Die Jagd

Die schwarze Wolke drang durch die Tür, am Ende des Raums, in dem wir gerade standen.
Sommer und ich rannten ihr hinterher.
Ich sagte: »Kannst Du Dich auch zu so einer Wolke verändern?«
Sommer sagte: »Das hab ich in der Schule gelernt. Hab das Fach aber gehasst. Ich war nie besonders erfolgreich. Meist blieben noch Körperteile übrig und Mutter hat gesagt, ich sollte das nicht machen, solange ich es nicht richtig kann.«
Schweratmend kamen wir an die Tür. Sommer griff nach der Klinke und zog. Die Tür bewegte sich nicht.
Sie blickte mich an und sagte: »Verschlossen.«
Ich sagte: »Gar nicht mal so dumm. Wenn ich offene Fenster im Haus hätte, dann würde ich auch die Türen abschließen.
Außerdem ist die Wohnung wirklich genial. So groß und freundlich.«
Sommer sagte: »Ich wette, es wird hier ziemlich heiß, wenn mal die Sonne drauf scheint. Sollten wir nicht lieber die Tür aufbrechen, als die Wohnung zu besichtigen?«
Ich sagte: »Es wäre schon ganz praktisch, wenn Du Dich zu einer Wolke machst und unter der Tür hindurch fliegst. Vielleicht steckt auf der anderen Seite ja ein Schlüssel.«
Sommer sagte: »Wir könnten uns auch hindurchteleportieren. Niemand stellt doch Sachen direkt vor eine Tür.«
Ich ließ mich auf die Knie fallen und blickte durch den schmalen Spalt.
Dann sagte ich: »Warum bringen wir keine Taschenlampe mit, wenn wir schon Nachts irgendwo einbrechen?«
Sommer sagte: »Wir sind nicht gut ausgerüstet, müssen aber doch unser Bestes geben. Sonst erinnert sich bald keiner mehr an Johannes. Genauso wie an Josef Zemt oder die anderen der Gruppe.«
Ich sagte: »Wer war das?«
Sommer sagte: »Sie waren recht bekannt zu ihrer Zeit. Die Zeitungen waren immer voll. Dann hat sich Tod der Sache angenommen und heute kennt sie keiner mehr.«
Ich sagte: »Ich kann auf der anderen Seite nichts erkenne, was uns im Weg stehen würde. Wir müssten springen können.«
Sommer griff mir an die Schulter und ich fand mich knieend im Treppenhaus wieder.
Als ich mich erhob, knallte mein Fuß gegen ein Schuhregal. Der Schmerz schoss mir Tränen in die Augen.
Sommer sagte: »Siehst Du, da stand doch was.«
Ich sagte: »Wer ist denn so bescheuert, einen Schuhschrank in den Hausflur zu stellen? Das sollte verboten sein.«
Sommer sagte: »Nur weil es bei euch im Haus verboten ist, muss es nicht überall verboten sein. Außerdem pass gefälligst auf, wie Du über Johannes redest!«
Ich sagte: »Schuldigung, wenn ich Deinen Liebsten beleidigt habe.«

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