Krankenbesuch

»Ich konnte die Dame nicht einfach weiter verfolgen. Schließlich wusste ich nicht, wo du warst. Ich hatte Probleme genug, Dich zu finden.« Winter war aufgebracht. Sie ging an meinem Bett auf und ab und gestikulierte mit ihren Armen.
»Sie hat sich übermenschlich bewegt. Sowas können eigentlich nur die Unsterblichen. Diese Frau ist mir noch nie zu Augen gekommen und ich kenne jeden. Sie kann daher eigentlich keine von uns sein.«
Simon reckte seinen Hals und blickte zu uns herüber. Er sagte: »Ist das Deine Freundin?«
Ich schüttelte den Kopf und sagte: »Das ist Winter und die Frage, ob sie meine Freundin ist, habe ich schon mehrmals mit ›Nein, auf keinen Fall‹ beantwortet. Sie ist mir zugelaufen und ich werde sie jetzt nicht mehr los.«
In ihrer Bewegung gestört, blieb sie stehen und sah mir in die Augen. »Das ist schon etwas verletzend, wenn Du das so sagst. Im Grunde war es ja genau umgekehrt. Wenn man sich nicht um Dich kümmert, liegst Du ganz schnell im Krankenhaus.«
Simon sagte: »Was will sie hier?«
»Sie will nur ihren Pflichtbesuch hinter sich bringen. Dann wird sie mich ganz schnell wieder in Ruhe lassen.«
Winters Augen waren schmale Schlitze. Sie sagte: »Du wirst mich begleiten und den Fall mit mir abschließen. Wer ist denn überhaupt die Mumie, die sich da in unsere Gespräche einmischt?«
Ich stellte die Beiden kurz gegenseitig vor. Als ich gerade damit fertig war, flog die Tür zum Zimmer auf. Zunächst eilte die Ärztin hinein, geschoben von einem kleinen Mann mit Wahlrossbart.
Kommissar Paul wischte sich über seinen Schnäuzer, als wäre er eine Wunderlampe. Er baute sich neben Winter auf und sagte: »Da haben wir ja euch beide wieder. Frau Doktor Klara sagte mir gerade, dass sie keine Bedenken hätte, sie heute zu entlassen. Das passt ganz prima, denn ich würde sie gerne auf das Revier mitnehmen.«
Winter drehte sich zu ihm und sagte: »Ist das eine Festnahmen?«
»Das ist im Moment nur eine Bitte, die sie hoffentlich befolgen. Es könnte jedoch sehr wohl zu einer Festnahme werden. Man kann ja jetzt noch nicht sagen, wie sich die Lage entwickelt. Bisher haben wir zwei Bomben und sie waren jeweils an Ort und Stelle. Von meiner Position aus ist das sehr verdächtig.«
Die Augen rollend sagte Winter zu mir: »Ich hatte Dir schon gesagt, dass Du es Dir nicht zu bequem machen solltest. Zieh Dich um, wir haben zu tun.«
Nachdem ich mich umgezogen hatte, verabschiedete ich mich von Simon und verließ das Krankenhaus auf dem Weg zum Polizeirevier.

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3 Kommentare zu „Krankenbesuch

  1. Diese Folge gefällt mir ausgesprochen gut! Ich habe mich sehr amüsiert. 🙃 😉 👍
    Sätze wie: »… die Frage, ob sie meine Freundin ist, habe ich schon mehrmals mit ›Nein, auf keinen Fall‹ beantwortet. Sie ist mir zugelaufen und ich werde sie jetzt nicht mehr los«, sind einfach unbezahlbar!!! 😂 🤣

    Gefällt 1 Person

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