Die Tochter

Als wir in den Laden kamen, wurde mir schlagartig bewusst, dass es schwer werden würde, hier Informationen zu erhalten.
Der gesamte Innenraum bestand aus unzähligen Spiegeln, die das Licht der Lampen tausendfach reflektierte und dem Kunden das Gefühl vermittelte, im Inneren der Sonne zu stehen. Jeder Zentimeter war sauber und alles vermittelte das Gefühl des Neuen.
Hinter einer niedigen Vitrine stand eine junge Frau und blickte uns höflich an. Frühling steuerte zielbewusst auf sie zu. Noch bevor sie etwas sagen konnte, meinte die Verkäuferin: »Das ist aber nett, dass der Vater etwas für seine Tochter kaufen möchte.«
Der Sympathie-Faktor, den ich der adretten Blondine gerade noch verliehen hatte, war schlagartig verraucht.
Frühling lachte glockenhell und sagte: »Papi ist heute wegen etwas anderem hier. Der alte Geizhals lässt nur selten etwas springen. «
Leise, so dass die Verkäuferin mich nicht hören konnte, sagte ich: »Das hat keinen Zweck. Das hier ist alles viel zu neu und die Dame zu jung. Sie wird sich nicht daran erinnern können, was vor 25 Jahren passiert ist.«
Die junge Dame hatte entgegen meiner Einschätzung allerdings überirdisch gute Ohren und sagte: »Was ist denn hier vor 25 Jahren passiert?«
Frühling sagte: »Wir sind hier wegen eines Raubüberfalls.«
Ein Schatten wanderte über das Gesicht der Verkäuferin. Sie sagte: »Sie fragen nach dem Raubüberfall, von dem mein Vater immer erzählt hat?«
Ich sagte: »Sie sind die Tochter? Können wir uns vielleicht mit ihrem Vater unterhalten?«
Die Blondine warf ihre Mähne von einer Seite in die nächste und sagte: »Mein Vater ist schon fünf Jahre tot.«
Ich sagte: »Das ist schlimm. Wir brauchen dringend Informationen zu dem Verbrechen.«
Die Stimme der Blondine klang wie ein Hammer, den man auf einen Eisblock gehauen hatte, als sie sagte: »Mein Vater hat mir immerzu von dem Verbrechen erzählt. Warum wollen sie etwas dazu wissen?«
Frühling sagte: »Ist so eine Manie von ihm. Er meint, er könnte das lösen, was überirdische Kräfte vorher nicht konnten. Ich sag ihm schon die ganze Zeit, dass er es sein lassen sollte. Aber er hört einfach nicht auf mich.«

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