Nacht hörte gespannt zu, während ich ihr den Fall beschrieb. Ihre Augen trafen mich, wie zwei Bälle beim Völkerball. Ich hatte diesen Sport immer verabscheut. Allerdings war nichts schlimmer als das Zirkel-Training. Das nahm ich immer sehr persönlich.
Meinen Bericht beendete ich mit einer möglichst genauen Beschreibung des Edelsteins.
Als ich geendet hatte, blieb es still im Zimmer. Der Hintergrund wurde durch das Standbild der TV-Pseudo-Realität ›Berlin Tag und Nacht‹ beleuchtet. Im Zwielicht dazwischen blitzten mich Nachts Augen an.
Sie sagte: »Ich kenne diesen Edelstein. Die Beschreibung passt auf die Königin der Nacht.«
Erneut Stille, doch dann prustete Frühling los. Sie lachte hinter vorgehaltener Hand und krümmte sich.
Meine Augen zusammenkneifend sah ich sie an und sagte: »Was gibt es jetzt schon wieder Lustiges?«
Zwischen zwei Prustern sagte Frühling: »Das ist so ein dummes Klischee. Es musste natürlich die Königin der Nacht sein. Gibt es den Stein nicht in jedem Krimi? Innovation ist Deine klare Stärke.«
Ich versuchte Frühling zu ignorieren und sagte, zu Nacht gewandt: »Was ist das Besondere an diesem Stein?«
Nacht sagte: »Zunächst einmal ist es mein Stein. Er gehört einzig und allein mir. Ich hab ihn vor ein paar Jahren irgendjemand gegeben. Der Stein sollte eine neue Fassung bekommen.«
Ich sagte: »Bisher ist er noch nicht wieder zurückgekommen?«
Nacht runzelte die Stirn. Dann sagte sie: »Es ist schon ein paar Jahre her. Jetzt wo Du mich daran erinnerst, finde ich es schon sehr merkwürdig, dass ich den Stein noch nicht zurückhabe.«

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