Als ich auf das zerstörte Display blickte, merkte ich, dass mein Gespräch mit Frühling getrennt wurde. Dieses Gespräch konnte allerdings auch warten. Viel wichtiger war es, Winter zu finden.
Ich durchstreifte die Wohnung, immer darauf gefasst, dass Winter aus einem Schrank oder unter einem Bett oder Möbel hervorspringen könnte. Das hätte ich zwar Frühling eher zugetraut, aber die Möglichkeit war zumindest gegeben.
Die Küche war leer. Es sah nicht so aus, als hätte hier jemals jemand gelebt. Der Kühlschrank war abgeschaltet und klinisch rein. Er roch, als hätte man ihn vor kurzem desinfiziert. Vielleicht war er auch gerade erst geliefert worden.
Die Herdplatten waren unbenutzt. Es war nicht so, als wären sie lange nicht mehr benutzt, sonder eher so, als wären sie noch nie benutzt worden. Winter hatte anscheinend wenig Ambitionen sich häuslich zu betätigen. Allerdings konnte das auch einer dieser magischen Tricks sein, mit denen mich Sommer beeindruckt hat. Ein Wisch und schon räumte sich ein Zimmer selbst auf.
Ich für meinen Teil gab die Küche auf. Hier war Winter definitiv nicht.
Das Badezimmer war ähnlich klinisch rein, wie die Küche. Im Spiegelschrank standen keine Utensilien, wie man sie in einem normalen Haushalt fand. Es fehlten Scheren, Schminkzeug, Medikamente und selbst die Zahnbürste war nicht aufzufinden.
Im Spiegel registrierte ich, dass mein Gesicht in den alten Zustand zurückgerückt war. Jetzt sah ich wieder ganz normal aus. Der Zauber war verflogen.
Sonst bot das Badezimmer wenig Überraschungen. Winter hatte im letzten Jahr noch in einer anderen Wohnung gewohnt. Vielleicht war diese hier tatsächlich nur ein temporärer Unterschlupf – eine Art ›Safehous‹.
Ich bückte mich unter die Spüle und durchwühlte den Unterschrank. Auch hier waren keine Spuren der Bewohnerin. Fein sortiert lagen ein paar Toilettenpapierrollen aufeinander – brav in Reih und Glied und rechtem Winkel.
Ich schüttelte den Kopf und begab mich ins Schlafzimmer.
Das Bett war durchwühlt. Das war tatsächlich die Tatsache, die mir sofort auffiel. Die Schränke hingegen waren alle leer.
Winter musste nicht schlafen, daher war ihre unordentliche Schlafstätte tatsächlich außergewöhnlich. Aber vielleicht hatte sie das auch extra gemacht.
Ich versuchte, mich zu erinnern, wie ihre andere Wohnung ausgesehen hatte. Ich stand zwar nur davor und sie hatte mich nicht hineingebeten, allerdings konnte ich hinter ihr einen Blick erhaschen.
Im Wohnzimmer erklang ein elektronisches Piepsen.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s