Herr Paul stand im Raum, als ich die Augen öffnete und hatte ein breites Grinsen im Gesicht. Er sagte: »Schon wach?«
Diese höllischen Morgenmenschen waren bisher immer mein Problem gewesen. Ihre gute Laune durchlöcherte meine Verteidigung aus tief sitzendem Ärger darüber wach zu sein. Diesmal war meine Laune noch ein wenig schlechte, da sich Morpheus so bedeckt gehalten hatte.
Ich sagte: »Hätten sie mich nicht geweckt, hätte ich jetzt vielleicht die Namen der Terroristen und ihr Motiv.«
»Sie ermitteln im Schlaf?«
»Sie wissen gar nicht, was ich alles im Schlaf kann. Da ist eine Ermittlung noch die geringste meiner Leistungen.«
»Ich würde sie gerne ins Verhörzimmer bitten, da wir noch ein paar Fragen an Sie haben, bevor sie in ein anderes Gefängnis verlegt werden.«
»Sie bringen mich hier raus? Anscheinend hab ich auch hier keine feste Bleibe gefunden.«
»Es wäre nicht zulässig, sie weiter in dieser Zelle zu halten. Diese ist nur für kurze Übernachtungen gedacht.«
Er drehte sich um und winkte, damit ich ihm folgte. Den Weg zum Verhörraum kannte ich mittlerweile. Ich hätte ihn auch selbst gefunden.
Nachdem ich mich setzte, sagte ich: »Eigentlich sollte bei einem Verhör doch mein Anwalt dabei sein.«
»Das wollte ich ihnen gerade sagen. Er wird nicht kommen. Sie haben das Recht auf einen Pflichtverteidiger.«
Überrascht sah ich ihn an. Ich sagte: »Warum kommt er nicht?«
Herr Paul fischte sein Handy aus der Tasche, drückte ein paar Tasten und gab mir den Apparat.
Am anderen Ende meldete sich Markus.
Ich sagte: »Du willst mich nicht verteidigen?«
Er stotterte und klang verunsichert. »Ich – ich – kann Deinen Fall leider nicht annehmen. Private Verpflichtungen.«
»Was ist denn dazwischen gekommen?«
In der Leitung kehrte Stille ein. Dann sagte Markus sehr leise: »Ich habe heute Morgen einen Anruf bekommen.«
»Ist was passiert? Geht es Deiner Frau nicht gut? Ist was mit Deinen Eltern?«
»Nein das ist es nicht. Aber man riet mir eindringlich, mich nicht mit Deinem Fall zu beschäftigen. Er ist sowieso zu groß für mich. Normalerweise mach ich nur Diebstähle und Betrugsfälle.«
»Aber ich bin unschuldig.«
»Ich kann nichts machen.«
Es konnte kein Chef gewesen sein, der Markus beunruhigt hatte, da er mit seiner Kanzlei selbstständig war.
Ich sagte: »Wer hat Dich eingeschüchtert?«
»Da war so eine Frau. Es tut mir leid, ich kann Dir nichts sagen.«
Dann wurde die Leitung unterbrochen.
Ungläubig starrte ich Herrn Paul an.

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