Resümee

Winter setzte sich auf das Sofa und schloss die Augen. Sie wirkte angespannt.
»Denkst Du nach?«
»Wir haben hier eine bzw. zwei Naturkräfte oder etwas Ähnliches. Die meisten Leute, die ich aus unserer kleinen Gemeinde kenne, schließe ich aus. Es sind also entweder Neue dazugekommen oder es ist etwas völlig anderes.«
Überrascht sagte ich: »Es gibt Neue?«
»Die Welt ändert sich ständig. Wir können nie sicher sein, dass sie im nächsten Moment noch so ist, wie wir sie kennen.«
Entschieden schüttelte ich den Kopf. »Das stimmt doch gar nicht. Irgendwie bleibt doch immer Alles gleich. Die Menschen führen Kriege – wenn nicht gerade mit Waffen, dann mit Geld – und jeder versucht ein wenig Glück abzubekommen.«
»Das stimmt im Großen. Allerdings ist nichts so stetig, wie die Veränderung.«
»Und nichts unendlich, bis auf die menschliche Dummheit.«
Winter sah mich entgeistert an, schüttelte den Kopf und sagte: »Ich versuche keine weiteren Floskeln zu benutzten, wenn Du aufhörst zu zitieren.«
Nickend sagte ich: »Es gibt also neue Götter.«
»Du zitierst schon wieder.«
»Ich versuche, es mir nur irgendwie verständlich zu machen.«
Es kehrte eine lange Pause ein, in der Winter die Augen schloss. Nach einer Ewigkeit sagte ich: »Kannst Du nicht rausbekommen, ob es Neue gibt?«
Winter schüttelte den Kopf. »Tante kannte Niemand, auf dem die Beschreibung passte und eine andere Quelle von der wir Näheres erfahren könnten, kenne ich nicht.«
Diesmal war ich ratlos. Ein Schweigen legte sich über uns, wie eine Decke.
Schwerfällig rappelte ich mich auf. »Wir müssen etwas tun. Hier zu sitzen und darauf zu warten, dass irgendetwas passiert, macht mich wahnsinnig.«
»Hast Du nicht gesagt, dass Du Ruhe brauchst?«
»Die werde ich mir gönnen, sobald wir unsere Angreifer erledigt haben.«
Winter blickte mich an. »Wir könnten draußen rumrennen und sehen, was als Nächstes passiert.«
Ich ließ mich auf den Sessel fallen. »Das ist eine ziemlich blödsinnige Idee. Bisher hat uns das nicht weiter gebracht.«
Ich nahm mein Handy und sagte: »Wir können den mysteriösen Texter schreiben, dass wir uns mit ihm treffen wollen.«
Winter nickte. »Das kann nichts schaden.«
Schnell tippte die die folgenden Worte ein: »Komm zu uns, wenn Du weißt, wo wir sind.«
Die Antwort kam prompt.
›15 UR MARKTPLATZ‹
Ich sagte: »Wir haben einen Ort und eine Zeit und gerade einmal 20 Minuten, um dort zu sein.«

Kapitel 3 zum Nachlesen

Hallo Ihr liebsten Leser.

Ich habe mir erneut erlaubt, dass Kapitel 3 zusammenzutragen. Ihr findet es HIER.

Wie immer freue ich mich über euer Meinung zu dem Text. Habt ihr noch das Gefühl, dass ich an etwas arbeiten sollte? Was klappt schon ganz gut?

Ich persönlich bin ja der Meinung, dass meine Dialoge funktionieren, meine Beschreibungen allerdings kaum vorhanden sind. Darunter leidet vielleicht die Atmosphäre – oder seht ihr das anders? Außerdem gelingt es mir nicht immer, Action einzubauen oder Spannung zu erzeugen. Vielleicht ist dies allerdings bei der Art meiner Geschichten allerdings auch nicht so wichtig.

Bitte hinterlasst eure Meinung. Ich werde mich sehr darüber freuen.

Kritik ist übrigens immer willkommen. Nur an Kritik kann man wachsen. Allerdings bin ich auf manch einem Ohr ziemlich taub. Meine Sturheit hat schon einige Leute in den Wahnsinn getrieben. Trotzdem freue ich mich über jeden Tipp.

Dank Euch.

Mysteriöse Nachrichten

Völlig ratlos, fischte ich das Handy aus meiner Hosentasche. Das Ding wurde mir doch eigentlich gestern von der Polizei abgenommen.
Benommen und immer noch müde schaute ich auf das Display. Das hier war nicht mein Handy. Allerdings war es kein schlechter Tausch. Das Ding war definitiv neuer, als mein Modell.
Als erste Nachricht erschien: »Nachrichten: Polizei jagt Terroristen. Zwei Verdächtige wurden inhaftiert.«
Die zweite Nachricht war über einen bekannten Nachrichtendienst geschickt worden. Sie lautete: »Ich weiß, wo ihr seid.«
Jemand hatte mir vor 10 Minuten geschrieben.
Ich sprang auf und rief: »Winter? Wir haben eine Nachricht.«
Winter tauchte unvermittelt aus einer Tür im Flur auf. Sie hatte sich umgezogen und sah atemberaubend aus.
Ich reichte ihr das Handy, ohne noch etwas zu sagen.
Sie sagte: »Wer weiß, wo wir sind?«
»Den Absender kenne ich nicht. Genauso wenig kenne ich das Handy. Meins ist, seitdem es gestern konfisziert wurde, verschwunden. Dies hier habe ich noch nie gesehen.«
Winter lächelte großzügig, tätschelte mir auf den Scheitel und sagte: »Wenn Du lieb bist, darfst Du es behalten. Jetzt lass mich aber mal sehen.«
Sie wischte mit der Hand über den Touchscreen und sah mich kurz darauf fragend an. »Kennst Du das Passwort?«
Ich nahm das mobile Telefon zurück und probierte die vier üblichen Nummern. Überraschenderweise öffnete sich der Home-Screen. Ich zog die Augenbrauen nach oben und wischte nach links und nach rechts.
»Es ist tatsächlich eine genaue Spiegelung meines Smartphones. Es fehlte keine App.«
Ich öffnete ein Spiel. »Selbst die Spielstände sind aktuell, was eigentlich nur funktioniert, wenn man die Geräte über einen Computer synchronisiert.«
Winter schüttelte den Kopf. »Diejenigen, die hinter der Sache stecken, machen mir langsam Angst. Es gibt kaum Unsterbliche, die sich mit Technik auskennen. Die Meisten von ihnen verweigern sich total gegen den Müll.«
»Das erklärt dann auch die Abneigung gegen Fernsehen. Wie sagt noch der Volksmund: Weibliche Naturmächte und Technik.«
»Es bleibt trotzdem ein Rätzel, wer uns hier verfolgt.«
Ich tippte aufs Display und sagte: »Er verfolgt uns nicht – er weiß, wo wir sind.«
Winter zog ihre Augenbrauen nach oben und sagte: »Warum meinst Du, dass es ein ›Er‹ ist? Wir hatten bisher doch nur Bekanntschaft mit dieser blonden Dame gepflegt.«
»Du meinst, diejenige, die Dir so ähnlichsieht?«
»Die sieht ganz anders aus.«
Ich schüttelte den Kopf und sagte: »Der Typ im Bus sah nicht so aus wie die Dame, die uns schon mehrmals entwischt ist.«

Kapitel 4: Savehouse

Das Haus, vor dem wir aus dem Bus stiegen, war ein Altbau, mit reich verzierter Fassade. Winter kramte in ihrer Tasche und zog einen Schlüssen hervor.
Sie lächelte mich an und öffnete die Tür. Wir mussten in den dritten Stock, was mich, wahrscheinlich begründet durch den Schlafmangel, den ich hatte, das letzte Stück Kraft kostete. Erschöpft ließ ich mich in den ersten Sessel fallen, der mir in die Nähe kam und bestaunte die Umgebung.
Winter hatte es sich hier wirklich nett eingerichtet. Eine gesamte Wand war mit einem Bücherregal bedeckt, welches kunterbunt mit Inhalt gefüllt war. Einen Fernseher konnte ich hingegen nicht erkennen.
»Sag mal Winter, schaust Du nie Fernsehen?«
»Wenn ich Schicht habe, ist immer etwas los. Wenn ich gerade frei habe, kommt nichts Gescheites.«
Eine pauschale Tatsache, die eigentlich jeder Mensch kennt.
»Ich glaub, wir wurden verfolgt.«
»Warum?«
»Ich hab so einen komischen Typ mit Kapuze gesehen. Er tauchte immer wieder auf.«
»Wahrscheinlich ist das der fehlende Schlaf. Du solltest Dich erst einmal ausruhen.«
Mein Kopf fühlte sich schwer an. Sie hatte bestimmt recht. Doch eine Idee spukte mir noch im Kopf herum.
»Wer hat uns aus dem Gefängnis gebracht?«
Winter zuckte mit den Achseln und sagte: »Keine Ahnung. Wahrscheinlich jemand, der uns nicht dort drin haben wollte. Wir sind ihm außerhalb der Mauern lieber.«
»Wir hätten dortbleiben sollen.«
Winter stand jetzt neben mir und hatte ein Glas einer goldbraunen Flüssigkeit in der Hand, welches sie mir gab.
»Nimm Deine Medizin.«
Ich nahm einen großen Schluck und fühlte die Wärme, die meinen Rachen hinunter rann. Mein Kopf sackte nach hinten und schmiegte sich an der Lehne an. Es wäre trotzdem besser, mich hinzulegen.
»Hast Du kein Bett?«
»Steht im Nebenzimmer, brauch ich allerdings nicht. Du weißt doch, dass ich nie schlafe.«
Ich überlegte kurz, verwarf mehrere Gedanken und sagte anschließend:»Es muss jemand sein, der ähnliche Kräfte hat, wie Du.«
»Das hab ich mir auch schon überlegt. Mir fällt nur niemand ein.«
Das Licht im Raum wurde dunkler – oder meine Augen schlossen sich langsam. Im Moment konnte ich das nicht unterscheiden.
Zum Glück blieben die schlimmen Träume aus.
Als ich morgens wach wurde, vibrierte ein Handy in meiner Tasche.

Verfolgt?

Wir traten auf die Straße. Natürlich fehlte jede Spur von meinem Auto. Außerdem fehlten mir die Schlüssel.
Auf der gegenüberliegenden Straßenseite sah ich eine Gestalt, die die Kapuze ihres Regenmantels tief ins Gesicht gezogen hatte.
Mit einem Kopfnicken in die Richtung des komischen Kerls, deute ich Winter an, dass wir beobachtet wurden. Sie sah mich irritiert an und schüttelte den Kopf.
Ich zischte: »Da drüben.«, und deutete erneut in die Richtung.
Winter drehte ihren Kopf und sagte: »Was ist da?«
Als ich hinsah, konnte ich niemanden mehr sehen.
»Da stand gerade noch so ein Kerl, der uns beobachtete.«
»Du spinnst. Wahrscheinlich leidest Du unter Verfolgungswahn.«
»Das ist lustig, dass Du das bemerkst. Wusstest Du, dass die Wahrscheinlichkeit unter Paranoia zu leidet, bei Menschen, die in Wintermonaten geboren wurden, höher liegt, als bei anderen?«
»Willst Du mir jetzt was anhängen?«
Ich schüttelte den Kopf und sagte: »Fahren wir mit dem Bus?«
»Wohin?«
»Das ist eine gute Frage.«
»Die Frage stammt ja auch von mir.« Winter lachte spitz auf.
»Könntest Du das bitte lassen – dieses Lachen erzeugt Aufmerksamkeit, die wir jetzt nicht brauchen.«
Nickend sagte Winter: »Zunächst einmal weiß niemand, dass wir raus sind. Die Einzigen, die es interessiert, liegen drinnen im Tiefschlaf. Des Weiteren können wir zu mir fahren. Die Bude kennt niemand.«
»Du meinst diese Wohnung, in der ich Dich im letzten Herbst besucht habe?«
»Nein ich hab schon etwas anderes. Du wirst es lieben.«
Wir stellten uns an eine Bushaltestelle und warteten. Eigentlich war die Idee den Bus zu nehmen für eine übereilte Flucht ziemlich dumm. Allerdings hatte ich keine Lust, Winter darauf hinzuweisen.
Der Bus hatte Verspätung. Wir warteten eine dreiviertel Stunde, in der ich immer nervöser wurde. Unter ein paar dunklen Bäumen meinte ich, die Umrisse einer Person mit Regenmantel zu erkennen. Als ich jedoch noch einmal hinsah, war sie verschwunden.
Dann sah ich den Kerl hinter einer Litfaßsäule. Ich konnte fast sein Gesicht erkennen. Als ich dann blinzelte, war er verschwunden. Ich glaubte langsam, unter schwerem Stress zu stehen – als Folge des Schlafmangels oder irgendeiner anderen Begebenheit der letzten paar Tage.
Endlich hielt der Bus vor uns und öffnete seine Türen. Ich stapfte am Busfahrer vorbei und sagte: »Meine Begleitung kümmert sich um die Fahrkarten.«
Eine Brieftasche hatte ich natürlich nicht mehr.
In der letzten Reihe sah ich jemand sitzen. Bei der abgedunkelten Beleuchtung konnte ich sein Gesicht jedoch nicht erkennen. Als ich näher kam, sah ich, dass er einen schwarzen Regenmantel an hatte. Schnell drehte ich mich zu Winter, die immer noch mit dem Fahrer diskutierte. Es war sinnlos, sie jetzt zu unterbrechen, deshalb drehte ich mich wieder zurück.
Der Platz, an dem jemand gerade noch gesessen hatte, war leer.

Auf der Flucht

Sie zog an meinem Arm, während ich protestierte. »Das ist nicht richtig. Wir sollten hierbleiben. Sie werden uns verfolgen und wenn sie uns haben, werden wir sehr lange hinter Gittern sitzen.«
»Stell Dich nicht so an. Du hast alle Zeit der Welt. Außerdem schau Dich um. Das hier ist nicht normal. Sie schlafen alle.«
Erstaunt blieb ich stehen. Tatsächlich lagen die Köpfe der Beamten, die im Zimmer hinter dem Gefängnistrakt arbeiteten, auf dem Tischen. Ihr Schnarchen war das leise Brummen, welches ich vorhin gehört hatte. Sie sahen nicht so aus, als wären sie bei der Arbeit eingeschlafen. Eher so, als hätte man Lachgas in den Raum geleitet.
Ich sagte: »Wusstest Du, dass man von Lachgas gar nicht lachen muss? Es wurde nur so genannt, weil man es früher als Partie-Droge bei feuchtfröhlichen Zusammenkünften eingesetzt hat. Die Leute hatten dabei so viel Spaß – das Zeug macht in leichter Konzentration stark euphorisch – dass man ihm den Namen gab.«
»Das hier war nicht Lachgas. Das hier ist Magie.«
»Du meinst die dunkle Soße, mit der jede Suppe besser schmeckt?«
»Nein, das Zeug, was Harry Potter bekannt gemacht hat.«
»Du meinst, es war Blondi?«
Winter spitze die Lippen und sagte: »Es wäre schön, wenn Du sie nicht so nennen würdest.«
»Zu sexistisch für Dich?«
»Ja, so könnte man das auch ausdrücken.«
Sie hielt kurz inne und sagte: »Sollen wir jetzt gehen? Irgendjemand hat sich sehr viel Mühe gegeben, um uns alle Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen.«
Ich schüttelte den Kopf: »Das ist überhaupt keine gute Idee.«
»Jetzt hör auf zu jammern und komm endlich.«
»Aber ich jammer gerne und viel. Das ist mein liebstes Hobby.«
Winter nahm meine Hand und zog mich weiter.
Tatsächlich standen alle Türen auf. Der Weg aus dem Revier, war so einfach wie ein Spaziergang im Park, wenn man mal davon absieht, dass man für einige Parks viel Eintritt bezahlen musste und es Nachts weniger sicher war. Hier würden wir die Rechnung erst nachträglich erhalten.
Ich riss mich erneut los und sagte: »Wir sollten das nicht machen.«
Mit einer schnellen Drehung hatte Winter ihre Hand wieder an meinem Ärmel und zog mich los. Sie sagte: »Mach Dir hinterher Gedanken darüber. Wir müssen diese Attentäterin finden.«
»Wäre es dann nicht besser, die Polizei auf unserer Seite zu haben?«
»Die werden den Fall nie lösen, wenn sie glauben, schon Schuldige zu haben. Also komm jetzt und trödel nicht.«

Blogparade: Vernetzung unter Bloggern

Die Frau Ich lud zu einer Blog-Parade ein, der ich hiermit herzlich folgen möchte. Als Anarchist verbietet sich natürlich, die Regeln vollständig zu beherzigen, daher lass ich die Fragen einfach mal außen vor und beantworte mit den folgenden Texten mehr, als gefragt ist.

Was ist ›Vernetzung‹ überhaupt?

Die Antwort ist nicht ganz einfach. Eine Vernetzung in der heutigen Zeit bedeutet lesen, um gelesen zu werden. Für Einige ist es nicht viel mehr und nur ein Mittel zum Zweck. Die Leute auf Instagram, auf Facebook oder Tumblr haben diese Maxime verinnerlicht. Vielleicht kann man sogar mit einer Kooperation noch viel mehr Leute erreichen.
Auf WordPress habe ich viele idealistische Menschen getroffen, die dies nicht unterschreiben würden. Sie lesen und schreiben ohne Hintergedanken.
Was ist denn jetzt eine Vernetzung, wenn nicht das Folgen und Gefolgt werden im Mittelpunkt steht? Will man Freundschaften knüpfen?

Die Vergangenheit

Vor ein paar Jahren (oder besser einem Jahrzehnt) war die Vernetzung noch etwas ganz anderes. Da ging es darum, sich mit anderen Leuten auszutauschen. Ich trauere der Zeit ein wenig hinterher und bin nicht sicher, ob der ein oder andere das überhaupt noch kennt. Hier ging es nicht um Follower, sondern um die Unterhaltung, die immer im Mittelpunkt stand.
Dazu traf man sich damals in Foren, deren Themen die Leute zusammenführten. Heute gibt es diese sicherlich immer noch, sie haben aber deutlich an Bedeutung verloren.
Im Forum unterhielt man sich über Triviales, Intellektuelles oder gar Vulgäres, allerdings nie, ohne ein gewisses Niveau zu unterbieten. Selbst die Trolle (und ich bin mit dem größten von ihnen immer noch gut befreundet) waren eloquent und unheimlich unterhaltsam.
Das Forum besteht schon lange nicht mehr und die Welt funktioniert heute anders. In den heutigen Medien ist die Nachricht von gestern schon lange tot. Die Halbwertszeit eines Beitrags beträgt nur noch gefühlte Minuten. Versteht mich richtig, nur so fühlt man sich immer aktuell und am Puls der Zeit, aber diese langen geistreichen Unterhaltungen vermisse ich sehr. Was nützt die Vernetzung also, wenn das Gespräch darunter leidet? Was ich mir wünsche, sind Dialoge und nicht endlose Monologe von zwei Seiten in Dolby Surround. Mit ellenlangen Pausen, wo sie gebraucht werden.
Ich habe mich vernetzt und ich versuchte das mit dem MMB.

Die Möglichkeiten ohne Erfolg

Natürlich lese ich andere Blogs, bin auf Facebook, Twitter und Gott-Weiß-Wo. Allerdings vermisse ich den Dialog.
Ich gab Kommentare – allerdings haben die Meisten da draußen nicht den gleichen Wunsch, das letzte Wort zu behalten, weshalb sich dort auch fast keine Dialoge ergeben. Wahrscheinlich haben die Menschen allerdings auch Angst vor meinem inneren Troll.
Was ich gerne hätte? Ich habe mal ein Facebook Post eines Freunds mit mind. 30 Antworten getrollt, wobei eine Antwort dämlicher war als die vorige. Gefragt war, ob man errät, was auf dem Bild dargestellt wird.
Ein anderes Mal habe ich auf eine einfache Frage eines Beitrags, eine 300 Wörter lange Geschichte erfunden, die die Frage vollständig beantwortete, ohne dass sie selbst plausibel war.
So etwas hätte ich gerne als Dialog. Gedankenblitze im Gespräch, wären ein Ziel für mich für eine ideale Vernetzung. Beleidigungen wären dort absolut erlaubt, solange sie geistreich sind und nicht flach und pervers.
Mit diesen Leuten würde ich mich gerne auch unterhalten – nebenbei bei Bier, Wein und Mineralwasser.
Die Leute im Forum kannten sich fast alle auch privat – natürlich nicht vor dem Beginn des Forums, sondern erst später.

Wie also?

Die Frage, wie ich mich vernetze, ist nicht relevant, denn ich hab das Gefühl, dass ich es falsch gemacht habe. Weder ist die Follower-Zahl gestiegen, noch habe ich (bis auf ganz wenige Ausnahmen, die ich sehr schätze), kaum neue Leute kennengelernt. Ich würde sehr gerne mehrere von euch kennenlernen. Das ist jedoch für viele nicht der Sinn einer Vernetzung, was ich schade finde.
Wie ich mir eine Vernetzung vorstelle, die mir Spaß machen würde, sähe z.B. so aus: Jemand schreibt einen Satz und jeder der mitmacht kommentiert darauf. Man darf auf Kommentare reagieren oder selbst seinen Senf dazu geben. Dialoge sind erwünscht und es gibt keine Tabus außer Dummheit. Wäre das ein neues Feature im MMB, die euch Spaß macht?

Ich hoffe, ihr hinterlasst eure Kommentare…

Ein Wunder

Um mich herum war es dunkel geworden. Zwei kleine glimmende Lichter erhellten den Raum nur ungenügend. Von meiner Position konnte ich die Toilette sehen, die im Halbdunklen hinter der Türöffnung lauerte. Ihre Klobrille wirkte wie die untere Zahnreihe eines Totenschädels, der mich lächelnd anblickte.
Ich schaute zur anderen Seite. Dort hatte sich vor Kurzem etwas bewegt, das mich geweckt hatte.
Allerdings konnte ich niemanden erkennen.
Langsam stand ich auf, zog meine Hose und meine Socken an und schlich zur Tür. Vielleicht war das, was mich wach gemacht hatte, gerade hinaus?
Mit ein paar Schritten auf Zehenspitzen tänzelte ich zum Eingang, immer bemüht keinen Lärm zu machen. Ich hielt den Atem an, um mich nicht zu verraten.
Die Tür stand in einem merkwürdigen Winkel. Ich zuckte zusammen, als ich merkte, dass sie offen stand. Wer lässt im Gefängnis denn die Türen auf? War hier gerade Tag des offnen Tors?
Wahrscheinlich wartete hinter dem Ausgang ein Polizist auf mich, der sich dafür revanchieren wollte, dass ich eine Polizistin umgebracht hatte. Sie warteten bestimmt mit langen Stöcken, und aus ihren Münder rann der Geifer auf den Boden.
Es wäre besser, wenn ich die einfach zuschließen würde. Vielleicht merkt keiner, dass was passiert war. Wenn sie dann hier rein wollen, müssen sie erst einmal den Schlüssel finden und ich konnte das Bett vor den Eingang schieben.
An dem Ort, an dem ich stand, zog ein eisiger Windhauch an mir vorbei. Ich musste mich schnell entscheiden. Wenn man mich morgens so erwischte, würde man mir Fragen stellen, die ich nicht beantworten konnte.
Vorsichtig setzte ich einen weiteren Fuß, vor den anderen. Jetzt war es noch wichtiger, keinen Laut zu machen. Angestrengt lauschte ich nach draußen. Hatte ich da eine Stimme gehört, die leise flüsterte?
Ich gefror erneut auf der Stelle und lauschte. Es war nur der Wind. Ein leises Brummen kam aus dem Gang.
Erneut ein paar Schritte weiter – da war wieder dieses Flüstern. Ich hatte es jetzt deutlicher gehört. Irgendetwas unterhielt sich da. Das mussten die Polizisten sein, die auf mich warteten.
Nur noch ein Katzensprung, bis ich die Tür zuschlagen konnte. Natürlich ging sie zum Gang auf, ich musste mich also ein kleines Stück nach draußen lehnen.
Ganz langsam streckte ich meinen Arm aus. Er reichte nicht ganz, bis zum Türgriff. Noch einen Millimeter mit meinem Fuß nach vorne. Ich stand jetzt auf einem Bein und streckte mich, wie ich es schon lange nicht mehr gemacht hatte.
Meine Finger berührten das kalte Metall des Knaufs. Schnell umschloss ich ihn mit meiner Faust.
Langsam zog ich.
Dann landete ich plötzlich unsanft auf dem Boden. Jemand hatte die Tür ganz aufgerissen und stand jetzt direkt über mir.
Schnell legte ich die Hände über meinen Kopf und wartete auf die Schläge, die mich sicherlich gleich treffen würden.
Als sie ausblieben, blickte ich langsam nach oben.
Über mir stand Winter und sagte: »Sollen wir jetzt rausgehen? Mir wird langsam langweilig.«

Should I stay or should i go

»Soll ich uns hier herausholen?«
Immer wieder den Kopf schüttelnd sagte ich: »Nein bitte nicht! Es würde uns nicht viel bringen und wir müssten ständig über unsere Schulter schauen, ob dort die Polizei auf uns lauert. Ich habe da überhaupt keine Lust drauf.«
»Ich kann mich als Wolke durch Gitterstäbe gleiten lassen und hol dann den Schlüssel. Du wirst sehen, das ist kein Problem für mich.«
»Lass uns doch erst einmal hier bleiben. Sie finden vielleicht Beweise für unsere Unschuld.«
»Die finden nicht einmal ein Kamel, welches direkt vor ihnen im Salat steht. Besonders dieser Paul ist ein absoluter Versager.«
Ich konnte eine weitere Stimme im Gang hören. »Interessante Beobachtung. Ich würde den Herrschaften allerdings raten, keine Dummheiten anzustellen, auch wenn ich das mit der Wolke gerne sehen würde. Wir werden uns morgen um sie kümmern.«
Zusammenzuckend ging ich einen Schritt von der Tür weg. Ich schrie Winter noch zu: »Mach bitte keinen Blödsinn und schlaf erst einmal.«
»Muss ich nicht.«
»Dann tu wenigsten so, als würdest Du schlafen, und lass mich ein wenig schlummern.«
Das Bett wirkte plötzlich einladend auf mich, auch wenn es sich dazu sehr viel Mühe geben musste. Zumindest waren die Kissenbezüge neu oder zumindest frisch gewaschen.
Ich blickte unter die Bettdecke und suchte nach Flöhen oder Wanzen. Als sich keine finden ließen, legte ich mich auf die Matratze. Sie war angenehm hart.
Nachdem ich die Socken und die Hose abgestreift hatte, schloss ich als Versuch die Augen. Dort lief gerade ein abartiger Kopfkino-Film, in dem tausende Dinge durch die Luft flogen. Ich sah erneut abgerissene Arme und blickte in das Gesicht von Maira, die mich mit leeren Augen anblickte. Ihre Schläfe wies ein riesiges Loch auf. Das hatte ich bisher gar nicht gesehen.
Ihr Mund öffnete sich und sie sagte: »Du hast mich umgebracht.«
So laut ich konnte, schrie ich: »Das war ich nicht.«
»Du und Deine Freundin bringt nur Leid in die Welt. Jeder der euch kennt, ist in Gefahr.«
Ich schüttelte den Kopf und sagte leise: »Sie ist nicht meine Freundin. Sie ist nur eine Bekannte.«
Marias Rachen öffnete sich weiter und eine schwarze Wolke aus Rauch stieg aus ihr auf. Sie füllte innerhalb von Sekunden mein gesamtes Blickfeld.
Von überall drangen Stimmen auf mich ein. Viele sagten: »Mörder«, andere schrien »Verräter« und einige »Du bringst den Tod«.
Entsetzt riss ich meine Augen auf. Irgendetwas Kaltes hatte meine Wange gestreift.

Das Leben in der Zelle

Nachdem sie mir alle Dinge abgenommen hatten, die ihnen irgendwie gefährlich vorkamen (mein Gürtel wurde als Erstes konfiziert), stießen sie mich in einen kleinen, ziemlich kargen Raum. Die Fenster waren vergittert. Ein Durchgang führte in ein noch kleines Zimmer, mit einer Toilette.
Im größeren Raum stand lediglich noch ein Bett, welches seine besten Tage schon vor einer Ewigkeit hinter sich gelassen hatte und trotzdem weiter leben musste. Warum sie dem armen Ding keine Ruhe gönnten, konnte ich nicht nachvollziehen. Irgendwie fühlte ich mich gerade genauso wie dieses Bett.
Der Raum war nicht unbedingt das, was ich mir vorgestellt hatte. Insgesamt war es netter als einige Hotelzimmer, in denen ich bisher abgestiegen war. Allerdings fehlten der Schreibtisch und der Fernseher. Wäre mir so ein Zimmer untergekommen, hätte ich mich beschwert. Wer kann schon ohne Fernseher leben? Gilt der nicht eigentlich als Standard?
Vielleicht wurde er entfernt, weil er Menschen in den Selbstmord getrieben hat. Das Programm ist in der letzten Zeit immer schlechter geworden. Das kann empfindsame Seelen für immer zerstören.
Ich setzte mich auf die Bettkante und sah mich weiter um.
Von außerhalb der Tür hörte ich Winters Stimme. Sie rief nach mir.
Ich ging langsam zur Tür und lauschte.
»Kannst Du mich hören, Bob?«
Für einen Moment zögerte ich. Vielleicht war es eine neue Gelegenheit endlich Ruhe zu bekommen. Wenn ich mich hier einfach nur aufs Bett legen würde, könnte ich vielleicht die gesamte Geschichte vergessen. Sie kam mir sowieso eher wie ein böser Traum vor. Dabei neige ich eigentlich gar nicht zu Albträumen.
Winter schrie erneut: »Bob? Wie geht es Dir?«
Sie klang wirklich besorgt. Ich schrie zurück. »Mir geht es gut. Was ist mit Dir?«
»Ich wusste doch, dass ich Dich mit dem kleinen Trick zum Reden bringen würde. Kaum sagt man die einfache und nicht ganz ehrliche Floskel, musst Du einfach antworten.«
»Du hast mir nicht geantwortet.«
»Brauch ich nicht. Du weißt, dass es mir immer gut geht.«
Müde legte ich meinen Kopf an die Tür. Sie ging mir einfach nur auf die Nerven. Wäre sie dieses Jahr fern geblieben, wäre ich jetzt zu Hause und würde mir eine neue Serie auf Netflix ansehen oder würde PS4 spielen. Hätte sie mich doch blos nie besucht…
Leise murmelte ich: »Hätte, hätte, Fahrradkette.«