Wartezeit

Während wir auf Maria warteten, rannte Winter in der Wohnung umher. Zum Glück fand ich ein Brett, welches von der Wucht der Explosion stark mitgenommen wirkte. Meine Kleidung konnte ich hingegen vergessen. Die Hauptladung hatten mein T-Shirt und mein Pullover abbekommen, welche vorne größere, schwarz umränderte Löcher trugen. Eigentlich hätte die Wucht auch meinen Bauch aufschlagen müssen.
Winter sagte: »Ich freue mich schon auf unserer Ermittlungen. Meinst Du, es reicht für meine gesamte Zeit auf der Nordhalbkugel?«
Eigentlich wusste ich nicht genau, was ich jetzt machen sollte. Natürlich könnte ich ein weiteres T-Shirt opfern, um es in der Bauchregion leicht anzukokeln. Ein geschulter Polizist würde das jedoch sicherlich durschauen. Oder ich sagte einfach, dass die Kleidungstücke nur leicht gebrannt hatten und ich Glück hatte, das ich sie schnell genug auszog. Ich nickte Winter im Vorbeigehen kurz zu.
Sie sagte: »Bist Du nicht auch glücklich, dass die Monate nicht langweilig werden?«
Etwas innerlich platze und ich sagte: »Ich wollte meine Ruhe. Ich wollte Frieden. Haben wir nicht gerade die Zeit, in der man sich mit seiner Familie besinnt und endlich mal abschalten kann? Es reicht mir endgültig mit den ganzen Trubel, den ich bisher hatte. Ich schwöre, dass ich meine Tür im Frühling so fest verschließe, dass selbst ich sie nicht mehr aufbekomme.«
Winter lachte spitz auf und sagte: »Siehst Du, Du freust Dich auch schon. Das kann eine tolle Jagd nach Deinem Mörder werden.«
»Nur, dass ich augenscheinlich nicht tot bin. Das wird bestimmt jeden wundern.«
Ich rannte in die Küche um noch einmal den Tatherrgang im Kopf durchzugehen.
Winter schwieg erstaunlich lange, bis sie sagte: »Meinst Du, dass das schon das zweite Attentat auf Dich war?«
Wie angewurzelt blieb ich stehen. »Wie meinst Du das?«
»Vielleicht wurde auch Dein Lastwagenunfall geplant.«
»Wie meinst Du das?«
»Es war schon merkwürdig, dass der Fahrer sein Gefährt nicht angehalten hat. Sommer sagte, dass der LKW weiterfuhr, als wäre nichts passiert. Das kann kein Zufall sein.«
»Sommer hat mir nichts davon erzählt.«
»Sommer ist immer viel zu sehr mit sich selbst beschäftig, als solche Details zu bemerken. Er bzw. sie hat es nur kurz erwähnt.«
»Aber der LKW muss doch gestoppt sein.«
»Nur kurz, dann ist er weitergefahren. Soweit ich es gehört habe, wurde der Fahrer nie ermittelt.«
Ein modulierendes Tuten deutete an, dass jemand vor der Tür stand, die ich schnell öffnete.

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