den Täter so frühzeitig zu verraten.“
Ich sagte: „Wer bisher noch nicht auf den Mörder gekommen ist, soll sich noch gedulden. Noch haben wir nicht alle Fakten. Außerdem würde mich interessieren, wo der Stein ist, der hier gesucht wird.“
Frühling lachte und sagte: „Also willst Du die Allgemeinheit noch im Unklaren lassen?“
Ich sagte: „Die Allgemeinheit kann sich gerne noch gedulden. Allerdings bin ich sicher, dass jeder der alle Details kennt, wie wir sie kennen, eigentlich recht genau wissen müsste, wem wir hier hinterherjagen.“
Frühling sagte: „Sollen wir kleine Tipps geben?“
Ich sagte: „Untersteh Dich. Wir sollten die letzen Fragen klären, bevor wir uns wieder Schlafen legen. Sonst könnte es recht ungemütlich werden.“
Frühling sagte: „Da hast Du recht. Was machen wir zuerst?“
Mit einem Blick auf meine Uhr sagte ich: „Zunächst gehe ich duschen. Um diese Uhrzeit werden wir noch keine Antworten bekommen. Sobald wir gefrühstückt haben, werden wir zu Maria fahren. Danach sollten wir jemand aufsuchen, der diesen Stein kennt.“
Frühling sagte: „Da fällt mir bestimmte jemand ein.“
Auf dem Weg zum Bad sagte ich: „Das wäre auch besser.“

Unaufgeräumt

Frühling sah an mir vorbei und musste lachen. Ich folgte Ihrem Blick und war entsetzt.
Sie sagte: »Wäre wohl doch besser gewesen, wenn ich wach geblieben wäre.«
Ich blickte mich um und sagte: »Wie soll ich das meiner Frau erklären?“ Alle Türen der Vitrinen und Schränken, jede Schublade, Alles stand offen. Die Bücher im Bücherregal waren nach vorne gerückt worden.
Frühling sagte: „Scheint so, als hätte hier jemand etwas gesucht.“
Ich sagte: „Er hatte wenig Zeit dafür.“
Die Gegenstände in den Schränken waren noch nicht ausgeräumt worden. Sie waren verrückt, aber nicht herausgeworfen, so wie in den anderen Wohnungen.
Ich sagte: „Als Nächstes hätte er uns wohl umgebracht.“
Frühling wirkte beleidigt, als sie sagte: „Warum muss es ein er sein?“
Meine Augen trafen ihre und ich sagte: „Nachdem ich Dich und Deine Schwester kennengelernt habe, würde es mich nicht überraschen, wenn dies hier das Werk einer Frau gewesen wäre. Es war definitiv eine Naturkraft wie Du.“
Frühling nickte.
Dann lachte sie erneut auf und sagte: „Damit bin ich wohl entlastet. Ich kann auf keinen Fall im Traum mit Dir und hier gewesen sein.“
Ich sagte: „Besitz Ihr keine Kraft, damit ihr an mehreren Orten gleichzeitig sein könnt? Wie macht ihr denn das Wetter auf der gesamten Halbkugel?“
Sie sagte: „Du hast mich erwischt. In dem Fall war ich jedoch nur im Traum. Das hier war ich nicht. Was sollte denn mein Motiv dazu gewesen sein? Ich weiß doch, dass wir den Stein nicht haben.“
Ich sagte: „Das klingt plausibel.“

Irrend

Der Stein war so groß geworden, dass er wie ein baufälliges Hochhaus unheilvoll über uns aufragte und uns zu erdrücken schien. 
Das blaue Licht in seinem Inneren wurde zu einer Form. Dort drinnen stand jemand. Es war nur ein Umriss. Ein Gesicht konnte ich nicht erkennen. Allerdings wusste ich, dass es uns ansah.
Frühling zog mich am Arm.
Sie sagte: »Ich will den Stein nicht.«
Ich sagte: »Da bin ich ganz Deiner Meinung. Ich will ihn auch nicht.«
Dann drehte sich Frühling zu mir und schlug mir mit aller Kraft ins Gesicht.
Der Schmerz ließ mich aufschrecken.
Ich war zurück im Schlafzimmer.
Die Sonne fiel durch die Fenster und ich hörte im Nachbarraum einen Schrei.
Schnell sprang ich auf die Füße und rannte ins Wohnzimmer.
Frühling rollte von einer Seite auf die Andere. Ihre Augenlider waren geschlossen, aber man konnte erkennen, dass sie die Augäpfel bewegte. Der Mund war offen und sie sagte etwas, was ich nicht verstehen konnte.
Sofort zog ich sie an ihren Schultern hoch und schüttelte sie. Dabei rief ich ihren Namen.
Ihre Augen öffneten sich und sie sagte: »Ich wünsche Dir auch einen schönen guten Morgen. Allerdings hoffe ich, dass Du besser geträumt hast, als ich.«
Ich sagte: »Warum hast du überhaupt geschlafen? Ich dachte, Du wolltest hier aufpassen.«
Sie sagte: »Ich habe mir gedacht, dass hier sowieso nichts passiert und bin Dir einfach in den Traum gefolgt.«
Ich sagte: »Wenn Du weißt, was ich geträumt habe, wovon ich ausgehe, dann brauchst Du nicht zu fragen, ob der Traum gut war.«
Frühling sagte: »War doch nur eine Redewendung.«
Ich schüttelte den Kopf und sagte: »Da drinnen schienst Du Panik zu haben.«
Frühling sagte: »Das muss getäuscht haben. Ich habe niemals Angst. Da stehe ich drüber.«
Ich sagte: »Als Unsterbliche verständlich.«
Frühling sagte: »Was machen wir jetzt?«