Die Fahrt würde nicht lange dauern. Ich kannte den Weg gut, da ich in der Nähe der Vollzugsanstalt in der Großstadt schon gewesen war. Der Polizist, der in meiner Nähe saß, hatte seine schlechte Laune kaum unter Kontrolle. Anscheinend wäre er lieber woanders.
Da er grummelnd und starr nach draußen sah, schaute ich mir ebenfalls lieber die Umgebung an, als ihn bei seiner schlechten Laune zu stören.
Wir fuhren ein Stück durch das Innenstadtgebiet. Aus der Ferne konnte ich Leute erkennen, die den Marktplatz aufräumten. Nach dem Anschlag und dem Kampf würde es wohl noch Wochen dauern, bis er den alten Flair zurückgewann.
Flüchtig sah ich eine Blondine, die in meine Richtung winkte. Ich konzentrierte mich auf die Dame. War es Winter?
Wir waren zu schnell an ihr vorbeigefahren und ich blickte neugierig aus dem Heckfenster.
Von der Figur passte es einfach nicht, sie wirkte ähnlich, allerdings nicht vertraut. Allerdings konnte die Jahreszeit auch in jedem Augenblick anders aussehen und eine andere Seite von sich zeigen.
Der Bus stoppte und ich blickte zurück nach vorne. Winter hätte mich hier rausgeholt, wenn sie es gewesen war.
Die Fußgängerampel war rot und ein Typ in Karputzenpulli ging langsam über die Kreuzung. Er hielt genau vor dem Bulli und blickte unterhalb seiner Karputze nach innen. Ich sah eiskalte, tiefblaue Augen in einem fast bleichen Gesicht. Seine Blicke waren direkt auf mich gerichtet.
Die Ampel sprang zurück und der fahrende Beamte wurde sauer, weil sich dieser Typ vor ihm nich aus dem Weg rührte. Er schrie nach draußen.
Ich konnte seine Worte nicht verstehen, da die Panik in mir hochstieg. Das hinter uns war nicht Winter. Das war mein ganz persönlicher Alptraum und wie ich es schon immer gewusst hatte, war der blond.
Ich blickte mich um und sah, dass der Verkehr hinter uns versiegt war. Eine einzelne Dame ging dem Bus entgegen. Ihre Haare wirbelten durch die Luft, als herrschte draußen ein Orkan, wobei sich rechts uns links kein Blatt rührte.
Sie war jetzt bis auf wenige Meter bei uns. Ich blickte mich wieder um, weil der Polizist am Lenkrad, der sich gerade noch lauthals beschwert hatte, plötzlich leise war. Er hatte den Kopf nach vorne gebeugt und schien zu schlafen. Die Tür zum Bus stand offen und der Karputzentyp stand davor.
Ich wendete mich zu dem Beamten an meiner Seite, doch der hatte seinen Kopf gegen das Fenster gelehnt und die Augen geschlossen.
Plötzlich schlich eine Müdigkeit in mir auf. Meine Arme und Beine sackten nach unten. Meine Augenlider waren so schwer, als hätte man daran Lastwagen aufgehängt. Mit aller Kraft kämpfte ich gegen die Schwere an, doch schließlich musste ich nachgeben. Die Welt um mich herum wurde dunkel und ich fiel in die Leere.

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