Nachdem sie mir alle Dinge abgenommen hatten, die ihnen irgendwie gefährlich vorkamen (mein Gürtel wurde als Erstes konfiziert), stießen sie mich in einen kleinen, ziemlich kargen Raum. Die Fenster waren vergittert. Ein Durchgang führte in ein noch kleines Zimmer, mit einer Toilette.
Im größeren Raum stand lediglich noch ein Bett, welches seine besten Tage schon vor einer Ewigkeit hinter sich gelassen hatte und trotzdem weiter leben musste. Warum sie dem armen Ding keine Ruhe gönnten, konnte ich nicht nachvollziehen. Irgendwie fühlte ich mich gerade genauso wie dieses Bett.
Der Raum war nicht unbedingt das, was ich mir vorgestellt hatte. Insgesamt war es netter als einige Hotelzimmer, in denen ich bisher abgestiegen war. Allerdings fehlten der Schreibtisch und der Fernseher. Wäre mir so ein Zimmer untergekommen, hätte ich mich beschwert. Wer kann schon ohne Fernseher leben? Gilt der nicht eigentlich als Standard?
Vielleicht wurde er entfernt, weil er Menschen in den Selbstmord getrieben hat. Das Programm ist in der letzten Zeit immer schlechter geworden. Das kann empfindsame Seelen für immer zerstören.
Ich setzte mich auf die Bettkante und sah mich weiter um.
Von außerhalb der Tür hörte ich Winters Stimme. Sie rief nach mir.
Ich ging langsam zur Tür und lauschte.
»Kannst Du mich hören, Bob?«
Für einen Moment zögerte ich. Vielleicht war es eine neue Gelegenheit endlich Ruhe zu bekommen. Wenn ich mich hier einfach nur aufs Bett legen würde, könnte ich vielleicht die gesamte Geschichte vergessen. Sie kam mir sowieso eher wie ein böser Traum vor. Dabei neige ich eigentlich gar nicht zu Albträumen.
Winter schrie erneut: »Bob? Wie geht es Dir?«
Sie klang wirklich besorgt. Ich schrie zurück. »Mir geht es gut. Was ist mit Dir?«
»Ich wusste doch, dass ich Dich mit dem kleinen Trick zum Reden bringen würde. Kaum sagt man die einfache und nicht ganz ehrliche Floskel, musst Du einfach antworten.«
»Du hast mir nicht geantwortet.«
»Brauch ich nicht. Du weißt, dass es mir immer gut geht.«
Müde legte ich meinen Kopf an die Tür. Sie ging mir einfach nur auf die Nerven. Wäre sie dieses Jahr fern geblieben, wäre ich jetzt zu Hause und würde mir eine neue Serie auf Netflix ansehen oder würde PS4 spielen. Hätte sie mich doch blos nie besucht…
Leise murmelte ich: »Hätte, hätte, Fahrradkette.«

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4 Kommentare zu „Das Leben in der Zelle

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