Mumientanz

Simon hatte Besuch. Er hatte mir gestern von seiner Frau erzählt und ich freute mich darüber sie kennenzulernen. Seine Kinder fehlten, da sie wahrscheinlich ihren Vater nicht in dem Zustand sehen sollten, was auch erklärte, warum er gestern Abend keinen Besuch hatte – jemand musste sich um die Kinder kümmern.
Die Frau wirkte beunruhigt und saß am Rand des Betts auf einem Hocker. Winter hätte sie beinahe umgerannt, als sie das Zimmer betrat. Ohne sich zu entschuldigen, baute sie sich neben dem Bett auf und sagte: »Ist Dir gestern irgendetwas Merkwürdiges aufgefallen?«
»Ja ich hab zufällig einen guten Freund von früher getroffen. Er lag im Bett neben mir und hatte Besuch von einer Dame, die die leicht unhöfliche Art an den Tag legt, Fremde direkt zu Duzen.«
Winter verdrehte ihre Augen und sagte: »Ich meine in Bezug auf den Anschlag?«
Simon überlegte kurz. »Ich war nicht lange vor der Tür, bis die Hölle losbrach. Zumindest habe ich keine bärtigen Männer mit Sandalen und weißen Badenmänteln gesehen. Allerdings hatte ich auch nicht explizit darauf geachtet.«
Ich schaltete mich ein. »War da eine Blondine auf dem Marktplatz, die sich merkwürdig benahm?«
Erneut war Simon still. Er sah zu seiner Frau und sagte dann: »Jetzt wo Du mich daran erinnerst, habe ich tatsächlich eine Frau gesehen. Sie sah ungefähr so aus, wie Deine Freundin.«
Genervt sagte ich: »Sie ist nicht meine Freundin.«
»Da sie Dir nicht von der Seite weicht, liegt die Vermutung nah.«
Winter sagte: »Du hast mich gesehen, wie ich mit Bob über den Marktplatz ging?«
»Nein, Du warst alleine und hast Dich vor dem Gemüsestand aufgehalten.«
»Das war ich nicht. Es wäre auch nett, wenn Du das nicht der Polizei erzählen würdest.«
Hinter Winter sagte eine tiefe Stimme: »Was sollte er nicht der Polizei erzählen?«
Ich wirbelte herum und sah in das Gesicht von Maria.
Winter sagte resigniert: »Er meint, mich am Gemüsestand gesehen zu haben. Dabei war ich die ganze Zeit bei Bob. Außerdem würde ich nicht versuchen ihn in die Luft zu jagen.«
Ich nickte zustimmend und sagte: »Sie hat ganz andere Folterinstrumente, mit denen sie mir mein Leben zur Hölle macht.«
»Sie ist also doch Deine Freundin?«

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