Ich sah Sommer an und sagte: »Irgendwie muss ich an Frisöre denken.«
Sommer sah mich fragend an und sagte: »Warum?«
Ich sagte: »Du erinnerst mich an das Musical Hair und von da ab, ist es nur noch ein kurzer Weg zum Frisör. Ich muss allerdings sagen, dass ich nicht gerne zum Frisör gehe.«
Sommers Blick war immer noch voller Fragen.
Ich sagte: »Das liegt wahrscheinlich an einem Kindheit-, bzw. Jugend-Trauma. Irgendwann, bevor ich mir die Haare unerträglich lang habe wachsen lassen, wurde ich beim Stammfrisör meines Vaters von einer netten Auszubildenden frisiert.


Als Jugendlicher, der gerade Probleme damit hat, den eigenen Hormonhaushalt in den Griff zu bekommen, war die Dame, die fast im gleichem Alter war, etwas Anbetungswürdiges.
Natürlich kamen wir ins Gespräch. Eine Dummheit, die man während des Haareschneidens immer begeht.
Natürlich glaubt man, sich unterhalten zu müssen, da das alle anderen Kunden schließlich auch tun. Eine gute Unterhaltung zwischen Kunde und Frisör, gehört klischeehaft so sehr zum Ritual, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt. Dabei werden sich die Leute, die den Beruf nachgehen, sicherlich nicht beschweren, wenn man einfach mal die Klappe hält. Sie müssen ja schon mit allen anderen sprechen, weil die meinen, dass man das aus lauter Höflichkeit so muss.
Meiner Meinung nach, ist man zu nichts verpflichtet und sollte so auch handeln.«
Es trat eine Pause an, während der mich Sommer ansah. Nach einer kleinen Weile sagte er: »Und was war mit der Auszubildenden?«
Mit einem Schütteln brachte ich mich in die Realität zurück. Ich sah Sommer an und sagte: »Na ja wir kamen ins Gespräch. Sie erzählte mir mehr über ihre Ausbildung und ich hört zu.
Es ist immer sehr wichtig zuzuhören, wenn Frauen einem Mann etwas erzählen.«
Sommer wedelte mit der Hand, als wolle er mich aus weiter Entfernung zu sich rufen.
Ich sagte: »Das Mädchen hatte das Problem, dass sie ein Modell für eine Prüfung brauchte. Da sie meine Haare als sehr schön empfand, sollte ich ihr Modell stehen.
Wir vereinbarten einen Treffpunkt und einen Termin.
Ich habe fast eine Stunde gewartet. Sie ist nie gekommen.«
Sommer holte ein Taschentuch aus seiner Tasche und schniefte laut.

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2 Kommentare zu „Hair

  1. Liebender Hippie Sebastian

    Eine anrührende wiewohl haarige Geschichte
    Ich war jahrelang umsonst Modell
    Jetzt schneide ich Sie mir selbst
    Sprachlos stumm und selbstbewusst
    Vorgestern meinen Pferdeschwanz

    Das Sie nicht kam
    Es muss Ihr etwas zugestoßen sein
    Ich vermute Sie gehört auch dazu
    Der Fall zieht immer größere Kreise
    Friseure sind Informanten
    So oder so
    Ich höre gerade Geräusche im Haus
    warte ic

    Gefällt 1 Person

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