Auf der Flucht

Sie zog an meinem Arm, während ich protestierte. »Das ist nicht richtig. Wir sollten hierbleiben. Sie werden uns verfolgen und wenn sie uns haben, werden wir sehr lange hinter Gittern sitzen.«
»Stell Dich nicht so an. Du hast alle Zeit der Welt. Außerdem schau Dich um. Das hier ist nicht normal. Sie schlafen alle.«
Erstaunt blieb ich stehen. Tatsächlich lagen die Köpfe der Beamten, die im Zimmer hinter dem Gefängnistrakt arbeiteten, auf dem Tischen. Ihr Schnarchen war das leise Brummen, welches ich vorhin gehört hatte. Sie sahen nicht so aus, als wären sie bei der Arbeit eingeschlafen. Eher so, als hätte man Lachgas in den Raum geleitet.
Ich sagte: »Wusstest Du, dass man von Lachgas gar nicht lachen muss? Es wurde nur so genannt, weil man es früher als Partie-Droge bei feuchtfröhlichen Zusammenkünften eingesetzt hat. Die Leute hatten dabei so viel Spaß – das Zeug macht in leichter Konzentration stark euphorisch – dass man ihm den Namen gab.«
»Das hier war nicht Lachgas. Das hier ist Magie.«
»Du meinst die dunkle Soße, mit der jede Suppe besser schmeckt?«
»Nein, das Zeug, was Harry Potter bekannt gemacht hat.«
»Du meinst, es war Blondi?«
Winter spitze die Lippen und sagte: »Es wäre schön, wenn Du sie nicht so nennen würdest.«
»Zu sexistisch für Dich?«
»Ja, so könnte man das auch ausdrücken.«
Sie hielt kurz inne und sagte: »Sollen wir jetzt gehen? Irgendjemand hat sich sehr viel Mühe gegeben, um uns alle Schwierigkeiten aus dem Weg zu räumen.«
Ich schüttelte den Kopf: »Das ist überhaupt keine gute Idee.«
»Jetzt hör auf zu jammern und komm endlich.«
»Aber ich jammer gerne und viel. Das ist mein liebstes Hobby.«
Winter nahm meine Hand und zog mich weiter.
Tatsächlich standen alle Türen auf. Der Weg aus dem Revier, war so einfach wie ein Spaziergang im Park, wenn man mal davon absieht, dass man für einige Parks viel Eintritt bezahlen musste und es Nachts weniger sicher war. Hier würden wir die Rechnung erst nachträglich erhalten.
Ich riss mich erneut los und sagte: »Wir sollten das nicht machen.«
Mit einer schnellen Drehung hatte Winter ihre Hand wieder an meinem Ärmel und zog mich los. Sie sagte: »Mach Dir hinterher Gedanken darüber. Wir müssen diese Attentäterin finden.«
»Wäre es dann nicht besser, die Polizei auf unserer Seite zu haben?«
»Die werden den Fall nie lösen, wenn sie glauben, schon Schuldige zu haben. Also komm jetzt und trödel nicht.«

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4 Kommentare zu „Auf der Flucht

    1. Ich bin auf dem Weg zur Besserung. Vor Jahren jammerte ich so viel, dass einige Leute in meiner Umgebung davon Ohrenbluten bekommen haben und mich nur noch mit Lärmschutz besuchten.

      Heute ist es viel besser geworden. Im Moment jammern die Leute in meiner Umgebung so laut, dass man mich kaum noch hört.

      Man muss sie nur soweit kriegen….

      Gefällt 1 Person

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