In guten Händen

Die Hand an meinem Arm presste mir das Blut aus den Adern. Mit aller Gewalt versuchte ich mich loszureißen, doch der Wachmann erwischte auch noch den anderen Arm. Wahrscheinlich wären ein paar Krafttrainingseinheiten gar nicht mal verkehrt gewesen. Verhandeln nützte hier wenig. Ich konnte ihm kaum erklären, dass ich nahezu unsterblich war.
Das Funkgerät jaulte auf und ich hörte die Stimme von Herrn Paul. Der war genau derjenige, den ich jetzt nicht unbedingt brauchte. Seine Stimme hörte sich so an, als hätte man ihn bewusstlos in den Motorblock des Wagens eingesperrt und er wäre gerade erwacht. »Hallo? Hört mich jemand?«
Der Beamte vor mir rollte mit den Augen. Ich nickte nur und sagte: »Der Typ ist nervig oder?«
»Sie kennen Herrn Paul?«
Ich biss mir auf die Lippe und schaute eine Sekunde lang so, als hätte ich gerade meiner Frau trotteligerweise verraten, was sie zu Weihnachten von mir bekommen würde. Meine Reflexe und besonders meine Zunge sollte ich dringend zähmen. Das kommt auf jeden Fall auf die Liste der guten Vorsätze.
Der Mann vor mir sagte: »Ich bringe sie jetzt erst einmal zum Krankenwagen. Soweit ich weiß, steht einer in der nächsten Seitengasse.«
Die verzerrte Stimme über Funk brüllte: »Hallo? Was ist da los? Haben sie den Tatort schon gesichert?«
Eine genervte andere Stimme brummte: »Hier gibt es ziemlich viel oder gar nichts zu sichern. Es hat fast den gesamten Marktplatz zerlegt.«
Vor mit sagte der Polizist: »Ich bringe sie jetzt dort hin.« Er zog mich an meinen Armen in die Richtung, aus der ich gekommen war. Hoffentlich brauchte Winter im Moment nicht meine Hilfe. Ihre Klagen waren jetzt schon in meinem Kopf, wie eine Platte, die steckengeblieben war.
Da es aussichtslos erschien, ließ ich mich abführen. Vielleicht bekam ich bei den Ersthelfern endlich ein wenig Ruhe. Wenn sie mich in ein Krankenhaus brachten, hätte ich bestimmt für eine Nacht Erholung und ein kostenfreies Frühstück im Bett.
Allerdings störte mich ein wenig, dass ich die Ärzte von den echten Opfern ablenken würde.

Advertisements

2 Kommentare zu „In guten Händen

    1. Ach ich leide nur immer gerne so rum – irgendwie hab ich immer das Gefühl, dass Ärzte mir sagen wollen: „Jetzt stellen sie sich mal nicht so an!“
      Z.B. der Arzt vor zwei Wochen, der mir sagte: „Das sind zwar zwei, aber wirklich nur ganz leichte Bandscheibenvorfälle – da kann man nix machen!“. Super! 😉

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s