Die Typen in Blau verpassten mir erneut Handschellen. Langsam kehrte dabei eine Art Gewohnheit ein.
Ich entdeckte den Beamten unter ihnen, der mir gestern die Flucht vereitelt hatte und wünschte ihm einen guten Morgen. Er starrte mich irritiert an. Mit einem Lächeln fragte ich: »Wie geht es Ihnen heute?«
»Heute hab ich eigentlich frei, deshalb hab ich nicht besonders gute Laune. Diese ganzen Überstunden machen mich fertig. Zum Glück ist nach der Fahrt heute für mich Schluss.«
»Es tut mir leid, dass ich der Grund für ihre Überstunden bin.«
»Dafür können sie ja nichts. Wir haben viel zu wenig Personal für viel zu viele Einsätze. Mal ist es ein Fußballspiel, mal sind es vermutliche Terroristen – wir wissen gar nicht mehr, wie wir das alles hinbekommen sollen.«
»Sie könnten ja z.B. auf die Blitzer-Tage verzichten?«
»Das mit diesen Tagen ist eine ganz andere Sache. Zum einen haben wir natülich Aufgabengebiete – wie z.B. Verkehr, Verbrechen und Schutz – zum anderen viel zu wenig Leute, so dass jeder mittlerweile alles machen muss. Wir sind fast schon soweit gekommen, dass die Leute im Büro auch blitzen müssen.
Die Lage ist angespannt.«
Er nahm meine Hände und schob mich vor sich durch die Tür.
Ich sagte: »Nicht, dass ich mich beschweren möchte, aber ich wäre auch ohne Schieben ihrer Aufforderung gerne nachgekommen.«
Der Beamte nickte und sagte: »Wenn dann alle etwas überarbeitet sind, passieren auch so Dinge, wie Polizeibrutalität und anderen Vorfälle, die man uns dann vorhält. Wir können nicht gewinnen.«
Ich ging ein paar Schritte schneller, damit der Herr hinter mir nicht noch einmal schieben musst. Schließlich wollte ich nicht dazu beitragen, dass er Probleme bekam.
Wir kamen draußen an einem blauen Bus an. Neben dem standen etliche Fotografen und ließen ein wildes und weißes Licht über mich ergehen.
Ich sagte: »Toll jetzt komm ich ins Fernsehen.«
Etwas leiser, kam es von hinten: »Die besagten 5 Minuten Ruhm.«
»Hoffentlich erkennt mich niemand. Ich habe mich heute Morgen gar nicht rasiert.«
»Das sollte das Geringste der Probleme sein.«
Schnell sprang ich in den Bus und verdrückte mich nach hinten auf die Bank.
Ich blickte in die Gesichter der Leute, die neben den Bus standen und nickte ihnen zu. Wirklich wusste ich nicht, welche Reaktion sie von mir erwarteten, sie blickten mich auf jeden Fall recht fassungslos an.

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