Bitte stören Sie nicht die Ermittlungen der Polizei

Maria reichte Simon ihre Karte. Sie ging zu den anderen Betten und rüttelte am Gestell. Als sich die Personen nicht rührten, ließ sie von ihnen ab.
»Das ist sicherlich nicht die netteste Art, zu sehen, ob jemand wach ist.«, sagte ich.
Maria sagte: »Bitte misch Dich nicht in polizeiliche Ermittlungen ein.«
Winter nickte mir zu und ich drehte mich zu Simon. »Irgendwie kenne ich zu viele rabiate Frauen.«, murmelte ich.
Simon sagte: »Vielleicht stehst Du ja auf diesen rustikalen Stil.«
Im aufgesetzten Plauderton sagte Winter zu Maria: »Dieser hier ist wach. Du kannst ihn ruhig etwas rumschaukeln. Das wird ihm kaum schaden.«
Mit einem Handwisch in unsere Richtung sagte Maria: »Bitte verlasst den Raum. Ich muss mich mit dem Zeugen allein unterhalten.«
Winter knirschte mit den Zähnen, während wir den Raum verließen. Simons Frau, die sich uns als Hannah vorstellte, wirkte, als ob sie neben sich stehen würde. Sie blickte immer wieder auf die Tür.
Ich sagte: »Er wird schon wieder.«
»Er hätte nicht vor die Tür gehen sollen. Wäre er bei uns geblieben, wäre ihm nichts passiert.«
»Ihm hätte immer etwas passieren können. Er lebt und wird bestimmt gesund.«
Winter sagte: »Er wird ein paar Narben im Gesicht behalten. Das macht ihn vielleicht interessanter.«
»Die Ärzte sagen, dass noch nicht sicher ist, ob er auf dem rechten Augen überhaupt noch irgendetwas sehen wird. Sein rechtes Trommelfell ist ebenfalls gerissen.«
Winter winkte ab. »Nur ein paar Schrammen – er wird sowieso irgendwann sterben.«
Ich schüttelte den Kopf und sah Winter entgeistert an. Sie sagte: »Es ist besser, die Wahrheit zu sagen, sonst macht die Gute sich noch zu große Hoffnungen.«
»Simon scheint mir mit der Geschichte gut umgehen zu können. Sie werden schon sehen, er wird wieder ganz der Alte.«
»Mit ein paar Schrammen, vielleicht ohne Augen und Ohren, aber der Rest sieht noch recht fitt aus.«
Hannah schluchzte leise und rieb sich das Gesicht. Eine rote Lampe leuchtete über der Tür auf und von drinnen erklang ein leises Fluchen. Eine Krankenschwester eilte einige Sekunden später in das Zimmer und warf die Tür hinter sich zu.
Sofort wollte Hannah in das Zimmer stürmen, aber Winter hielt sie zurück und sagte: »Vielleicht hat er es jetzt überstanden.«
Die Tür öffnete sich und Maria trat aus dem Zimmer. Sie sah zerknirscht aus und hielt den Kopf gesenkt.
Ich sagte: »Was ist da drin los?«
Leise sagte Maria: »Ich hab mich auf ein Bett gesetzt, in dem einer dieser Scheinleichen liegt. Dabei habe ich wohl ein Kabel abgerissen. Ganz plötzlich war dann eine Schwester da und hat mich rausgeschmissen.«
»Sei froh, wenn Du kein Hausverbot bekommst. Das könnte im Notfall sehr ungünstig für Dich sein.«

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