Anstrengung

Vor uns lag eine Halle, die mit einer gläsernen Konstruktion fast vollständig ausgefüllt war. Das Logo, welches wir schon auf dem Sandkasten entdeckt hatten, stand hier überirdisch groß an der Wand und spiegelte sich im Glas der Maschine.
Herbst sagte: »Wer baut denn bitte ein Uhrwerk aus Glas?«
»Wahrscheinlich jemand, der noch am Code arbeitet. So kann man die einzelnen Prozesse besser durchleuchten.«
»Es sieht mir allerdings alles ziemlich fragil aus.«
»Hast Du eine Ahnung, wo wir nach dem Hilfesystem suchen sollten?«
Mit einem Kopfschütteln zeigte Herbst seine Hilflosigkeit.
Ich trat näher an das Ding und und suchte nach einer Möglichkeit das Gesehene zu verstehen. Bisher hatte ich mir noch nie Code eines Betriebssystems angesehen.
Er war nicht wirklich dokumentiert – anscheinend mochte der Programmierer diese Späße nicht. Nirgendwo waren Anzeichen von Erklärungen, die ich nutzen konnte.
Ich ging durch die Halle und suchte nach einem Anfang.
Ein großer Kolben, der sich dauernd hoch und runter bewegte, schien mir vielversprechend.
Die Geräusche vor der Tür wurden lauter.
»Wir sollten uns beeilen. Diese Frau scheint es ernst zu meinen.«
Eine Frau schrie durch die Tür. Sie sagte: »Ich hab hier das Programm eines gewissen Herrn Herbst. Wenn ihr nicht sofort da raus kommt, könnte ich ja mal reinschauen.«
Seine Stimme klang gequält, als er sagte: »Bitte nur Herbst. Das ›Herr‹ ist nicht nötig. Das ist so wie bei Enimen oder Nena. Es reicht, wenn man den einen Namen nennt.«
Flüsternd sagte ich: »Hast Du Angst?«
Herbst schüttelte den Kopf und sagte: »Was soll mir schon geschehen? Niemand kann mir etwas anhaben.«
Dann rief er zur Tür: »Wir sehen keine zwingenden Gründe, um Sie in den Raum zu lassen.«
Durch die Tür erklang ein Rauschen, als würde ein Fünfjähriger seine 20 Weihnachtsgeschenke alle gleichzeitig aufmachen. Nervös schaute ich mich um.
Nichts was ich sah, erinnerte mich an ein Plug-in – speziell das Modul des Hilfssystems würde ich nicht so einfach finden.
Ganz plötzlich griff sich Herbst an den Kopf und duckte sich. Mit ein paar Schritten stand ich neben ihm.
Dann war er auf die Knie gesunken und hielt die Hände über seinem Kopf verschränkt, den er gebeugt hielt. Er sagte: »Das tut so verdammt weh. Was macht diese Hexe mit mir?«

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