Immer wieder mit dem Kopf schüttelnd sagte ich: »Das ist mehr als blöd. Wenn er oder sie weiß, wo wir sind, dann könnten wir uns genausogut hier treffen.«
Winter lachte und sagte: »Die mysteriösen Fremden haben andere Pläne.«
Mein Smartphone vibrierte in meiner Hand.
›BEI NICHTERSCHEINEN ERFOLGT MELDUNG EURER POSITION BEI POLIZEI.‹
Ich zeigte Winter kommentarlos die Nachricht. »Der Schreiber kann noch nicht einmal Deutsch.«, sagte sie, nachdem sie das Display studiert hatte.
»Die meisten Menschen verlernen Deutsch, sobald sie auf kleinen transportablen Monitoren ihre Lebensweisheiten eingeben müssen. Was dabei herauskommen sind Nachrichten wie z.B.: ›hör auf Dein Herz‹ und ›Du kannst alles sein, was Du willst‹.
Dabei spricht mein Herz normalerweise nicht, weshalb ich grundsätzlich auf den Bauch höre, der viel lauter kommuniziert und wenn ich jetzt als Beispiel ein Baum sein möchte, ist das auch nicht möglich. Zwei Ratschläge, die man direkt in die Tonne schmeißen kann.«
»Kein Jugendlicher benutzt die Worte ›Nichterscheinen‹ oder ›Position‹ und nutz anschließend die falschen Präpositionen.«
»Letztendlich haben wir immer noch keinen Beweis, dass sie wissen, wo wir sind. Wir können genausogut hierbleiben und warten, was passiert.«
Winter schüttelte energisch den Kopf und mein Handy rappelte erneut. Als Nachricht erschien die Adresse zu Winters geheimen Domizil.
»Hierbleiben ist keine Alternative.«, sagte Winter, die von der Nachricht nichts mitbekommen hatte.
Ich nickte und sagte: »Soweit ich das sehe, ist das jetzt schon obsolet. Die Herrschaften wissen tatsächlich, wo wir sind.«
Es rappelte erneut und es erschien: ›WEITERE TOTE FREUNDE FOLGEN OHNE TREFFEN.‹
Ich lachte auf und sagte: »Die klingen so, als wären sie bei Joda in die Schule gegangen.«
Langsam rappelte ich mich hoch. Das Treffen roch nach Falle. Allerdings konnten wir wenig verlieren, schließlich hatten uns die Fremden schon in eine Ecke gedrängt.
Ich sagte: »Es wäre besser, wenn wir uns maskieren würden. Die Polizei wird auf jeden Fall nach uns suchen. Wir hätten einen Vorteil, wenn sie uns nicht sofort erkennen.«
Winter drehte sich einmal um die Achse und stand plötzlich mit einem sportlichen Outfit, kurzem roten Haaren und einer viel zierlicheren Nase vor mir. Außerdem war sie gut 20 cm gewachsen.
Ich sagte: »Die Jogginghose sind für Dich wahrscheinlich eine Qual. Außerdem hat das Blond besser zu Dir gepasst.«
»Kein Problem, das kann ich wieder ändern, wenn ich es will. Jetzt müssen wir uns allerdings noch um Dich kümmern. Wie wäre es, wenn Du Dir den Bart abrasierst?«
»Tolle Idee, aber viel verändern wird das nicht.«
Winter wischte mir mit einer flachen Hand durchs Gesicht. Dort wo sie meine Haut berührte, wurde es eisig. Die Kälte zog sich tief in die Knochen und ein Taubheitsgefühl, wie durch eine Zahnarzt-Betäubungsspritze blieb für wenige Augenblicke.
Mit einem Nicken sagte Winter: »Ich gebe Dir noch einen Kaputzenpulli und dann wird Dich keiner erkennen.«

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