Seine eiskalten Augen funkelten mich immer noch an. »Wenn Du nicht ihr Partner bist, was bist Du dann?«
Ich schüttelte den Kopf und zuckte gleichzeitig mit den Achseln und sagte: »Ich habe mich so oft selbst erfunden, dass ich das auch kaum noch weiß. Als Kind wollte ich mal Pastor werden. Dann hatte ich zum ersten Mal Chemie-Unterricht in der Schule und beschloss Chemiker zu werden, was ich dann nach einer Lehre als Chemielaborant, dem nachgeholten Fachabitur in Chemie und einem Studium mit Promotion auch wurde. In dieser Phase verlief mein Leben relativ gradlinig.
Mit dem Ende des Studiums versuchte ich mich allerdings als Programmierer und drei Jahre später mehr oder weniger als Ingenieur.
Wenn mich jetzt jemand fragt, was ich bin, dann würde ich wohl wahrheitsgetreu: vielseitig, sagen. Außerdem bin ich definitiv kein Perfektionist. Wenn eine Sache gut läuft, lasse ich sie laufen und würde nicht einmal eingreifen, um sie perfekt werden zu lassen. Die meisten Dinge, so ist mein Eindruck, brauchen nur ab und zu einen kleinen Schubs und dann laufen sie von selbst. Die Möglichkeit nach einem Eingreifen vor einem Scherbenhaufen zu stehen, ist viel zu groß.«
Der Mann vor mir fuchtelte wild mit seinen Händen. Anscheinend gefiel ihm meine Antwort nicht.
Er sagte: »Was bist Du in Bezug auf Winter?«
»Ein Freund der Familie? Ein Hündchen, welches sie gelegentlich ausführt? Ich habe keine Ahnung, was ihre Geschwister, geschweige denn sie selbst, von mir wollen.«
Ein Lachen erklang hinter meinem Rücken. »Sie wollte einen Alchemisten. Das liegt doch auf der Hand.«
Nachdenklich strich sich der Graf über seinen Kinnbart und blickte durch mich hindurch. Er sagte: »Das kann schon sein, aber warum brauchen sie einen, wenn sie schon selbst so viel Magie hat?«
Ich sagte: »Die ganze Geschichte ist mir zu dumm. Kann mich zufällig jemand nach Hause bringen? Ich langweile mich hier noch zu Tode, auch wenn das schwer möglich ist.«
Schneller als ich blicken konnte, umfasste der Mann meine Hand und zog sie an sich. Er sah mir in die Augen, während in seiner anderen Hand plötzlich ein Messer blitzte.
Krampfhaft versuchte ich, mich von dem Typ zu lösen, doch es war, als hätte ich in ein zu schmales Rohr gegriffen, welches mich jetzt nicht mehr entkommen ließ.

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