Abfahrt

Wir kamen auf den Parkplatz und mir wurde schmerzlich bewusst, dass ich das Parkticket vergessen hatte. Winter regte sich furchtbar darüber auf, dass ich erneut zurückgehen musste.
Bevor ich zum Parkscheinautomaten ging, verabschiedete ich mich von Maria. Irgendwie hatte ich sie in mein Herz geschlossen. Sie war zwar eine raue Person, sie hatte uns allerdings so oft geholfen, dass ihr grober Charakter kaum noch eine Rolle spielte.
Als ich die Beiden verließ, steuerte Maria auf ihr Auto zu. Natürlich parkte sie auf dem Mitarbeiterplatz, auf dem sie nicht bezahlen musste.
Winter sah mir schmollend hinterher. Sie bestrafte meine Vergesslichkeit mit einer Mine, die anderen Menschen sicherlich den Frost in die Glieder hätte fahren lassen.
Als ich gerade vor dem Automaten stand, explodierte etwas hinter mir. Eine Sekunde lang, war alles in grelles Licht getaucht. Dann ließ die Druckwelle einen großen Teil der Fenster auf meiner Seite des Krankenhauses zerbrechen. Es regnete viele kleine Splitter auf mich hinab.
Eine Frau schrie irgendetwas. Ich erkannte die Stimme. Es war Winter. Schnell drehte ich mich um und rannte zurück.
Eine Rauchsäule erhob sich auf dem Mitarbeiterparkplatz. Ich sah, wie Winter in diese Richtung lief. Ich rannte ihr hinterher.
Das Feuer war in einem Auto ausgebrochen, was mir wage bekannt vorkam. Es war der Wagen von Maria.
Winter hatte die Tür erreicht und riss sie auf. Als ich sie erreicht, zog sie etwas aus dem Innenraum, der mit Rauch gefüllt war.
Schnell half ich ihr Maria auf den Parkplatz und weg von dem Brand zu ziehen. Marias Kleidung hatte Feuer gefangen.
Ich zog meinen Mantel aus und bedeckte mit ihm die Flammen, die zischend erloschen.
Ich beugte mich über die leblose Person und wischte ihr den Ruß aus dem Gesicht. Sie atmete nicht mehr.
Schnell tastete ich nach ihrem Puls. Am Hals konnte ich nichts spüren.
Dann klopfte mir Winter auf die Schulter. Mit einer Handbewegung schob ich ihre Hand zurück. Sie sagte etwas zu mir, was ich nicht begriff.
Ich legte eine Hand in Höhe von Marias Herz, nahm meine zweit über die erste und drückte, so wie ich es aus dem Fernsehen kannte.
Winter sagte erneut etwas zu mir, doch ich wollte sie nicht hören.
Sie sagte: »Es hat keinen Zweck. Schau Dir ihr Gesicht an.«
Ich zählte 21, 22 und drückte erneut.
»Ihr halbes Gesicht ist nicht mehr da. Schau sie Dir doch an. Sie ist tot.«
Erneut zählte ich und drückte.
»Das bringt sie nicht zurück. Du kannst sie noch so animieren, das bringt sie nicht zurück.«
»Sei nicht so verdammt pessimistisch. Sie wird schon wieder.«
»Mach Dir nichts vor. Die Hilfe ist umsonst.«
»Das kannst Du nicht wissen.«
Ich zählte und drückte weiter.

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