Völlig unmöglich

Das Erste was Herbst zu mir sagte, war: »Das war nicht nur rein physikalisch völlig unmöglich.« Dann machte er eine theatralische Pause und stemmte die Hände in die Hüfte.
Mit der Robe wirkte diese Bewegung völlig deplatziert. Sein Schnäuzer passte überhaupt gar nicht ins Bild. Nur seine Laune war genauso, wie ich sie kannte.
Er schüttelte erneut den Kopf und sagte: »So ein Tier hat es auch noch nie gegeben. Was ist das überhaupt? Eine Mischung aus Panther und Säbelzahntiger? Selbst wenn es diese Art gab, war sie im Mittelalter längst ausgestorben.«
»Hier gelten andere Regeln. Wir sind nicht im Mittelalter, sondern in einem alternativen Universum. Hier gibt es boshafte Wälder und Säbelzahn-Panther.«
»Was machen wir jetzt? Willst Du darauf warten, dass noch so ein Monster angreift, oder bewegen wir uns in eine andere Richtung?«
Diesmal schüttelte ich den Kopf. Irgendetwas wollte nicht, dass wir den Wald betraten und es hatte mich handfest davon überzeugt, dass es keine wirklich gute Idee war, diesem Wunsch nicht nachzukommen. Schließlich hing ich an meinem Leben, auch wenn es hier nur ein virtuelles war.
»Wir sollten in die andere Richtung gehen.«
Dann lachte ich und sagte: »Wo bleiben meine Erfahrungspunkte? Sollte ich jetzt nicht hochgestuft werden?«
Herbst sah mich fragend an, und ich zuckte mit den Schultern und sagte: »Kein Problem, lass und gehen.«
Das Tier war schwer und riesig. Der Körper dampfte leicht in der kühlen Umgebung und strömte einen Geruch nach nassem Fell aus. Bevor ich hier verschwand, wollte ich mein Messer zurückhaben. Aus diesem Grund nahm ich alle Kraft, die ich aufbringen konnte zusammen und rollte den Kadaver auf die Seite. Es ging erstaunlich leicht.
Das Messer lag in einer Lache von Blut und Erde und funkelte mich böse an.
»Es wird Zeit, dass wir uns auf den Weg machen«, rief mir Herbst zu, der sich schon zum Gehen herumgedreht hatte.
»Sollten wir nicht den Pelz abziehen? Wir könnten ihn als Trophäe mitnehmen oder ihn irgendwo verkaufen.«
»Das raubt uns zu viel Zeit.«
Kaum hatte er das gesagt, verschwand das Tier in einem kurzen Flimmern vor mir. Zurück blieben ein Fell, ein größerer Sack und ein kleiner Lederbeutel. Instinktiv wusste ich, was dort vor mir stand: Fleisch und Geld.
Ich nahm die Sachen an mich, steckte sie in den Rucksack und eilte Herbst hinterher, der sich schon ein großes Stück von mir entfernt hatte. Als ich ihn eingeholt hatte, sagte ich atemlos: »Da war schon wieder einer dieser Computer-Rollenspiel Tricks, um die Alterfreigabe zu senken. Gar nicht schlecht, wenn man sich nicht um das Häuten und Ausnehmen von Tieren kümmern muss.«

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