Maria sah mich müde an. Ihre Augenringe erzählten Romane über Schlaflosigkeit in mondhellen Nächten. Eigentlich scheute ich mich, sie mit meinen Fragen zu belästigen. Ich beschloss, sie nach ihrer nächsten Antwort in Ruhe lassen.
Ich sagte: »Was wurde aus dem zweiten Räuber des Juwelenraubs vor 25 Jahren? Herbst oder Winter erzählten mir, dass er im Gefängnis gestorben ist?«
Maria lachte kalte auf und erinnerte dabei erneut an Winter. Die beiden waren bestimmt fabelhaft miteinander ausgekommen – oder sie hatten sich tief und innig gehasst. Wenn zu viele Charaktereigenschaften übereinstimmen, geht es meist in die eine oder die andere Richtung.
Maria sagte: »Dass er im Gefängnis gestorben ist, stimmt nicht ganz. Die Festnahme der beiden, war eine ziemliche Sauerei. Ich hatte einen alten, mittlerweile pensionierten Kollegen, der viel darüber sprach.«
Ich sagte: »Erzähl mir davon.«
Maria sagte: »Man hatte die beiden zu Hause überrascht. Dort waren sie gerade dabei, die Beute aufzuteilen. Es ging ziemlich schnell.
Während Roland Richter alles über sich ergehen und sich freiwillig abführen ließ, zog der andere eine Waffe und eröffnete das Feuer.
So etwas passiert sehr selten, auch wenn man das in jedem Krimi und Thriller dauernd sieht. Es war die einzige Schießerei in die mein Kollege verwickelt war. Er sagte, dass er das nie wieder erleben wollte. In seinen Augen war es wie in einem Kriegsgebiet.«
Ich sagte: »Was wurde aus dem Räuber?«
Maria schüttelte sich und nahm einen Schluck aus ihrem Kaffeebecher.
Sie sagte: »Er wurde von einer Kugel im Bauch getroffen. Eine riesige Schweinerei. Er verlor tierisch viel Blut und Darminhalt. Die dabei waren, waren entsetzt. Sie konnten ihn überwältigen und er wurde ins Krankenhaus gebracht.«
Ich sagte: »Er ist da gestorben?«
Maira sagte: »Die Ärzte habe versucht ihn zu retten. Sie sagten, dass der Darm zu sehr zerstört war. Er verstarb fünf Tage nach der Schießerei.«
Ich sagte: »Kannst Du mir den Namen des Räubers geben?«
Maria schaute auf ihren Monitor und gab ein paar Daten ein. Nach ca. 5 Minuten, in denen sich Frühling augenscheinlich sehr langweilte, schrieb sie etwas auf ein Papier und reichte es mir.
Ich bedankte mich und wir gingen zurück zum Auto.

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