Ein Leben in der Zelle Teil 2

Nach dem Telefonat wurde ich in die mir bekannte Zelle verfrachtet. Es war nicht ganz so, als würde ich nach Hause kommen, da ich den kargen, eher rustikal eingerichteten Raum keinerlei euphorische Gefühle entgegenbrachte. Trotzdem freute ich mich über das Bett.
Die letzten Sonnenstrahlen fielen durch die Gitter und zeugten schwarze Schatten über den gefliesten Boden. Es war, als hätte jemand ein Kreuz auf den Boden gemalt.
Mit einem Schlag wurde die Tür hinter mir geschlossen. Es folgten keine hämischen Bemerkungen, wie man sie auf Filmen kennt. 
Ich ließ mich auf das Bett fallen und vergrub das Gesicht in den Kissen. Diese rochen muffig. Anscheinend hatte man das Bettzeug nicht gewechselt oder die Kissen waren alt.
Kurz dachte ich darüber nach, wie ich das letzte Mal mitten in der Nacht den Raum wieder verlassen hatte. Diesmal würde es wahrscheinlich nicht passieren.
Die Müdigkeit überrannte mich, wie die wilden mongolischen Horden Peking. Mein Körper zerfiel in tausend Teile und löste sich auf. Winter brauchte keinen Schlaf. Wenn ich vielleicht mehr Jahre lebte, würde ich ebenfalls keinen mehr brauchen. Aber jetzt konnte ich ihn nicht aufhalten.
Eine Hand tippte mir auf die Schulter und ich stand vor dem blonden Racheengel, der mich auf dem Marktplatz hemmungslos verdroschen hatte. Sie lächelte mich an und flüsterte: »Diesmal wird es nicht so weh tun.«
Ich zuckte zurück und wusste ganz plötzlich, dass dies nur ein Traum war.
Die Dame schlug mir ihre Hand ins Gesicht. Noch bevor sie mich berührte, fing ich sie ab und hielt sie fest. Ein Lächeln lag auf meinem Gesicht.
»Diesmal bin ich auch im Vorteil, da dies mein Traum ist.«
Ganz plötzlich schlug ihr Knie in meine Weichteile und ich krümmte mich vor Schmerzen.
»Egal wo wir sind, ich bin immer noch stärker.«
Von hinten trat eine Gestalt auf die Frau zu. Er packte sie am Kragen und hielt sie hoch. Die Gestalt war Morpheus, der Herr des Schlafes, den ich letzte Jahr kennengelernt hatte.
Er lächelte mich an und sagte: »Genießt Du Deine Träume?«
Gekrümmt auf dem Boden liegend sagte ich: »Hatte schon bessere.«
Mit einem Ruck warf er meine Angreiferin hinter sich und klatschte dann in die Hände. Ich sagte: »Danke für die Hilfe.«
»Hättest bestimmt gar keine gebraucht, wie ich Dich kenne.«
Ich stand auf und klopfte mir den Staub von der Kleidung. »Du weißt nicht zufällig, wo Winter ist?«
»Jemand der nicht schläft, ist für mich schwer zu finden. Ich bin mir allerdings sicher, dass sie nicht in Schwierigkeiten ist.«
Auf einmal merkte ich, dass es um mich heller wurde. Mir wurde bewusst, dass ich aufwachte. »Weißt Du, wer meine Angreifer sind?«
Morpheus lächelte breit und sagte: »Ja.«
Dann wachte ich auf.

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