Anziehungskraft

Sommer sah mich entsetzt an. Ich versuchte, in seiner Mine zu lesen und sagte: »Anscheinend hat die Dame gerade an Anziehungskraft verloren.«
Sommer nickte. Er schüttelte sofort darauf den Kopf und sagte: »So hätte ich sie mir nicht vorgestellt. Sie ist ein echter Drache.
In dieser Situation erinnert sie mich viel zu sehr an Mutter.«
Lachend sagte ich: »Männer stehen doch auf Frauen, die so sind wie ihre Mütter. Dann ist sie ja doch die Richtige.«
Sommer schüttelte erneut den Kopf und ließ ihn hängen. Leise sagte er: »Der Zauber ist verflogen.«
Ich sagte: »Ein paar Wolken am Himmel machen noch keinen schlechten Tag.«
Sommer sagte: »Ein Gewitter reinigt viel mehr, als Du denkst.«
Wir lauschten einer Diskussion, die wir durch die Wand hören konnten und die immer lauter zu werden schien.
Sommers Augen wurden groß und er sagte: »Was ist das für eine Person? Ich habe sie immer für einen Engel gehalten.«
Ich sagte: »Dieser Engel hat verdammt viele scharfe Zähne und keine Federn. Du hast da etwas verwechselt.«
Kurz stockend sagte ich: »Gibt es denn Engel?«
Sommer schaute mich an und sagte: »Keine Ahnung. Ich war sicher einem begegnet zu sein. Jetzt würde ich eher auf nein tippen.«
Die Diskussion im Nachbarzimmer hatte anscheinend gerade eine Spitze gefunden. Es wurden nur noch abwechselnd einzelne Wörter geschrien.
Dann knallte eine Tür und im fast gleichen Augenblick stand Johannes am Tisch.
Er hatte seine Jacke über die Schulter geworfen und sagte: »Wir können jetzt gehen.«
Überrascht sah ich ihn an.
Johannes sagte: »Sie hat euren Rauswurf aus ihrem Leben ausgeweitet. Ich hab jetzt sowieso keine Lust mehr. Die Frau hat die Aura eines Engels und die Zähne eines tollwütigen Hundes.«
Sommer sagte: »Sag ich doch.«

Ohne Punkt ins Koma

Patricia redete sich in Rage. Sie fand keinen Punkt und kein Komma, eine Eigenschaft, die ich beim Schreiben nachvollziehen kann. Die Akupunktur liegt mir ebenfalls nicht im Blut. Erst seitdem mir mein Schreibprogramm Vorschläge berechnet, stimmt die statistische Anzahl der kleinen Zeichen.
Das Programm dahinter war nicht billig, aber ich bin mir sicher, dass es jeden Cent wert ist. Allerdings versuche ich, die anderen Funktionen des Programms zu unterdrücken.
Wer mal eine Stilanalyse des eigenen Textes sehen möchte und dazu noch den aktuellen Duden als Grammatik- und Rechtschreibkorrektur sucht, der sollte sich Papyrus Autor ansehen.
Meine Gedanken kreisten gerade eine neue Runde, als Stille im Raum einkehrte.
Wenn meine Mutter mir etwas beigebracht hatte, dann war es die Fähigkeit bei frontalen Predigten über Tugenden und Sünden, den Ton innerlich abzuklemmen.
Das brachte mich allerdings im Moment an den Punkt, dass jeder auf mich schaute und ich nicht genau wusste, was man von mir wollte.
Anscheinend hatte Patricia eine Frage gestellt, die ich beantworten sollte.
Ich sah sie verlegen an und nickte.
Darauf brach sie gleich erneut in eine höllischen Triade aus. Das Spiel schien in die Verlängerung zu gehen und ich wünschte mich innerlich an meinen Computer.
Vielleicht würde mir gerade ein guter Text einfallen. Der Beginn einer Geschichte oder so etwas.
Erneut schwiegen alle Drei. Ich blickte erneut in die Runde und nickte.
Als Resultat sprang Patricia auf und verließ wutschnaubend den Raum.
Sommer sah in meine Richtung und sagte: »Das war echt Strong.«
Mit einem Achselzucken sagte ich: »Wenn Du meinst. Um was ging es denn überhaupt?«
Sommer sagte: »Sie will uns nie wieder sehen. Du hättest ruhig was sagen können.«
Johannes stand ebenfalls auf und sagte: »Ich rede noch mal mit ihr. Bleibt kurz hier. Sie wird sich schon wieder einkriegen.«

Noch ein Tabu-Bruch – Tausend kleine Schweinerein

MitmachBlog

Worüber man nicht spricht?

Da kommt mir zunächst eine eingeschaltete Kettensäge in den Sinn. Wahrscheinlich gibt es kein Verbot – ich würde mich trotzdem ungern darüber stellen, nur um zu sprechen.
Heute Nachmittag las ich in einer kostenlosen Zeitung die folgenden zwei Sätze:

Man ist, was er iss! Gesundes Essen ist oft anstrengend, teuer und fade.

Der folgende Artikel hat mich weniger interessiert, aber die ersten zwei Sätze hinterließen ein Hochgefühl. Ich bin weder anstrengend noch teuer und schon gar nicht fade.
Trotzdem bleibt das Thema im Bauch.

Was macht man damit?

Ich befürchte, dass ich es sogar selbst vorgeschlagen hatte. Allerdings hätte ich nie damit gerechnet, dass es auch gewählt wird.
Jetzt ehrlich – eigentlich hatte ich, als ich es als Wochenthema erkannte, damit gerechnet, dass es die gesamte Woche keinen einzigen Beitrag gibt.
Laut Knigge sollte man nicht über Politik oder Religion und schon gar nicht über Geld…

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Sturmtief

Sommer war sehr zielstrebig auf einem Stuhl am gedeckten Tisch in sich zusammengesackt und ließ weiter den Kopf hängen, so dass seine Haare fast den Teller streiften.
Patricia, die gerade an mir vorbei eilte, sagte in seine Richtung: »Nimm das fettige Zeug von meinen Tellern und setz Dich gerade hin.«
Zwischen den Lippen hervorgepresst sagte ich in Richtung Johannes: »Seit wann ist sie denn so?«
Johannes sagte: »Ungefähr einen Tag. Das muss wohl mit ihren Hormonen zusammenhängen.«
Ich sagte: »Eigentlich bleiben diese Eskapaden der weiblichen Psyche, Frischverliebten erspart. Solche Launen sind doch bekanntlich nur Ehemännern oder Nachkommen vorbehalten.«
Johannes sagte: »Vielleicht sieht sie im Moment jeden als Nachkommen an.«
Ich sagte: »Du meinst, sie hält uns für ihre Kinder?«
Für einen Moment lenkte mich das Gespräch mit Johannes ab, so dass ich nicht gesehen hatte, dass auch Patricia sich hingesetzt hatte und jetzt uns beiden anfunkelte. Sie hatte die Augen zusammengekniffen und den Mund sehr schmal gezogen.
Ihre Stirn wirkte wie eine Wellenlandschaft bei rauer See.
Sie sagte: »Was habt ihr denn jetzt da zu bequatschen? Sind die Tratschtanten so glücklich, sich wiederzusehen?«
Ich sagte: »Wir hatten nur gerade unsere Schwänze verglichen, wie man das unter Männern normalerweise so macht. Aber da Johannes schnell eingesehen hatte, dass er den Kürzeren gezogen hat…«
Ich hört mit dem Scherz auf, als ich in ihr Gesicht guckte. Mit diesem Blick könnte sie Sahnekuchen durchtrennen. Sahnekuchen sind übrigens gerüchteweise die einzige Materie, die man nicht mit Wasserstrahl Sägen schneiden kann. Sie sind also härter als Waschbeton und VA-Stahl.
Ich wusste instinktiv, wie es jeder Sohn bei seiner Mutter lernt, was ich zu tun hatte und setzte mich wortlos und gerade an den Tisch und senkte leicht den Kopf.

Thema der nächsten Woche

MitmachBlog

Habe gerade gemerkt, dass Zeilenende heute keine Zeit hat – blöd gelaufen. Natürlich warten da draußen jetzt richtig viele Leute auf das Wochenthema.

Euer Warten hat ein Ende (ist ja auch nicht so, als könntet ihr einfach in die Umfrage schauen, was gerade an Platz 1 liegt, aber die ist ja von mir auch schon geändert worden).

Egal… Das Thema der nächsten Woche lautet:

Worüber man besser nicht spricht

Gewonnen mit super 61.11% (11 votes). Das Thema Prost lag abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Wollt ihr erneut wählen? Dann schaut oben ins Menü. Ihr wollt ein neues Thema vorschlagen? Dann macht das dort oder im Formun.

Viel Spaß.

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Kaffee und Kuchen

Johannes sagte: »Kommt doch rein. Du brauchst doch nicht vor der Tür stehen.«
Wild funkelnd schaute ihn Patricia an.
Johannes zuckte mit den Schultern und sagte: »Er hat einfach etwas durcheinandergebracht. Das kann jedem mal passieren. Gerade unter Schock.«
Patricia formte eine kleine Schüppe mit der Unterlippe und zog die Augenbrauen direkt unter die Augen. Sie sagte: »Er hat uns einen riesigen Schreck eingejagt. Das kann ich ihm nicht einfach so durchgehen lassen.«
Johannes sagte: »Heb Deine Belehrungen für Deine Kinder auf. Ich für meinen Teil bin erst einmal froh, dass Bob noch lebt.«
Er drehte sich zu mir und sagte: »Tee ist schon aufgesetzt. Wenn Du willst, kannst Du Kuchen haben.«
Ich nickte. Der Typ wurde mir immer sympathischer. Hoffentlich konnten wir Sommers Tante davon abbringen, sein Lebenslicht auszupusten.
Sommer sah ziemlich zerknirscht aus. Er ließ seinen Kopf hängen, als er an Patricia vorbeiging.
Als er auf ihrer Höhe war, sagte sie: »Ich hoffe, Du hast seiner Familie nicht Bescheid gesagt, wie ich es Dir gesagt habe.«
Ich sagte: »Meine Frau weiß, dass ich tot bin? Dann wird sie sich wohl schon meine Lebensversicherung ausgezahlt haben. Hoffentlich reagiert sie nicht allzu enttäuscht, wenn sie erfährt, dass ich noch lebe.«
Johannes musste lachen, Patricia schlug mir jedoch mit der Faust auf meinen Oberarm. Zwischen ihren Zähnen, konnte ich die Worte: »Das ist nicht lustig!«, hervorzischen hören, während sie an mir vorbeirauschte.
Verwundert sah ich Johannes an. Der zuckte mit den Schultern und sagte: »Sie scheint bei einigen Themen ihren Humor zu verlieren. Noch bin ich mir nicht sicher, welche das sind, aber der Tod eines Bekannten, scheint definitiv dazu zu gehören.«

Warum – und warum nicht?

Als Patricia mich sah, rannte sie drei Schritte auf mich zu und schloss mich in ihre Arme. Sie sagte, dass sie sich sehr freut mich zu sehen.
Ich sagt, dass ich mich auch immer freue, wenn ich mich morgens im Spiegel sehe.
Der Umarmung entronnen schritt ich auf Johannes zu, der mir seine Hand zusteckte. An dem Blick von Johannes merkte ich, dass hinter mir etwas nicht stimmte. Instinktiv dreht ich mich zurück.
Patricia hatte Sommer gerade ihr flache Hand gegen die Wange gedonnert und schrie ihn an. »Wie konntest Du uns nur erzählen, er wäre tot?«
Sommer zuckte mit den Achseln und sah dabei so aus, als hätte man ihm gerade einen kalten Fisch in den Hosenbund geschoben.
Er sagte: »Er war tatsächlich tot.«
Ich sagte: »Ziemlich tot müde war ich. Sommer konnte gar nicht sehen, was mit mir passiert war.«
Sommer sagte: »Du warst platt wie eine Schildkröte, die man unter eine Planierraupe gelegt hatte. Da war nicht mehr viel von Dir übrig.«
Ich sagte: »Aber wenn Du das tatsächlich gesehen hast, warum stehe ich dann hier?«
Immer wieder drehte ich meine Augen und versuchte Sommer klar zu machen, dass er jetzt die Klappen halten sollte. Er sah mich irritiert an und sagte: »Hast du was im Auge?
Dass Du jetzt hier stehst, verdanken wir meiner Tante die…«
Ich sagte: »Beim Rettungsdienst arbeitet. Sie hat mich sehr gut versorgt.«
Patricia sagte: »Man sieht überhaupt keine Wunden.«
Ich sagte: »Der Lastwagen hat mich nicht richtig erwischt.«
Sommer sagte: »Hat er doch. Ich hab doch noch gesehen, wie Dir das Hirn aus der Schädeldecke tropfte.«
Zu Patricia gewandt sagte ich: »Er stand total unter Schock. Irgendwie muss er sich das eingebildet haben.«
Sommer sah mich, jetzt endlich stumm, allerdings immer noch irritiert an.
Ich nickte, als würde ich mir den Hals brechen wollen. Sommer verstand zwar nicht vollständig, aber er sagte nichts mehr.
Erleichtert atmete ich aus.
Sommer sagte: »Ist doch schön, wieder atmen zu können, oder nicht?«

Hat es geklappt?

Vom Bahnhof war es noch eine viertel Stunde zu Fuß, bis zur Wohnung. Als ich um die letzte Ecke bog, erblickte ich Sommer, der direkt auf der Straße vor der Wohnungstür stand und von einem Bein aufs andere schaukelte.
Ich winkte ihm, doch er schien mich nicht wahrzunehmen. Er wandt sein Kopf ständig von einer Seite zur anderen – eigentlich musste er mich gesehen haben.
Als ich fast vor ihm stand, sagte er: »Bob? Du hier?«
Ich sagte: »Das war doch absehbar. Du hast doch sicherlich hier auf mich gewartet.«
Sommer schaute mich sprachlos an, als wäre ich ein Mathematik-Rätzel, welches er in einer Zeitschrift studiert.
Er schüttelte seinen Kopf, erst langsam und dann mehrmals schnell, blickte mich erneut an und sagte: »Ja ich warte auf Dich.«
Ich sagte: »Du warst nicht bei Tod?«
Sommer sagte: »Sie war nicht da. Ihre Schwester sagt, sie ist schon seit einiger Zeit los.«
Ich sagte: »Du hoffst sie hier noch zu erwischen?«
Sommer sagte: »Ja, das kann man so sehen.«
Ich sagte: »Du wirkst wie ein Flummi, den man auf eine Autobahn geschmissen hat. Wenn man ›nervös‹ steigert, bist Du im Moment das Superlativ.«
Sommer sagte: »Sie war noch nicht hier.«
Ich sagte: »War sie auch noch nicht drin?«
Sommer blickte mir in die Augen und schwieg einen Augenblick. Dann sagte er: »Wir sollten nachsehen.«
Ich sagte: »Da kannst Du auch viel bequemer auf Deine Tante warten. Du hast dann ihr Opfer direkt im Blick.«
Sommer nickte erneut und sagte: »Die Idee ist wirklich nicht schlecht.«
Mein Klingeln wurde sehr schnell beantwortet. Der Türöffner summte.
Ich sagte zu Sommer: »Benimm Dich nicht wieder wie der letzte Höhlenmensch.«
Sommer sagte: »Das habe ich noch nie.«
Dann ließ er den kleinen Finger im Ohr kreisen und mit einem leisen ›Plöbb‹ Geräusch herausfahren. Ich sagte: »Vielleicht sollte ich vor gehen.«
Sommer sagte: »Mach ruhig.«

Bus und Bahn

Mein Wagen stand leider nicht dort, wo er normalerweise stehen sollte. Wie ich Sommer kannte, hatte er das Gefährt einfach am Nordseestrand stehen lassen. Wenn ich Glück hatte, hatte er ihn nicht im Meer versenkt.
Der Weg zu Patricia war zu weit um ihn zu Fuß zurückzulegen. Ich musste mir einen Bus oder noch besser die Bahn kapern.
Eigentlich war das keine schlechte Idee, da ich in der Bahn die Reaktion meiner Mitmenschen prüfen konnte.
Ich wählte die Kamerafunktion meines Handys aus und machte versuchsweise ein Selfie. Als ich das Bild auf Spuren von Verwesung studierte, musste ich feststellen, dass ich zwar kein Moos angesetzt, jedoch auch kein Gramm abgenommen hatte.
Warum erweckt man Tote, wenn man sie nicht auch gleichzeitig verbessert? Wer kann Menschen lebendig, aber leider nicht schlank machen?
Frankensteins Monster war sicherlich nicht fett.
Während ich meinen Gedanken nachging, kam ich am Bahnhof an und zog mir eine Karte am Automaten.
Die Bahn rollte zum Glück gerade ein, als ich den Bahnstein betrat.
Eigentlich mag ich Bahnfahrten, besonders wenn man keinem im Zug kennt. Man kann sich dann in seine Welt mit einem guten Buch zurückziehen und einfach einmal die Seele baumeln lassen.
Bahnfahrten bieten sich dazu an, zu stöbern und zu träumen.
Diesmal war ich etwas zerknirscht. Ich hatte das Buch vergessen. Zum Glück hatte ich ein paar Hörbücher auf meinem Handy, die noch nicht ausgehört waren. Allerdings hatte ich die Kopfhörer vergessen.
Dieser Tag schien nicht besser zu werden.
In der Buch-App war noch ein Comic, welches ich noch nicht zu Ende gelesen hatte. Allerdings sind Comics auf einem kleinen Display nicht unbedingt augenfreundlich.
Ich ließ mich in den Sitz fallen und machte die Augen zu. Dies hier war nicht der Beginn eines schönen Tages.
Diese Fahrt fühlte sich an, als würde ich in eine Katastrophe schlendern. Hoffentlich hatte Sommer seine Hausaufgaben gemacht.

Kapitel 6: Zombie State

Ich schnappte mir ein paar Sachen und dachte darüber nach, aus welchem Grund Werwölfe im Film immer ihre Klamotten zerreißen, nur um bei der Rückwandlung wieder voll bekleidet zu erwachen. Leider hatte ich nicht genau aufgepasst – gerne hätte ich gewusst, ob ich bei meiner Auferstehung voll bekleidet war.
Dann dachte ich darüber nach, dass ich mich jetzt offizielle Zombie nennen durfte. Bisher fand ich es immer so lustig, wenn beim Programmieren mich das Visual Studio mit der Meldung »Object is in a zombie state« aus dem Konzept gebracht hatte.
Ich hielt ein paar Minuten inne und prüfte, ob ich irgendwie einen enormen und unstillbaren Hunger auf Gehirn und frischem Menschenfleisch in mir aufsteigen fühlte.
In so einer Stimmung wollte ich nicht unbedingt bei Patricia und Johannes aufschlagen. Vielleicht nutzte Tod mich sogar als Überbringer ihrer Aufgabe. Man würde mir so ein exotisches Erscheinen bestimmt negativ auslegen und hinterher vorhalten.
Der Gedanke an frisches Blut brachte das vertraute Unwohlsein zurück, was ich als gutes Omen ansah. Ich habe schon beim Nähen einer frischen Wunde zugesehen und es hat mir nichts ausgemacht. Denk ich hingegen an Blut und an Wunden, wird mir flau im Magen. Das Gehirn ist ein ziemlich merkwürdiger Ort.
Erneut fragte ich mich, ob ich Menschen das Hirn aus dem Kopf saugen wollte. Als ich auch diese Frage mit einem klaren: »Mein-Gott-ist-das-eklig« beantworten konnte, griff ich nach meiner Jacke.
Hoffentlich war Sommer noch rechtzeitig. Obwohl er in dem Liebesspiel den Antagonist zum liebenden Sommer darstellte, fand ich Johannes sehr nett.
Wenn ich jetzt das nett-Wort in den Mund lege, will ich nicht ›scheiße‹ implizieren. Ab und an, ist nett auch einfach so gesagt wie gemeint und nicht das Synonym für ganz besonders langweilig.
Als ich die Tür hinter mir zuzog, dachte ich daran, dass meine Gedanken im Moment auf einem Abenteuerspielplatz Fangen zu spielen schienen.
Das war hoffentlich kein Hinweis auf den ›Zombie State‹. Wer weiß schon wie ein Zombie sich fühlt. Ich beschloss, die Minen von Johannes und Patricia genau zu studieren.
Würden sie nur einen kleinen Funken von Angst zeigen, würde ich sie schnell überwältigen und ihre Gehirne fressen.