Kapitel 5: Was jetzt?

An der Haustür der Wohnung, in der ich noch heute morgen mit Winter war, stand kein Namensschild. Außerdem war auch niemand da. Ich klingelte so lange, bis der fast modisch bekleidete Nachbar erneut erschien und mich anschnauzte. Er meinte, dass wenn ich nicht sofort das Haus verließe, er die Polizei rufen würde. Dabei wählte er eine falsche Grammatik und einen viel zu lauten Ton.
Eigentlich traute ich ihm einen Anruf bei der Obrigkeit kaum zu. So wie er aussah, konnte er wahrscheinlich  sein Gehirn nur unter Schmerzen zur Arbeit zwingen, geschweige denn eine Telefonnummer wählen. Mit Hilfe der modernen Technik war allerdings Einiges möglich.
Mein Telefon summte. Schnell griff ich in meine Jackentasche und war überrascht, dass das Dingen noch ein leichtes Summen von sich gab. Das Display war an mehreren Stellen geplatzt und eine Ecke war verschwunden. Der Kampf vorhin war nicht spurlos an dem Mobilfunktelefon geblieben.
Prüfend betastete ich mein Gesicht.
Das Summen ertönte erneut und ich versuchte, den Anruf anzunehmen, wobei ich mir beinahe eine Glasscherbe unter die Haut trieb. Mit diesem Handy konnte man ab sofort auch Möhren reiben.
Auf der anderen Seite erklang eine Frauenstimme. Vorsichtig hielt ich den Hosentaschen-Strahlenempfänger an mein Ohr, wobei ich einen Abstand einhielt, der mein Misstrauen gegenüber dem gesprungenem Glas entsprach. Es müssen ungefähr 20 cm gewesen sein, was letztendlich ein geschrieenes Telefonieren nötig machte.
Die Stimme am anderen Ende erkannte ich zu spät und sagte fragend: »Frühling?«
Mehrere über die Distanz unverständliche Worte erklungen. Etwas lauter und jede Silbe betonend rief ich: »Du musst lauter sprechen. Mein Handy ist kaputt.«
Ein paar Silben drangen kaum zu mir hinüber. Mein Hirn formte aus ihnen den Satz: »Der Schlüssel liegt unter der Türmatte.«
Schnell bückte ich mich und war überrascht darunter tatsächlich einen Schlüssel vorzufinden. Ich rief »Danke!«, und nahm ihn an mich.
Die Nachbartür öffnete sich erneut und ich sah lediglich zwei Augen im Halbdunkeln glühen.
Mit einem Nicken sagte ich: »Mein Handy hat schon bessere Zeiten erlebt. Meine Freundin hat mir übrigens den Schlüssel unter die Türmatte gelegt.«
Der Urmensch schnaubte: »Das habe ich gesehen. Warum gehen sie nicht rein und machen ihren Lärm drinnen? Außerdem überrascht es mich, dass die Eisprinzessin Feeunde hat.«
Ich verzog das Gesicht und sagte: »Sie ist nur so eine Bekannte, nicht meine Partnerin.«
»Sie kennen sie also nicht richtig?«
Schnell drehte ich den Schlüssel im Schloss, huschte hinein und zog die Tür hinter mir zu.

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